von Sebastian Mahner

Master-Studiengänge

"Die freie Wahl ist der Vorteil"

Nach dem Bachelor gleich einen Master machen oder direkt in den Beruf? Diese Frage stellt sich allen Absolventen der neuen Bachelor-Studiengänge. Deshalb erzählen vier Bachelor-Absolventen, welchen Weg sie gegangen sind und wie sie ihr Master-Studium ausgewählt haben.

Florian

Nach dem Studium ist vor dem Studium – das wusste e-fellow Florian (25) schon früh. Nachdem er an der Uni St. Gallen einen Bachelor in BWL sowie einen Bachelor in Rechtswissenschaften mit
Wirtschaft gemacht hat, spezialisiert er sich nun mit einem Master auf Wirtschaftsprüfung.


"Für mich war von vorn herein klar, dass das Master-Studium - ich habe mich für "Accounting and Finance" in St. Gallen entschieden - unmittelbar auf das Bachelor-Studium folgen sollte. Und zwar aus drei Gründen: Erstens bedarf
es unheimlich großer Disziplin und Unterstützung durch den Arbeitgeber, eine erfolgreiche Berufstätigkeit zu unterbrechen, um für ein Master-Programm an die Universität zurückzukehren.
Zweitens hatte ich mit meinem Bachelor-Abschluss zwar das Gefühl, eine sehr breite Ausbildung absolviert zu haben, es fehlte mir jedoch ein wenig an der fachlichen Tiefe. Und schließlich ist das Renommee von Bachelor-Abschlüssen
insbesondere in kleineren und mittelgroßen Unternehmen noch nicht auf angemessen hohem Niveau. Ich will damit allerdings nicht sagen, dass dies der Königsweg für sämtliche Bachelor-Absolventen ist. Einige meiner ehemaligen Studienkollegen stehen nach attraktiven Angeboten bereits voll im Berufsleben und bereuen ihre Wahl mitnichten. Aber gerade die freie Wahlmöglichkeit ist ja der große Vorteil des Bachelor-Master-Systems."

Alexander

Aus Begeisterung für sein Fach bewarb sich e-fellow Alexander (23) gleich nach seinem Bachelor in "International Relations" an der University of Wales, Aberystwyth, für einen Master in Oxford. Mit Erfolg: An der britischen Elite-Uni perfektioniert er nun seine Kenntnisse.


"Meine Entscheidung, den Master direkt nach dem Bachelor zu machen, war von zwei Überlegungen beeinflusst: Erstens gefiel mir das Studentenleben und ich wollte es noch gerne verlängern. Mit 22 Jahren in das Berufsleben einzusteigen erschien mir verfrüht. Zweitens rechnete ich mir mit einem Master aus Oxford bessere Chancen am Arbeitsmarkt aus. Berufstätig war ich vor dem Master nicht. Aber meine Sommerpraktika während meines Bachelor-Studiengangs waren sehr hilfreich. In der Abteilung für Entwicklungspolitik beim Bischöflichen Entwicklungshilfswerk Misereor, bei der Österreichischen Vertretung bei den Vereinten Nationen in Genf und bei der Unternehmensberatung McKinsey durfte ich praktische Einblicke in die Probleme und Möglichkeiten der Internationalen Beziehungen gewinnen. Sicher haben mir diese Praktika geholfen, meinen Master-Studienplatz in Oxford zu bekommen."

Gunnar Bida (26) wagte mit einem BWL-Bachelor (Uni Magdeburg) den Sprung in Vertrieb und Marketing eines Medizintechnik-Unternehmens. Mit dem Wissen aus der Praxis entschloss er sich wieder zum Studium: für den berufsbegleitenden Master in "Industriemarketing und Technischer Vertrieb" an der FH Landshut. Dieses Masterprogramm wird von der FH Landshut zusammen mit der University of San Diego angeboten.


"Generell halte ich die Variante, nach dem Bachelor ins Berufsleben einzusteigen für vorteilhafter, weil man an deutschen Universitäten - oder zumindest an der Uni, an der
ich war - herzlich wenig mit der Praxis zu tun bekommt. Nachdem man die theoretischen Grundlagen gelernt hat, sollte man der Realität ausgesetzt sein, um besser abschätzen zu können, was von dem ganzen theoretischen Wirrwarr überhaupt zum Tragen kommt. Außerdem kann man sich, wenn man sich beruflich orientiert hat, viel besser auf einen Master-Studiengang konzentrieren. Ein weiterer Vorteil ist sicher auch, dass man bei einem Direkteinstieg als Bachelor wesentlich jünger ins Berufsleben einsteigt und somit mehr Erfahrungen sammelt. Ich habe meine Erfahrungen im Vertrieb gesammelt, vor allem auch "draußen" beim Kunden. Ich denke, das bietet enorme Vorteile, wenn man später mal eine Management-Position bekleiden will."

Corinna

Raus aus der Uni, rein in Praktikum und soziales Engagement – für e-fellow Corinna (23) war das nach ihrem Bachelor in European Studies an der TU Chemnitz genau das Richtige. Danach war ihr klar, wie sie weitermachen wollte: mit einem Master in Umweltmanagement.

Warum hast du dich gerade für dieses Master-Studium entschieden?
Mein letztes Jahr des Bachelor-Studiums habe ich in Polen verbracht und mich dort verstärkt mit Umweltökonomie und speziell mit erneuerbaren Energien auseinander gesetzt. Obwohl ich mich lange nicht zwischen Osteuropastudien und Umweltmanagement entscheiden konnte, haben ein Praktikum bei einer Beratung für erneuerbare Energien in München und die Mitarbeit bei einer Umweltorganisation in Indien schließlich doch den Ausschlag für die umweltwissenschaftliche Ausrichtung gegeben. Den Master an der FU Berlin hatte ich dabei auch schon länger im Blick.

Warst du vor dem Master schon berufstätig?
Nein, berufstätig nicht, aber ich habe sozusagen ein Jahr "Studienauszeit" genommen und diese mit dem sechsmonatigem Praktikum in München und einem längeren Praktikums- und Reiseaufenthalt in Indien gefüllt. Ein großer Vorteil war natürlich, dass ich über einen längeren Zeitraum Erfahrungen sammeln konnte, die während der kürzeren Praktika im Studium meistens auf der Strecke bleiben. Außerdem denke ich, dass mich die praktischen Erfahrungen viel mehr motiviert haben und ich diese in meinem Master auch in bestimmten Bereichen umsetzen kann.

Kommentar schreiben

Sicherheitstext eingeben:*

* Pflichtfelder