Networking
Prinzip Business-Networking
Zeige mir deine Kontakte und ich sage dir, was du wirst. Was früher abwertend mit Vitamin B (B für Beziehungen) bezeichnet wurde, gilt heute als der Schlüssel zum Erfolg: Networking. Wer einen aktiven Freundeskreis hat, kennt das Prinzip: Man tauscht sich aus, berät und hilft sich gegenseitig. Überträgt man dies auf den Beruf, ist man beim Business-Networking.
Menschen netzwerken, um Erfahrungen und Informationen auszutauschen und gegenseitig von ihrer Bekanntschaft zu profitieren. Solange das Vorgehen nicht undurchsichtig oder ungesetzlich ist, beschreibt Networking lediglich eine Art, schneller und direkter über Kontakte ans Ziel zu gelangen. Dabei zählen nicht nur die eigenen Kontakte, sondern man profitiert auch von den Kontakten seiner Kontakte. Hat beispielsweise ein Kommilitione ein Praktikum in einer Firma gemacht, bei der auch ich mich demnächst bewerben möchte, so erfahre ich den richtigen Ansprechpartner aus erster Hand. Schwarze Schafe gibt es beim Networking natürlich auch. Der Volksmund kennt dafür Begriffe wie "Vetternwirtschaft" oder "kungeln". Seriösen Netzwerkern und Netzwerken geht es aber vor allem um Kommunikation und Gruppenbildung: Man schließt sich zusammen, um Ziele zu erreichen (Win-Win-Situation) - ganz im Bewusstsein, dass Kontakte und die richtigen Informationen für den beruflichen Erfolg ausschlaggebender sind als Wissen. Einfach nur gut sein, reicht oftmals nicht aus.
Monika Scheddin (45) ist Trainerin für Kommunikation, Teambuilding und qualitatives Networking. Kürzlich hat sie das Buch "Erfolgsstrategie Networking" herausgebracht.
Frau Scheddin, Networking ist derzeit
in aller Munde. Ist das nur ein Trend?
"Networking" ist ein neues Wort, das momentan inflationär gebraucht wird. Das Prinzip ist jedoch uralt und erfährt gerade eine neue Wertschätzung: War es vor kurzem noch verpönt, seine Beziehungen zu nutzen, scheint es heute akzeptiert. Aber verändert hat sich das Prinzip eigentlich nicht: Networking bezeichnet die Chance, sich über Kontakte leichtere Bedingungen zu schaffen, beispielsweise beim Berufseinstieg. Networking hilft, den Fuß in die Tür zu bekommen, ist aber kein Freifahrtsschein und kein schnelles Geschäft.
Wann sollte man mit Business-Networking beginnen? Schon während des Studiums oder erst im Beruf?
Je früher, desto besser. Schon als Schüler kann ich Networking betreiben: beim Jobben oder im Privaten. In absichtloser Absicht kann ich an Menschen andocken und diese Kontakte pflegen – am besten, bevor ich sie brauche. Das ist immer eleganter.
Wie gehe ich vor, wenn ich mit Business-Networking beginnen möchte?
Zuerst einmal damit, Ziele zu setzen. Danach kann ich überlegen, wer mir helfen kann, dieses Ziel zu verwirklichen. Das fängt schon damit an, sich Vorbilder aus der Praxis zu suchen. Ich wollte mal in die Politik, also habe ich einen Termin bei einem Bundesminister gemacht. Das war nicht einfach, aber wer freundlich und hartnäckig bleibt, sich nicht abwimmelm lässt und immer wieder anruft, bekommt irgendwann auch bei einem Politiker einen Termin. Nach dem Gespräch wusste ich: Politik möchte ich nicht machen. Mein Tipp lautet also: Vorbilder suchen. Wer hat den Job, den ich gerne hätte? Was kann diese Person mir darüber sagen? Nur wenn ich Networking an Personen festmache, habe ich Spaß an der Sache – darum geht es immerhin auch.
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Karrierenetzwerk e-fellows.net
Dieses kommunikative Prinzip liegt auch e-fellows.net zugrunde. Wir fördern den Austausch zwischen Partnerfirmen und e-fellows, beispielsweise durch unser Mentoren-Programm oder durch ausgewählte Veranstaltungen, bei denen sich e-fellows und Partnerfirmen persönlich kennen lernen können. Neben der Karriereförderung geht es bei e-fellows.net aber auch um die Vernetzung der Mitglieder: In vielen Städten gibt es zum Beispiel eine City Group – die lokale und persönliche Seite von e-fellows.net.
e-fellows.net bietet regelmäßig Top-Events in Kooperation mit den Partnerfirmen an. So war e-fellow Ulrich (25) bei der Eröffnung der neuen Räumlichkeiten von Hengeler Mueller in München im April 2006 dabei. Gemeinsam mit weiteren e-fellows ging er auf Tuchfühlung mit einer der großen deutschen Wirtschaftskanzleien.
Eigeninitiative gefragt
Für gelungenes Networking reicht es jedoch nicht aus, nur den Aufnahmebogen eines Netzwerks auszufüllen. Wer nie zum Netzwerk-Treffen geht, lernt keine weiteren Mitglieder kennen und kann daher nicht von persönlichen Netzwerk-Kontakten profitieren. So wie Freundschaften gepflegt werden müssen, ist auch beim Business-Networking Eigeninitiative gefragt – Netzwerk-Pflege ist Arbeit und kostet Zeit. Dafür festigt man alte und knüpft neue Kontakte.
e-fellow Thomas (28) tritt im Oktober 2006 eine Stelle als Fertigungsplaner bei Bosch an. Hilfreich für die Festanstellung waren neben einem Praktikum bei Bosch die Kontakte zur Firma, die er schon während seiner Studienjahre durch das Förderprogramm "students@bosch" aufgebaut hat.
Ist Business-Networking schon für Studenten ein Thema?
Business-Networking finde ich auch schon für Studenten wichtig, da man sich meiner Meinung nach gar nicht früh genug über Ansprechpartner, Bewerbungsprozesse oder Berufseinstiegsmöglichkeiten nach dem Studium informieren kann. Das geschieht am einfachsten durch Gespräche mit Kontakten, die Praktika in verschiedenen Firmen gemacht haben. So bekommt man wichtige Informationen über Firmen, bei denen man dann selbst Praktika absolvieren kann. Das gleiche gilt für mögliche Diplom- oder Doktorarbeiten in der Industrie, die durch gute Kontakte erheblich einfacher zu ergattern sind.
Ist es nicht sehr aufwändig, stets sein Netzwerk pflegen zu müssen?
Mit ein wenig Kommunikationsfreude ist es nicht schwer, ein Netzwerk zu pflegen. Es kann sogar ein sehr kurzweiliger Zeitvertreib sein. Die besten Geschichten schreibt ja bekanntlich das Leben selbst. Daher finde ich es sehr interessant, in regelmäßigen Abständen zu erfahren, welcher meiner Kontakte bei welchem Arbeitgeber gelandet ist, welche Position bekleidet und was für Erfahrungen gemacht hat. Man trifft außerdem durchaus Menschen, die sich nach einiger Zeit von einem reinen "Business-Kontakt" zu guten Bekannten oder sogar echten Freunden entwickeln. Ein kurzes Telefonat oder eine kurze E-Mail, um sich bei alten und neuen Freunden zu melden, ist also alles andere als lästig.
Wurdest du schon mal unter dem Vorwand "Networking" ausgenutzt?
Richtig ausgenutzt wurde ich unter dem Vorwand "Networking" noch nicht. Allerdings habe ich mich schon manchmal darüber geärgert, dass ich meine Kontakte genutzt und viel Zeit investiert habe, um jemandem beruflich zu helfen, das gleiche Engagement im Gegenzug aber ausblieb.
