von Janet Lakatos

Networking

Online- und Social Networks

Visitenkartensammeln war gestern - heute stellt man sein digitales Porträt ins Netz. Der Vorteil der Online-Netzwerke: Neben immer aktuellen Kontaktdaten und dem Sympathieträger Foto bieten die digitalen Visitenkarten genug Raum, Profil zu zeigen. Berufliche Stationen, Sprachkenntnisse, Interessen und Absichten im Netzwerk – alles auf einen Blick. Außerdem kann man lange untergegangene Kontakte reaktivieren.

 

Überrascht trifft man auf Freunde und vergessene Bekannte und kann seiner Neugier freien Lauf lassen. Was hat Herr Müller eigentlich die letzten fünf Jahre gemacht? Welche Kontakte hat Frau Schmidt? Oft denkt man überrascht: "Ach, die kennen sich? Die Welt ist klein."

Das globale Dorf
In dieser globalen Gemeinschaft herrschen ganz eigene Kommunikationsformen. Dass es dabei wirklich dörflich zugeht, haben Studien der Columbia University in New York gezeigt: In den sechziger Jahren entwickelte der Sozialpsychologe Stanley Milgram die Small-World-Hypothese, nach der jeder Mensch über durchschnittlich sechs Personen mit jedem anderen Menschen bekannt ist. Mit dem Aufkommen des Internets und den damit einhergehenden veränderten Kommunikationsformen galt es, diese These zu überprüfen. Das Ergebnis: Eine Forschergruppe um den Soziologen Duncan J. Watts bestätigte die Gültigkeit der Small-World-Hypothese für die Welt der medialen Kommunikation. Experimente zeigten, dass ein E-Mail-Kettenbrief nach durchschnittlich sechs Weiterleitungen wieder im Postfach des ursprünglichen Absender landet.

"Sie wurden als Kontakt hinzugefügt"
Die Small-World-Hypothese wollen Online-Netzwerke nutzen und setzten daher auf Transparenz. Das heißt: Ich sehe die Kontakte meiner Kontakte und bei Bedarf kann der eigene Kontakt als Vermittler dienen. So kommen auf zwölf eigene Kontakte schnell 850 Kontakte zweiten Grades. Doch auch innerhalb einer schon bestehenden Community werden zunehmend Netzwerk-Tools eingerichtet - Netzwerke im Netzwerk. e-fellows.net besitzt mit der e-fellows-community ein solches Format für Stipendiaten. Es ist frei von Werbung und steht ganz im Zeichen der Netzwerk-Kommunikation.

Das Netzwerk-Tool der e-fellows: die e-fellows.net community


Digitale Visitenkarte
Der Trend, sich virtuell zu vernetzen, hat in Amerika seinen Anfang genommen und schwappt jetzt nach Europa und Asien über. Das nordamerikanische Portal "Linked-In" zählt über fünfeinhalb Millionen registrierte User. Der in Hamburg ansässige Open Business Club (openBC) brachte es Ende Januar 2006 auf eine Millionen Mitglieder weltweit. Seit der Gründung im November 2003 wächst openBC täglich um rund 1.000 neue Mitglieder. Die hohen Mitgliederzahlen werfen jedoch auch die Frage nach der Effizienz solcher Netzwerktools auf. Um etwaigen Unkenrufen entgegen zu wirken, veröffentlichte openBC im März 2006 eine Studie über "Kommunikation und Networking im Internet" – die zweite ihrer Art. Das Ergebnis: "Rund 55% knüpfen neue Geschäftskontakte, 16% erzielen bereits Neugeschäft."


Nach Feierabend
Laut der Studie strebt jedoch ein Viertel der Befragten keinen geschäftlichen Erfolg über openBC an. Daran zeigt sich: Online-Netzwerktools werden oftmals schlicht als neue Spielart des Beziehungsmanagements genutzt. Was machen die alten Klassenkameraden? Einfach den Namen eintippen und die digitale Visitenkarte verrät es – sofern die Kollegen aus der Schulzeit registriert sind. Für die rein private Variante des Networkings existieren jedoch eigenständige Angebote im Internet - die sogenannten "Social Networks". Neuester Trend unter Studenten: "Studiverzeichnis.de". Ende 2005 gestartet, zählt Studiverzeichnis.de mittlerweile schon 50.000 Mitglieder, die sich über die Plattform präsentieren, austauschen und kennen lernen.

Ehssan Dariani

Ehssan Dariani (25) studiert Wirtschafts- wissenschaft in St. Gallen. Er ist Mitgründer der Plattform www.studivz.de, die wie das amerikanische Vorbild "Facebook.com" Studenten miteinander vernetzt.

Treffen sich die Studenten von heute nicht mehr in der Cafeteria oder auf dem Campus? Warum müssen Sie sich online kennen lernen?
Das tun sie gar nicht. StudiVZ (Studiverzeichnis) ist ein sozialer Katalysator, das heißt: In erster Linie kommuniziere ich mit Freunden und Bekannten, die ich schon habe. StudiVZ ergänzt also schon bestehende Kommunikationsformen wie Telefon oder E-Mail. Das Interessante ist jedoch, dass ich auf einmal Zugang zu den Freunden meiner Freunde bekomme. Ich sehe, wer mit wem bekannt ist und kann Leute daraufhin ansprechen – online oder vor Ort. Jeder präsentiert sich mit einem Profil bei StudiVZ. So sehe ich, wer die gleichen Hobbys hat oder meinen Musikgeschmack teilt.

Wie nutzen die User StudiVZ hauptsächlich?
Viele schauen sich die Profile und Fotos der anderen Mitglieder an. Wer ist der andere? Was mag er oder sie? Je nach Interesse bilden sich Gruppen.

Nutzer von StudiVZ "gruscheln" miteinander. Was bedeutet das?
Gruscheln ist ein Kunstwort und bietet damit der Phantasie viel Freiraum. Studiverzeichnis will junge Menschen miteinander vernetzen. Gruscheln steht für die vielfältigen Formen, die Kommunikation haben kann.

Wie ist Ihre Zukunftsprognose für StudiVZ.de?
Momentan haben wir 50.000 Nutzer. Ein Drittel bis die Hälfte der Mitglieder nutzen unser Angebot täglich. Bis Ende Juni rechnen wir mit 100.000 Mitgliedern.

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