Master-Studiengänge
Nach dem Studiumist vor dem Studium?
Deutschlands Hochschulen nehmen Abschied vom Diplom. Mit dem Bachelor ist auch der Master auf dem Vormarsch. Ein Teil der Master-Programme ist aber nicht nur für angehende Bachelor interessant, sondern auch für Absolventen traditioneller Studiengänge – wenn sie damit ein klares Ziel verfolgen. e-fellows.net zeigt, welche Chancen ein Master bieten kann.
Von "Abenteuer- und Erlebnispädagogik" bis zu "Zahnärztliche Funktionsanalyse und -therapie mit Computerunterstützung": Über 1.700 Master-Studiengänge deutscher Unis oder FHs listet das Studiengangverzeichnis hochschulkompass momentan auf – und es werden immer mehr. Denn im neuen zweistufigen Studiensystem, das an immer mehr Fakultäten die bisherigen Studiengänge ersetzt, bilden die ein- bis zwei Jahre dauernden Master die zweite Stufe. Mit einem Bachelor in der Tasche können die Absolventen entweder direkt in den Beruf einsteigen, um vielleicht später einen Master zu machen, oder ihn direkt ans erste Studium anhängen. Doch das Zweitstudium ist nicht nur etwas für Bachelor-Studenten: Prinzipiell berechtigt jeder erste Hochschulabschluss zum Master - egal, ob Bachelor, Diplom, Magister oder erstes Staatsexamen, ob von einer Uni oder FH. Die Hochschulen dürfen dabei zwar ihre Studenten auswählen, sind aber laut einer Studie des Bundesbildungsministeriums mehrheitlich auch für traditionelle Abschlüsse offen (Informationsseite des BMBF).
Master-Studium als praxisnahe Zusatzausbildung
Natürlich ist nur ein Teil der Studiengänge auch sinnvoll für Absolventen, die bereits fünf Jahre oder länger studiert haben. Doch einige Master bieten zum Beispiel eine praxisnahe Ausbildung für Berufe, für die es keine Diplom- oder Magisterstudiengänge gibt. "Bei uns werden Dinge vermittelt, die man im Studium sonst nicht lernt", sagt zum Beispiel Ulrich Brömmling, Pressesprecher der privaten Hertie School of Governance. Für ihren "Master of Public Policy", der modernes Regieren und Verwalten lehrt, wirbt die Hochschule daher genauso um Absolventen mit Diplom oder Staatsexamen wie um solche mit Bachelor.
Was genau ist ein MBA?
Unter einem Master of Business Administration (MBA) versteht man im engeren Sinne eine praxisnahe, internationale Management-Ausbildung, die vor allem für Nicht-Wirtschaftswissenschaftler mit Berufserfahrung gedacht ist. Allerdings gibt es extreme Qualitätsunterschiede zwischen den Tausenden MBA-Programmen, die weltweit angeboten werden. Echte Karriereturbos sind nur die Studiengänge von sehr guten Business Schools wie zum Beispiel dem INSEAD mit besten Kontakten zur Wirtschaft und einem riesigen Ehemaligen-Netzwerk – aber auch harten Auswahlverfahren und hohen Studiengebühren. Einen MBA kann man in Vollzeit, Teilzeit oder per Fernstudium machen. Neben den klassischen MBA-Programmen gibt es inzwischen jedoch auch eine Vielzahl spezialisierter Programme wie den Logistik-MBA der Kühne School of Logistics and Management. Alles zum MBA erfährst du in der Rubrik "MBA im Überblick".
Tiefer eintauchen – gerade für Bachelor interessant
In den meisten Master-Programmen vertiefen die Studenten ihr Wissen aus dem Erststudium oder spezialisieren sich in einem verwandten Fach. Für Bachelor-Studenten ist das besonders interessant. "Ich hatte mit meinem Bachelor- Abschluss zwar das Gefühl, eine sehr breite Ausbildung absolviert zu haben, es fehlte mir jedoch ein wenig an der fachlichen Tiefe", sagt e-fellow Florian Deglmann (25), der nach Bachelor-Abschlüssen in BWL und Rechtwissenschaft an der Uni St. Gallen dort mit einem Master in "Accounting and Finance" zum Experten für Wirtschaftsprüfung wird (siehe Interview auf Seite 2). Auch wer in der industriellen Forschung Karriere machen möchte, kommt mit einem Bachelor allein nicht weit und braucht mindestens einen Master.
Diplom in Chemie, Master in Wirtschaftsinformatik
Bei den Master-Programmen, die vor allem das Fachwissen des ersten Studiums vertiefen, handelt es sich meist um konsekutive Master (aus dem Lateinischen: aufeinanderfolgend), die von vornherein direkt im Anschluss an einen Bachelor im gleichen Fach an der gleichen Uni eingeplant sind. Für Absolventen traditioneller Abschlüsse sind dagegen nur die eigenständigen Master interessant, die auch viele Fachhochschulen anbieten. Dabei kann so ein Master auch der Schritt zu einem anderen Fach und Beruf sein. Natürlich kann ein Germanist keinen Ingenieur-Master machen. Doch sonst ist vieles möglich: zum Beispiel ein Diplom in Chemie und danach ein Master in Wirtschaftsinformatik (siehe dazu Interview Seite 2).
Studium als Ticket ins Ausland
Auslandserfahrung sammeln und Sprachkenntnisse verbessern – auch dabei kann ein Master helfen. Laut der oben erwähnten Studie gehört zu einem Viertel aller eigenständigen Master ein obligatorischer Auslandsaufenthalt. Und natürlich bieten ausländische Unis ebenfalls attraktive Master. Ein "Master of Laws" in den USA oder Großbritannien zusätzlich zum Jura-Staatsexamen kommt bei großen Wirtschaftskanzleien wie Freshfields Bruckhaus Deringer, Hengeler Mueller oder Clifford Chance als internationale Erfahrung gut an. Zudem kann ein Master im Ausland Türöffner für die Arbeit dort sein. e-fellow Florian Oel (27) etwa paukt nach seinem Journalistik-Diplom am Europa-Kolleg Brügge "Verwaltungs- und Politikwissenschaften", unter anderem um Kontakte nach Brüssel knüpfen. Von dort aus würde er gerne für deutsche Medien berichten (siehe Interview auf Seite 3).
Damit das Zweitstudium nicht zur Falle wird
Doch bei allen Chancen, die ein Master eröffnen kann: Gerade wer bereits fünf Jahre oder länger studiert hat, muss sich genau informieren, inwiefern ihn die Inhalte eines Masters näher an die persönlichen Ziele bringen. Schließlich kostet das Studium nach dem Studium Zeit und besonders in den Wirtschafts- und Rechtswissenschaften auch Geld. Angst vorm Jobeinstieg oder pure Lust am Studieren sind schlechte Gründe für einen Master. Im schlimmsten Fall verschiebt sich der Berufseinstieg so weit nach hinten, dass die Jobchancen sinken.
Denn bei einer Bewerbung sehen Unternehmen genau hin, ob der Master eine konsequente Zusatzqualifikation zum Diplom ist und was er für den Job bringt. "Entscheidend ist, dass der Master für den Lebenslauf des Studenten Sinn macht, also eine Ergänzung des erworbenen Wissens oder eine Vertiefung ist. Dabei sollte ein roter Faden erkennbar sein", sagt Vera Winter aus dem Corporate Human Resources Management von Bosch. So könne ein Master an einer Uni für einen Absolventen eines FH-Diplomstudienganges sinnvoll sein. "Der Master-Titel allein führt aber nicht automatisch zu besseren Einstiegsmöglichkeiten und wird sich auch nicht gleich finanziell auszahlen."
Pluspunkte, wenn der Master zum Job passt
Beim Bekleidungseinzelhändler Peek & Cloppenburg bringt ein Master zusätzlich zum Diplom nur Pluspunkte bei einer Bewerbung, wenn er speziell zur Arbeit dort passt. "Es gibt zum Beispiel einen Master "Fashion and Design" an der Uni Bocconi in Mailand, der auf die Textilbranche vorbereitet. Das ist für uns eine interessante Sache", erklärt Stefanie Saga aus dem Personalmarketing und -recruiting des Unternehmens. Es komme immer auf den konkreten Job und seine Anforderungen an, schränkt Ernst Herrmann aus dem Referat "Führungskräfteentwicklung" der Allianz ein – sinnvoll für Juristen oder Naturwissenschaftler könnte beispielsweise ein Master auf Business Administration (MBA) sein, der erst nach einigen Jahren im Job absolviert werde.
Mit Berufserfahrung studiert es sich oft zielgerichteter
Ältere Absolventen sollten also lieber erst einmal ins Berufsleben einsteigen – ein Master lässt sich berufsbegleitend immer noch machen. Für die internationale Management- Ausbildung "Master of Business Administration" (MBA) ist Berufserfahrung ohnehin Voraussetzung.
Aber auch die jüngeren Bachelor-Absolventen müssen sich fragen, ob es immer sinnvoll ist, gleich einen Master anzuhängen. Denn dafür entschieden sich bisher die meisten von ihnen, um so ihre Jobchancen zu verbessern (siehe dazu "Nicht ohne meinen Master"). So taten sich viele Firmen mit dem Bachelor so schwer, dass nur der Master einen guten Job zu garantieren schien. Ihn wertete die Wirtschaft früh wie ein Diplom. Doch inzwischen öffnen sich die Unternehmen für Bachelor-Absolventen (mehr dazu: Finde ich als Bachelor gute Jobs?).
Berufserfahrung für den optimalen Master
Bei der Unternehmensberatung McKinsey zum Beispiel können Bachelor-Absolventen als Business Analysts ein Jahr in einem Beraterteam mitarbeiten, um dann einen Master zu machen. Wer bei McKinsey erfolgreich war, hat gute Chancen nach dem Master als Fellow wieder einzuzsteigen. So wird der Weg Bachelor – Job – Master attraktiver. "Man kann sich, wenn man sich beruflich erstmal orientiert hat, viel besser auf einen Master-Studiengang konzentrieren", bringt Gunnar Bida die Vorteile auf den Punkt. Nach einem BWL-Bachelor an der Uni Magdeburg wollte er rein ins Berufsleben. Im Marketing und Vertrieb eines Medizintechnik-Unternehmen fand er einen Job. Während seine früheren Kommilitonen wieder studierten, sammelte er Berufserfahrung und verdiente Geld. Vor kurzem hat zwar auch er ein Master-Studium aufgenommen - allerdings berufsbegleitend und wie maßgeschneidert für seinen Job: "Industriemarketing und Technischer Vertrieb" an der FH Landshut. "Das ist wieder der Vorteil eines Direkteinstiegs nach dem Bachelor. Man kommt an solche Master-Programme, die speziell auf einen Berufszweig ausgerichtet sind, nur mit Berufserfahrung ran", sagt Gunnar Bida (siehe Interview auf Seite 2).
