von Sebastian Mahner

Master-Studiengänge

Nach dem Diplom noch ein Master?

Wer fünf, sechs Jahre oder länger studiert hat, braucht eigentlich nicht noch ein Studium – dürften die meisten zunächst denken. Doch es gibt plausible Gründe, auch nach einem Diplom, Staatsexamen oder Magister noch einen Master zu machen. Zwei, die sich dafür entschieden haben, erzählen von ihren Erfahrungen und geben den e-fellows Tipps.

Mal ein anderer Master

Ralf

Diplom in Chemie, Master in Wirtschaftsinformatik: Bei Ralf Oestereich (33) hatte das Zweitstudium nicht viel mit dem Erststudium zu tun. Dafür umso mehr mit seinem Beruf: Nach dem Chemie-Diplom machte er Karriere in der IT-Branche. So war der berufsbegleitende Wirtschaftsinformatik-Master der Unis Göttingen, Kassel, Leipzig und Saarbrücken das Richtige für ihn. Oestereich ist Geschäftsführer eines Siemens-Unternehmens für Informationstechnologie und Telekommunikation in Wiesbaden.


Warum haben Sie sich voll im Beruf stehend noch ein Studium angetan?
Aus drei Gründen: Erstens wollte ich nach vielen Jahren praktischer Erfahrung von der Pike auf die Theorielücken schließen und Fachkenntnisse erwerben. Eine ideale Ergänzung für meinen Beruf, zumal als Chemiker. Zweitens hat mich die wissenschaftliche Herausforderung gereizt -
neben dem operativen Tagesgeschäft. Drittens hatte ich noch vor zu promovieren. In Chemie ist das berufsbegleitend kaum machbar. Mit dem Master habe ich nun das Promotionsrecht in Wirtschaftswissenschaften.

Was hat Ihnen das Master-Studium für den Job gebracht?
Eine Menge. Während des Studiums habe ich mir die Kurse ausgesucht, die wichtig für meinen Job waren. Zu meinen Aufgaben gehörten zum Beispiel Verhandlungen mit Softwarefirmen. Mit dem Studium kenne ich nun die Grundlagen und Zusammenhänge viel besser. Dazu kommt: Die Unterhaltung mit Fachkollegen zum Beispiel aus dem Controlling oder der IT verläuft viel effizienter - man spricht dieselbe Sprache. Außerdem wurde ich nach meinem Master zum Geschäftsführer berufen – sicher nicht wegen der Qualifikation als solcher, aber durch so ein Studium stärkt man ja auch seinen guten Ruf, da man Engagement zeigt, sich weiterzubilden.

Würden Sie rückblickend Ihr Zweitstudium früher machen?
Nein. Zwar war ich ziemlich aus dem wissenschaftlichen Arbeiten raus. Aber für mich war es sehr wertvoll, ein paar Jahre in der Praxis gearbeitet zu haben und dann im Studium genau zu wissen, wo mir die Theorie in der Praxis helfen kann.

Was empfehlen Sie jungen Berufstätigen, die neben dem Job noch einen Master machen wollen?
Zunächst sollte man sich über die eigene Motivation klar werden: Warum nehme ich starke Einbußen meiner Freizeit für mindestens zwei, drei Jahre in Kauf? Zudem muss man fragen: Stehen – wie in meinem Fall - mein persönliches Umfeld und mein Arbeitgeber voll dahinter?
Und dann: So schnell wie möglich studieren, nicht verzögern und nichts verschieben.

Florian

Bereits zwei Abschlüsse hatte e-fellow Florian (27) in der Tasche, als er im September 2005 den Master "Verwaltungs- und Politikwissenschaften" am renommierten Europa-Kolleg Brügge begann: Diplom-Journalist (Uni München) und Redakteur (Deutsche Journalistenschule München). Sein Traumjob wäre es, aus Brüssel über Europa zu berichten.


Du hast bereits ein Diplom gemacht, warum noch ein Master?
Erstens hat mir das Studium der Journalistik nur sehr eingeschränkt Spaß gemacht – aber daran war ich durch die Journalistenschule gebunden. Ich habe immer versucht, mich auf die Nebenfächer Politik und Geschichte zu konzentrieren, aber jetzt wollte ich einfach noch einmal etwas machen, das mir richtig Spaß macht. Zweitens habe ich in meinem Hauptfach nicht wirklich viel an Fachwissen gelernt, dass ich später mal beruflich anwenden kann. Auch deshalb wollte ich mich noch einmal voll in die Politik stürzen - und besonders in die europäische Politik. Drittens: Ich wollte einfach gerne noch einmal ins Ausland. Und zuletzt ist Brügge nah an Brüssel - ich bekomme also einen guten Einblick in die europäische Hauptstadt. Außerdem ist das Europa-Kolleg eine große Kontaktbörse für alle, die mal etwas mit Europa machen wollen.

Du kanntest dich in Politikwissenschaft schon aus. Doppeln sich nicht manche Inhalte?
Zum Teil schon. Das liegt allerdings auch daran, dass hier im ersten Semester alle auf den gleichen Stand gebracht werden sollen. Die Spezialisierung kommt vor allem im zweiten Semester. Andererseits habe ich mich vorher noch nie so intensiv mit den ganzen Themen beschäftigt.

Worauf sollte man bei der Wahl eines Masters achten?
Dass er wirklich etwas bringt - und nicht nur Arbeitslosigkeit oder Post-Abschluss-Krisen überbrücken soll. Zumindest hier in Brügge ist der Arbeitsaufwand gigantisch - da fragt man sich schnell, was das Ganze überhaupt soll. Ich bin aber weiterhin überzeugt, dass es die richtige Entscheidung war - deshalb nehme ich das auch auf mich.

Diese Fragen solltest du vor der Wahl eines Master-Studiums stellen:

  • Was sind meine Ziele? Welche Qualifikation brauche ich noch, um sie zu erreichen? Brauche ich dazu wirklich ein weiteres Studium?
  • Schau dir das Studienprogramm genau an und frage bei Unternehmen nach: Macht so ein Master in dieser Branche Sinn?
  • Wie praxisnah sind die angebotenen Master-Studiengänge? Werden „Soft Skills“ ausgebildet? Gibt es ein Wirtschaftsgremium, Unternehmen als Partner etc.?
  • Ist der Studiengang akkreditiert? Falls nicht, heißt das noch nichts Schlechtes. Aber bei einer Akkreditierung kannst du auf www.hochschulkompass.de den Bericht der Akkreditierungskommission lesen und erfährst mehr darüber, wie gut das Studium durchdacht ist.
  • Wie steht die anbietende Fakultät in Uni-Rankings?
  • Ist vielleicht schon bekannt, welchen Erfolg bisherige Absolventen nach dem Studium hatten?
  • Was sagen Absolventen über das Studium?
  • Wie viel Vorlauf braucht eine Bewerbung? Gerade besonders beliebte Master-Studiengänge haben oft aufwändige Auswahlverfahren.


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