von Curtis Klaus

Jobchancen für Naturwissenschaftler

Offene Türen in IT und Finanzen

Unternehmensberatungen suchen verstärkt Absolventen aus naturwissenschaftlichen Fächern. Auch bei McKinsey sind sie willkommen. Sowohl im hauseigenen Business Technology Office als auch in anderen Bereichen wie zum Beispiel in der Beratung von Geld- und Finanzinstituten. e-fellows.net hat mit zwei Beratern aus den Naturwissenschaften über ihren Einstieg in der Beratung gesprochen.

Warum haben Sie sich als Naturwissenschaftler für den Einstieg in die Wirtschaft entschieden und sind nicht in die Wissenschaft oder Forschung gegangen?

Harreis: Ich wollte aus drei Gründen in eine Unternehmensberatung gehen: Im Studium und in der Forschung fühlte ich mich oft als Einzelkämpfer. Das war bei meinem Master ebenso wie während meiner Promotion. Ich wollte aber gerne in einem Team arbeiten. Außerdem sind die Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeit oft abstrakt und theoretisch, der Erfolg besteht vor allem aus Publikationen in Fachzeitschriften. Und schließlich bietet mir kaum ein Beruf eine derart breite Vielfalt an spannenden Themen.

Weidenbach: Ich habe ja bereits eine wirtschaftliche Ausrichtung in meinem Studium gehabt, indem ich neben Mathematik auch Volkswirtschaftslehre studiert habe. Für mich war es von Anfang an wichtig, die Praxis in meiner Arbeit als Ausgleich zur Theorie zu haben. Das Umfeld in der Mathematik ist wenig interaktiv. Mir aber macht der Austausch mit Menschen in meiner täglichen Arbeit Freude. Außerdem ist für mich wichtig, dass ich mich bei McKinsey intensiv mit einer Materie auseinander setzen und nach einer bestimmten Zeit auch zu einem konkreten Ergebnis kommen kann.

Holger Harreis (30)

Holger Harreis (30) ist Senior Associate im Düsseldorfer Büro von McKinsey. Der promovierte Physiker hat in Deutschland und den USA studiert und an der Michigan State University einen Master in theoretischer Kernphysik gemacht. Heute arbeitet er im Business Technology Office von McKinsey in Düsseldorf.


Welche neuen Anforderungen stellen sich in Ihrem Beruf? Was konnten Sie aus Ihrem Studium mitbringen?

Weidenbach: Das Know-how von Mathematikern ist vor allem im Risikomanagement gefragt. Aber auch im Bereich der Financial Services, in dem ich viel arbeite, kann ich meine mathematischen Fähigkeiten einbringen. Aus meinem Studium hilft mir bei meiner täglichen Arbeit vor allem mein analytisches Grundverständnis, das es mir ermöglicht, Fragen zu definieren und Lösungswege zu finden.

Harreis: Nach meinem Einstieg in die Beratungsbranche fragten mich einige Freunde: "Warum wirfst du das weg?" Dabei kann ich vieles aus meinem Studium in meinem Job anwenden. Neben der Herangehensweise an Unbekanntes kann ich bei meiner Arbeit im Business Technology Office, bei der ich mich ja viel mit Technologie beschäftige, natürlich auch mein physikalisches Grundwissen gut gebrauchen. Komplexe Fragestellungen zu strukturieren und so zu Lösungen zu kommen, das kenne ich aus meinem Studium. Den Rest habe ich mir im Job angeeignet. Durch eine Vielzahl an Trainings und Coaching "on the Job" wird dies sehr erleichtert.

Katrin Weidenbach von McKinsey

Katrin Weidenbach (29) ist Engagement Manager (Projektleiterin) bei McKinsey. Sie hat Mathematik und Volkswirtschaftslehre an der Uni Bonn studiert und berät vor allem Banken.


Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Kollegen, die ja mehrheitlich doch BWL'er sind?

Weidenbach: Die Zusammenarbeit läuft absolut problemlos. Ich arbeite im Bereich Financial Services natürlich viel mit Banken zusammen, zum Beispiel an Vertriebssteigerungsprogrammen oder bei Fusionen. Das hat mich auch schon während meines Studiums sehr interessiert. Bei meinen Projekten bin ich oft die einzige Mathematikerin im Team. In der täglichen Arbeit spielt der unterschiedliche fachliche Hintergrund der Teammitglieder aber keine Rolle. Wir fangen ja alle in einem Projekt neu an und bringen uns auf einen gemeinsamen Kenntnisstand.

Harreis: Ich persönlich arbeite viel mit Banken, aber auch dem öffentlichen Sektor zusammen. Dabei geht es um strategische Fragen der IT. Zum Beispiel erarbeiten wir mit dem CIO (Chief Information Officer) eine neue Informationstechnologie, die den strategischen Zielen eines Unternehmens gerecht wird. In einem anderen Projekt haben wir vor kurzem für eine Bank im Nahen Osten gemeinsam mit dem CIO eine neue IT-Strategie entwickelt, die dem extrem dynamischen Geschäftswachstum Rechnung trägt. Unterschiedliche Herangehensweisen von BWL'ern, Ingenieuren und Naturwissenschaftlern bei der Projektarbeit habe ich schon festgestellt. Wir arbeiten an einer gemeinsamen Sache, denken in gemeinsamen Termini, doch jeder bringt seine spezielle Sichtweise mit. Das empfinde ich als Bereicherung.

Was gefällt Ihnen an ihrem Job besonders gut und womit mussten Sie sich erst einmal arrangieren lernen?

Weidenbach: Als Naturwissenschaftlerin fiel es mir anfangs schwer, den Mut aufzubringen, mich nicht in Details zu verlieren. Es ist aber in diesem Job wichtig, sich hiervon zu lösen, um das Ganze zu sehen. Denn nur so kommt man zu konkreten Ergebnissen.

Harreis: Da kann ich nur zustimmen. Insbesondere, was die Kommunikation angeht, muss man sich gerade als Naturwissenschaftler darauf konzentrieren, das Ergebnis zu sehr pointierten Aussagen zusammenzufassen. Meine Erwartungen aber sind in jeder Hinsicht übertroffen worden: Mich begeistert die Teamarbeit, die Vielfalt an spannenden Themen und das direkte Ergebnis, das am Ende steht. Ganz besonders gefällt mir daran, dass die Lösung immer in enger Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des Klienten entwickelt wird.

Das Business Technology Office (BTO)

Mit mehr als 450 Beratern an weltweit 15 Standorten ist das BTO eines der größten und am schnellsten wachsenden Büros von McKinsey. Das BTO unterstützt seit 1997 das Topmanagement von Unternehmen dabei, komplexe Fragen im Spannungsfeld zwischen Geschäftsprozessen und Informationstechnologien zu meistern. Ziel der Beratung ist es, unternehmerische Probleme durch einen effektiven Einsatz von Technologie zu lösen. Damit soll der substanzielle Wert des Unternehmens nachhaltig gesteigert werden. Das BTO entwickelt Strategien für Unternehmen in technologieintensiven Branchen wie Finanzdienstleistungen oder Hightech und arbeitet an Geschäftsideen, die durch neue Technologien möglich gemacht werden. Außerdem erarbeitet es Lösungen für die IT-Architektur und das IT-Management bei Fusionen oder im Customer-Relationship-Management.

Weitere Infos über das BTO bei e-fellows.net.
Zum Profil von McKinsey.

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