Fit in BWL ohne BWL-Studium
BWL für Eilige - Summer Schools
Jing und Martin haben an den Sommerkursen der Tuck School of Management und der London School of Economics teilgenommen. Neben BWL im Schnelldurchlauf gab es für beide einen großen Namen im Lebenslauf - doch ihr Fazit fällt ganz unterschiedlich aus.
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Jing Zhuang (23) studiert im sechsten Semester Mathematik und Wirtschaftswissenschaften am Middlebury College im US-Bundesstaat Vermont. Im Sommer 2009 hat sie an der vierwöchigen Summer School der Tuck School of Management in Dartmouth teilgenommen. In diesem Jahr findet der Kurs erstmals in Kooperation mit der spanischen IE Business School statt.
Jing, du studierst Mathe und Wirtschaftswissenschaften. Wieso hast du trotzdem am Sommerkurs der Tuck School teilgenommen?
Der Sommerkurs bietet mehr als Kurse zu Accounting, Finance und Marketing. Wir haben ein professionelles Bewerbungstraining gemacht, Motivationsschreiben geübt und Vorstellungsgespräche trainiert. Das fand ich sehr hilfreich. Jeden Morgen hatten wir die Möglichkeit, mit den anderen Teilnehmern und den Dozenten zu frühstücken. Das war eine tolle Gelegenheit zum Netzwerken. Ich habe mich mit vielen Leuten angefreundet und glaube, dass mir diese Kontakte später im Berufsleben nützlich sind.
Mit 6.500 Euro für vier Wochen Kurs, Unterkunft und Verpflegung ist die Summer School nicht gerade günstig. Wie hast du den Kurs finanziert?
Die Schule vergibt Stipendien. Dadurch wurde mir die Hälfte der Gebühren erlassen. Die andere Hälfte habe ich durch einen Sommerjob verdient.
Welche Veranstaltungen gab es neben den Wirtschaftskursen und dem Bewerbungstraining noch?
An einem der Wochenenden fand eine Recruiting-Messe statt, zu der ehemalige Teilnehmer der Summer School gekommen sind. Viele haben Jobs oder Praktika in den Firmen angeboten, für die sie derzeit arbeiten und die Bewerbungsgespräche gleich vor Ort geführt.
Alle Teilnehmer machen zum Abschluss des Kurses ein Projekt. Wie lief das ab?
Ich habe mit meiner Gruppe die Marketing-Strategie eines Kaffee-Unternehmens analysiert. Schon in den Wochen vor der Präsentation haben wir oft bis in die Nacht hinein daran gearbeitet. Zur Präsentation kamen auch die Chefs verschiedener Unternehmen und haben uns Feedback gegeben.
Wem würdest du den Kurs empfehlen?
Ich würde ihn allen empfehlen, die keine Ahnung von Wirtschaft haben und denjenigen, die Wirtschaftswissenschaften studieren und sich ein gutes Netzwerk aufbauen möchten. Der Name der Schule macht sich sehr gut im Lebenslauf. Als ich mich nach dem Kurs für Praktika bewarb, wurde ich zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, für die ich ohne den Namen der Tuck School in meinem CV sicher nicht in Frage gekommen wäre. Daher würde ich den Kurs immer wieder besuchen.
Martin promoviert in Jura an der Universität Düsseldorf. Im Sommer 2008 nahm er an zwei je dreiwöchigen Kursen der LSE Summer School teil.
Die LSE bietet in ihrer Summer School über 60 verschiedene Kurse an. An welchen hast du teilgenommen?
Ich habe an zwei dreiwöchigen Kursen teilgenommen. Das war zum einen Organizational Management und zum anderen Corporate Governance. Bei Organizational Management geht es um Unternehmensführung und darum, wie ich meine Firma und die Zusammenarbeit meiner Mitarbeiter optimieren kann. Corporate Governance beschäftigt sich mit Unternehmensrecht und dem Aufbau eines Unternehmens. Beide Kurse waren eher theorie- als zahlenlastig und daher auch für einen Nicht-BWLer geeignet.
Welchen Hintergrund hatten deine Kommilitonen?
Die Kurse werden in der Regel von Ausländern besucht und man trifft dort kaum Engländer. Gerade bei indischen Studenten ist die LSE sehr beliebt. Vielen geht es einfach nur darum, den Namen der Uni im Lebenslauf stehen zu haben. Die Europäer nehmen teilweise aus taktischen Gründen an den Kursen teil: Wenn ihnen für ihren Studienabschluss nur noch wenige ECTS-Punkte fehlen, können sie die durch eine Klausur am Ende eines dreiwöchigen LSE-Kurses bekommen und sparen sich so ein komplettes Semester an ihrer Heimat-Uni.
Wie viel Arbeit bedeutet so ein Kurs?
Der Tag besteht in der Regel aus drei Stunden Vorlesung und zwei Stunden Tutorium. Dazu kommen die Vor- und Nachbereitung mit Übungsaufgaben. Wer ECTS-Punkte braucht, schreibt nach der Hälfte und am Ende des Kurses eine Klausur. Insgesamt ist der Arbeitsaufwand also relativ hoch. An den Abenden und am Wochenende stehen allerdings auch Partys und Ausflüge auf dem Programm.
Sind die Vorlesungen anders als in Deutschland?
Die Professoren arbeiten in der Regel nach sokratischem Stil. Sie stellen also viele Fragen und nehmen die Studenten dran. Häufig sind junge Bachelor-Studenten ohne großes Vorwissen dabei. Das Niveau ist daher nicht immer besonders hoch. Die Teilnahme an einem Kurs kostet 1.400 Euro. Die Uni nutzt die Summer School daher auch, um ihr Budget aufzubessern. Kritiker vermuten daher, die Noten seien schon im Vorfeld garantiert.
Hattest du die Gelegenheit, viele internationale Kontakte zu knüpfen?
Nein, leider nicht. Ich kann nicht genau erklären, woran das lag, aber in den Kursen und auch an den Abenden haben sich eher nationale als internationale Grüppchen gebildet. Nur vereinzelt war ein näheres Kennenlernen möglich – vor allem die Inder sind da aufgeschlossen, wenn man viel Eigeninitiative zeigt.
Würdest du wieder an einem Kurs der Summer School teilnehmen?
Eher nicht. Der Nutzen, den man für den Preis bekommt, ist meiner Meinung nach nicht hoch genug. Die Schüler der Summer School werden von den Dozenten nicht so gerne gesehen. Hinter vorgehaltener Hand heißt es oft, dass sie diejenigen sind, die es nicht geschafft haben, einen vollwertigen Studienplatz an der LSE zu bekommen. Außerdem kann man sich meiner Meinung nach nicht innerhalb von drei Wochen BWL-Kenntnisse aneignen. Für's "Schnuppern" reicht es jedoch allemal.
Was schlägst du stattdessen vor?
Wer wirklich etwas lernen will, sollte versuchen, ein ganzes Semester an die LSE zu kommen. Die regulären Kurse sind wesentlich besser. Aber die BWL-Vorlesungen an jeder anderen Uni tun es auch. Das kostet mehr Zeit, bringt aber auch mehr.
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