von Curtis Klaus

Geisteswissenschaften

Mit seinen Trümpfen punkten

Dass die Jobsuche für Geisteswissenschaftler mitunter zermürbend und langwierig sein kann, ist eine häufige Erfahrung. Das Fachliche zählt meist wenig, auf die praktischen Zusatzqualifikationen kommt es an. Absolventen der Geisteswissenschaften sind sich ihrer im Studium erlernten Soft Skills oft gar nicht bewusst. Dabei leisten sie vieles, von dem sie auch im Beruf profitieren können.

Da viele Studienfächer der Geisteswissenschaften keinen strengen Stundenplan kennen, erliegen Studierende der Gefahr, ziellos durch ihr Studium zu schwimmen. Diejenigen, die es schaffen sind gelernte Autodidakten, denen es an Eigeninitiative und selbstständigem Arbeiten nicht mangelt. Und wenn sie sich durch lange Referate und Hausarbeiten gequält haben, die keinen direkten wirtschaftlichen Nutzen bringen, so haben sie doch bewiesen, dass sie Durchhaltevermögen besitzen. Das methodische Arbeiten bei Hausarbeiten beweist zudem analytisches Vermögen und logisches Denken. Das alles sind wichtige Soft Skills, mit denen man im Bewerbungsgespräch brillieren kann. Eine weitere Qualität vieler Geisteswissenschaftler – die Fähigkeit zum (selbst)kritischen Denken. Diese Fähigkeit verleitet viele Absolventen dazu, die eigenen Fähigkeiten zu relativieren, statt aktiv für seine Kompetenz zu werben.

Alumna Angela Schreiber (27)

Alumna Angela Schreiber (27) ist Arbeitsvermittlerin in der Bundesagentur für Arbeit:
"Mein sicheres Auftreten überzeugte meinen Arbeitgeber."


Mindestens drei Praktika im Hauptstudium
"Viele Absolventen kommen ohne Orientierung zu mir und fragen: Was bin ich jetzt?", meint Alumna Angela Schreiber (27). Die Arbeitsvermittlerin ist in der Arbeitsgemeinschaft Grundsicherung für Erwerbsfähige (ARGE) in Aschaffenburg tätig, hat selber Germanistik studiert und kennt die Probleme vieler Geisteswissenschaftler. Schreiber: "Zu meiner Studienzeit wurde ich oft von Kommilitonen belächelt, weil ich zusätzlich Seminare in BWL besucht habe und zu Jobmessen gefahren bin." Wer sich für eine Tätigkeit in der Wirtschaft interessiert, sollte aber früh aktiv werden. Schreiber: "Jeder sollte ein bis zwei Karrieremessen im Jahr besuchen, um sich zu informieren und mindestens drei Praktika im Hauptstudium bei Unter- nehmen oder Institutionen machen, die einen wirklich interessieren." Zu den besonderen Stärken der Geisteswissen- schaftler zählen für Schreiber Kommunikationsstärke und selbstständiges Arbeiten. Schreiber: "Wer sich durch den Massenbetrieb Uni gekämpft hat, beweist Durchsetzungs- vermögen." Schreiber selbst hat sich bei der Bewerbung für ein Praktikum bei einer Bank gegen Mitbewerber aus der BWL durchgesetzt: "Meine Kollegen sagten mir hinterher, dass mein Auftreten einfach überzeugend war."

Antje Roeben (27)

Antje Roeben (27) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Köln:
"In der Relation von Kosten und Nutzen stehen Geisteswissenschaftler sehr gut da."


Interdisziplinär vernetzen
Das Jahr der Geisteswissenschaften möchte vor allem zeigen, wie wichtig Interdisziplinarität ist. Antje Roeben (27) hat Germanistik, Latein und Archäologie studiert und ist nun wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für deutsche Sprache und Literatur an der Universität zu Köln. Zum Jahr der Geisteswissenschaften bündelt sie im Zentrum für Internationale Beziehungen und Öffentlichkeitsarbeit viele Veranstaltungen der Philosophischen Fakultät (siehe www.jdg.uni-koeln.de). Roeben: "Wir wollen die Vernetzung und das interdisziplinäre Arbeiten in den Geisteswissenschaften zeigen."

"Permanente gedankliche Innovationen"
Die Stärken der Geisteswissenschaften liegen für sie in der Tatsache, dass Geisteswissenschaften "Grundlagenwissen- schaften" seien. Sie hinterfragten Sinnentwürfe und erarbeiteten damit Lösungen und "permanente gedankliche Innovationen". Roeben: "Geisteswissenschaftler sind Vermittler und Spezialisten, die im Wissensdschungel Orientierung schaffen können." Natürlich dürfe dabei der praktische Bezug nicht fehlen. Roeben: "Wer Medienwissenschaften studiert, muss sich auch im Medienrecht auskennen. Wer sich mit chinesischer Kulturgeschichte beschäftigt, sollte sich auch für wirtschaftliche Fragen interessieren." Diese Verbindung werde aber in vielen Fächern der Geisteswissenschaften bereits angeboten. Roebens Fazit: "Ich glaube, in der Relation von Kosten und Nutzen stehen Geisteswissenschaftler sehr gut da."

Informationen

Offizielle Seite zum Jahr der Geisteswissenschaften

www.abc-der-menschheit.de

Videowettbewerb im Jahr der Geisteswissenschaften

www.ich-bin-im-bilde.de

Geisteswissenschaftler in der e-fellows.net community: (für Stipendiaten und Alumni)

Wir Geisteswissenschaftler

Blog für Geisteswissenschaftler in der Wirtschaft

www.unternehmensgeist.de

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