von Julia Büttner

Die Spielregeln der Karriere

Lehren aus der Chefetage

Lieber Boss, mal Hand auf's Herz: Wie sind Führungskräfte großer Unternehmen dorthin gekommen, wo sie heute sind? Hier verraten Sie es.

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Dr. Christoph Witte ist Rechtsanwalt und Partner sowie Recruiting-Partner im Düsseldorfer Clifford Chance-Büro.

Welche Eigenschaften haben Ihnen persönlich geholfen, Karriere zu machen?
Zuverlässigkeit, Menschenkenntnis, Flexibilität, Neugier und Fleiß. Fleiß klingt ein bisschen altmodisch, stimmt aber.

Was muss jemand mitbringen, der bei Clifford Chance Karriere machen will?
Voraussetzung sind hervorragende juristische und sprachliche Fähigkeiten. Aber das alleine reicht nicht. Wer bei Clifford Chance erfolgreich sein will, muss Spaß an der Arbeit mit und für Menschen haben. Interesse an und Verständnis für wirtschaftliche Sachverhalte ist unabdingbar. Wir erwarten außerdem geistige Neugier und Flexibilität und damit den Willen, die Bereitschaft und die Fähigkeit, sich permanent mit neuen Sachenverhalten und Herausforderungen zu befassen.

Als Führungskraft braucht man die Durchsetzungskraft eines Dschingis Khan und die Sensibilität einer Mutter Theresa. Wie schafft man diesen Spagat?
Gerade in einer Anwaltskanzlei gibt es eher wenige Hierarchiestufen. Das bedeutet, dass alle Anwälte sowohl Teams koordinieren und führen, als auch mit den Kollegen vertrauensvoll und effektiv zusammenarbeiten müssen. Den Bewerbern, für die wir uns entscheiden, trauen wir diesen vermeintlichen Spagat zu. Immer wieder findet man diese Fähigkeiten bei guten Mannschaftssportlern: Sie können einerseits Verantwortung übernehmen, andererseits gut im Team arbeiten. Bei mir persönlich haben ehemalige Leistungssportler daher ein großes Plus. Es gibt richtig gute Bewerber, vor allem bei e-fellows.net, die die notwendigen Fähigkeiten mitbringen und die Bereitschaft haben, immer weiter dazu zu lernen und sich zu entwickeln.

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Dr. Dirk Schürbüscher ist Senior Executive bei Accenture.

Was ist am wichtigsten, wenn man bei Accenture Karriere machen will?
Die Zusammenarbeit mit den Kollegen und die gegenseitige Unterstützung ist enorm wichtig. Voraussetzung ist zu erkennen, dass die eigenen Mittel alleine angesichts der Komplexität unserer Aufgabenstellungen nur in den seltensten Fällen ein gutes Ergebnis liefern. Des Weiteren kommt man nur voran, wenn man immer auf der Suche nach Möglichkeiten ist: Welche potenziellen Kunden gibt es im Markt, die man noch erschließen kann, und welche unentdeckten Potenziale gibt es bei Bestandskunden?

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Georg W. Mehring-Schlegel ist Direktor im Bereich Konzernentwicklung und M&A bei Haniel.

Was ist das Geheimnis von Menschen, die Karriere machen?
Das ist kein wirkliches Geheimnis. Fachliche Kenntnisse sind natürlich die Voraussetzung, jedoch ist eine der wichtigsten Eigenschaften Empathie. Das bedeutet, dass man sich hineindenken kann in Mitarbeiter, Geschäfts- und Verhandlungspartner sowie Kontrahenten. Das reicht aber natürlich nicht vollständig aus: Sie müssen durchsetzungsstark sein und der Wille zum Erfolg muss da sein. Wer wirklich Karriere machen will, der sollte versuchen, Empathie und Durchsetzungsstärke miteinander zu verbinden.

Gibt es auch erfolgreiche Führungskräfte, die diese Fähigkeiten nicht mitbringen?
Es gibt immer Menschen, bei denen man denkt: "Wie konnte dieser Mensch eigentlich auf diese Position kommen?" Es gibt Leute, die zum Beispiel aufgrund von Vakanzen in Positionen rutschen, für die sie vielleicht nicht bestens geeignet sind. Um ganz nach oben zu kommen, muss man jedoch immer unterschiedliche Erfolgsfaktoren zusammenführen. Der Wille zum Erfolg allein reicht dann nicht aus.

Haben Sie einen Tipp für einen jungen Trainee, der bei Ihnen anfängt und ganz nach oben möchte?
Er sollte auf jeden Fall versuchen, sich fachlich gut vorzubereiten. Das ist Eingangsvoraussetzung. Dann sollte er sich möglichst weitreichend und interdisziplinär weiterbilden, kulturelle und interkulturelle Kompetenzen erwerben und möglichst tief in viele Kulturkreise eintauchen. Wer diese Fähigkeiten mitbringt, kann sich gut in Menschen aus anderen Gesellschaften und Kulturen hineinversetzen, denn das ist in einer globalisierten Wirtschaft sehr wichtig. Fremdsprachen spielen eine herausragende Rolle. Sobald Sie auf einen Übersetzer angewiesen sind, haben Sie eigentlich schon ein Problem. Fließendes Englisch ist Voraussetzung, Französisch nimmt ab, Spanisch nimmt an Bedeutung zu. Und wir brauchen immer mehr Mitarbeiter, die Chinesisch sprechen. Ansonsten wichtig ist: Viel gesehen zu haben, Erfahrungen auf verschiedensten Gebieten und Praktika in mehreren Unternehmen. Wenn jemand aus diesem Mix das Beste macht, dann ist das fantastisch und sicherlich ein Schlüssel zum Erfolg.

Alle Geistes- und Sozialwissenschaftler werden jetzt aufatmen.
Das will ich gar nicht verneinen. Viele wichtige Kompetenzen gehen über das rein Fachliche hinaus. Das sieht man auch in England, wo viele Menschen etwas ganz anderes studieren, als das, was sie anschließend als Beruf ausüben. Die im Studium erworbenen Fähigkeiten zum logischen Denken, zur unternehmerischen Weitsicht und Durchsetzungskraft sind letztendlich entscheidend. Ich bin persönlich stark davon überzeugt, dass diese Managerfähigkeiten im Vergleich zur Vergangenheit weiter an Bedeutung gewinnen werden.

 

 

 

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