High Potentials und die Wirtschaftskrise
Schwierig, aber nicht hoffnungslos
Mutmaßungen sind nie eine gute Grundlage für Prognosen für die eigene Zukunft. Viele Berichte liefern aber heute nichts anderes als Mutmaßungen und satten Pessimismus. Wer aber weiß wirklich, was im Personalmanagement großer Unternehmen vorgeht? Wahrscheinlich das Personalmanagement großer Unternehmen wie Unister, Oliver Wyman, Freshfields und Roche. Und ein paar Tipps für deine Zukunft gibt es gratis dazu.
Seite 1: Karrierechancen in der Krise?
Seite 2: Die Situation bei den Unternehmen
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Unister Holding GmbH
Personalreferentin Friederike Wystup sieht vor allem die Chancen in der Krise.
Wie beurteilen Sie den Arbeitsmarkt für Absolventen 2009 und 2010?
Die Prognosen deuten es schon an: Es wird enger. Auch Absolventen müssen damit rechnen, in Zukunft länger nach einer passenden Stelle zu suchen. Viele Unternehmen schrauben vorsichtshalber ihr Recruiting zurück. Allerdings werden die gefragten Fachrichtungen Informatik, Maschinenbau und Wirtschaft davon weniger stark betroffen sein.
Was würden Sie Absolventen raten, die sich jetzt bewerben wollen?
Die Devise lautet nach wie vor: "Qualität zahlt sich aus". Gut ausgebildete Kandidaten haben auch künftig die besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Bei der Suche nach einem spannenden Einstiegsjob können ein langer Atem und eine gewisse Flexibilität allerdings nicht schaden. Wichtig ist, motiviert zu bleiben, auch wenn man erst einmal die ein oder andere Absage hinnehmen muss.
Und wie sieht es bei der Unister Holding GmbH aus?
Wir besetzen unverändert unsere verschiedenen Trainee-Positionen sowie unsere Juniorstellen in der Software- entwicklung. Weitere Einstiegsmöglichkeiten für Absolventen bietet Unister im Bereich Finanzen/Controlling, Marketing sowie im Projekt- und Portalmanagement.
Und wie sehen Ihre Prognosen aus - wird es noch schlimmer?
Wir bleiben optimistisch. Unister entstand damals kurz nach der großen Internetkrise 2001/02 und dem Zusammenbruch des neuen Markts. Das zeigt: Jede Krise ist auch eine Chance für neue Ideen - und damit auch für motivierte Absolventen.
Berater Andreas Nienhaus glaubt nicht, dass verlässliche Prognosen möglich sind.
Was denken Sie: Wie wird der Arbeitsmarkt für Absolventen in diesem und dem kommenden Jahr aussehen?
Nach einem langen Aufschwung in Deutschland und Europa weisen zahlreiche ökonomische Indikatoren auf eine umfassende Rezession hin. In den Medien lässt sich ausführlich verfolgen, dass die Finanzmarktkrise die Realwirtschaft längst erreicht und sich zu einer globalen Wirtschaftskrise entwickelt hat. In allen Industrien stellen sich Unternehmen auf diese Herausforderung ein - zum Beispiel durch Produktionspausen, den Abbau von Zeitarbeitskräften und umfassende Restrukturierungsprogramme. Das sind schwierige Vorzeichen für Absolventen, die jetzt in den Markt einsteigen wollen.
Kann man diesen Absolventen dennoch etwas raten?
Wegen der konjunkturellen Entwicklung wird sich der Wettbewerb um einen Beruf mit sehr guten Karriereaussichten noch weiter verschärfen. Bei Oliver Wyman bewerben sich heute deutlich mehr herausragende Absolventen als Strategieberater. Da die Bewerbungen alle eine sehr hohe Qualität haben, gehen wir bei der Mitarbeiterauswahl noch selektiver vor als ohnehin schon.
Insgesamt müssen Absolventen derzeit sicher mehr Initiativ- bewerbungen versenden und sich auf einen noch längeren Bewerbungszeitraum einstellen. Dabei darf man sich nicht entmutigen lassen und Misserfolge auch nicht allzu persönlich nehmen. Das gilt nicht nur für die Beratungsbranche, sondern auch für die Industrie.
Stellt Oliver Wyman auch 2009 Nachwuchs ein?
Obwohl das Umfeld herausfordernd ist, blicken wir optimistisch in das Jahr 2009. Wir werden unseren Wachstumskurs weiter fortsetzen und sind nach wie vor auf der Suche nach heraus- ragenden Talenten als Praktikanten, Diplomanden und Festeinsteiger. Wir freuen uns auf zahlreiche gute Bewerbungen.
Und wie geht es weiter mit der Krise?
Die kurz- und mittelfristige Wirtschaftsentwicklung lässt sich nur sehr schwer vorhersagen. Die Finanzmärkte, der Öl- und Dollarpreis sowie die konjunkturelle Nachfrage lassen mehrere Szenarien zu. Bewerber sollten möglichst flexibel sein, um auf aktuelle Entwicklungen reagieren zu können.
Freshfields Bruckhaus Deringer
Rick van Aerssen, Partner bei Freshfields Bruckhaus Deringer und e-fellows.net-Mentor, sieht weiterhin gute Chancen für hervorragende Jura-Absolventen.
Wie beurteilen Sie die Arbeitsmarktlage für Absolventen in diesem und im kommenden Jahr?
2010 wird in den meisten Wirtschaftsbereichen durch die Auswirkungen des scharfen Abschwungs nach der Finanzmarktkrise geprägt sein. Das gilt auch für Freshfields Bruckhaus Deringer. Als führende internationale Anwaltssozietät werden wir zwar gerade jetzt vielerorts dringend gebraucht, weil wir konsequent auf Expertise und Qualität ausgerichtet sind. Wir spüren die Krise daher etwas weniger stark als die Wirtschaft insgesamt, aber auch wir spüren sie am nachlassen- den Auftragsvolumen deutlich. Darauf müssen wir uns einstellen - als größter Arbeitgeber unter den Kanzleien unter anderem durch eine vorsichtigere Planung bei Neueinstellungen. Zugleich planen wir langfristig. Wir bleiben darauf angewiesen, herausragenden juristischen Nachwuchs für uns zu gewinnen. Die Perspektiven sind daher aus unserer Sicht auch 2009 für Spitzenjuristen sehr gut.
In welchen Bereichen können Absolventen bei Ihnen 2009 einsteigen?
Wir stellen ausschließlich Juraabsolventen mit herausragenden Prüfungsergebnissen - also mit zwei Prädikatsexamina - ein. Sie können zwischen unseren zahlreichen verschiedenen Fachgebieten wählen. Die Palette in unseren sechs deutschen Büros umfasst das gesamte wirtschaftsrechtliche Spektrum: Gesellschafts- und Finanzrecht, Kartell- und Steuerrecht, Restrukturierungs- und Insolvenzberatung, Konfliktlösung, Arbeitsrecht, Öffentliches Wirtschaftsrecht, IP/IT bis hin zum Steuer- und Immobilienwirtschaftsrecht.
Was für Tipps haben Sie für Absolventen, die sich jetzt bewerben wollen?
Sehr gute Bewerber haben weiterhin sehr gute Chancen, wenn der Lebenslauf überzeugt und die Bewerbung sorgfältig ist. Wir raten jungen Juristen zudem immer, eine Zeit im Ausland zu lernen und zu leben und auch andere Passionen außer Jura zu pflegen. In schwierigen Zeiten sollten Bewerber noch flexibler und mobiler in ihren Planungen sein - flexibler im Hinblick auf das gewünschte Fachgebiet, mobiler in Bezug auf den Wunschstandort. Angesichts unserer neun Fachbereiche und sechs Büros allein in Deutschland haben unsere Bewerber jedenfalls immer Alternativen.
Dr. Anja Thies, Leiterin Human Resources Placement und Marketing, rät zu Praxiserfahrung und Flexibilität.
Wie sieht es bei Roche im Krisenjahr 2009 mit Neueinstellungen aus?
2009 suchen wir weiterhin Absolventen und Absolventinnen mit Diplom, Bachelor oder Master, allerdings in etwas geringerem Umfang als im Jahr 2008. Für 2010 können wir noch keine Aussagen treffen.
Auf welche Stellen bei Roche kann man sich 2009 bewerben?
Wir stellen Trainees ein im kaufmännischen und naturwissen- schaftlichen Bereich, suchen Mitarbeitende für Gruppenleitungsfunktionen, Ingenieure und Ingenieurinnen aus dem naturwissenschaftlichen und technischen Bereich sowie Nachwuchs für Marketing und Vertrieb.
Haben Sie einen Tipp für Bewerber, die jetzt am Anfang ihrer Laufbahn stehen?
Für Absolventen und Absolventinnen ist es wichtig, sich gut zu informieren und den Arbeitsmarkt zu beobachten. Sie sollten sich aber nicht durch die Presse über die Arbeitsmarktlage negativ beeinflussen lassen. Besser ist: Das Studium unverändert zügig beenden, frühzeitig den Kontakt zu interessanten Arbeitgebern aufbauen - beispielsweise über Bewerber-Bindungsprogramme, die Praktika und Abschluss- arbeiten anbieten - sich frühzeitig bewerben und auch nach Alternativen zum "Traumjob" suchen.
Auf Seite 3 erklärt Bianca Meyer von Siemens Management Consulting, worauf es beim Einstieg heute wirklich ankommt: gute Noten, Praxis - oder fünf Fremdsprachen?
