von Catalina Schröder

Deutschlandstipendium

Können Unis netzwerken?

50 Prozent des Deutschlandstipendiums soll die Wirtschaft spenden. Die Gelder werben die Hochschulen selber ein. Während einige der Spendenakquise sorgenvoll entgegenblicken, vertrauen andere Unis auf ihr gutes Netzwerk.

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Michael Beier leitet das Hochschulmarketing an der Stiftung Universität Hildesheim. Er kümmert sich nun auch um die Einwerbung von Spendengeldern für das Deutschland-Stipendium.

Wie steht die Universität Hildesheim zum Deutschland-Stipendium?
Wir begrüßen das Programm ausdrücklich, weil wir hoffen, die sogenannten MINT-Fächer - Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik und darüber hinaus die Betriebswirtschaftler - dadurch stärker zu fördern. In Deutschland gibt es einen großen Bedarf an Naturwissenschaftlern. Auch Lehrer mit naturwissenschaftlichen Fächern werden dringend gesucht. Außerdem glauben wir, dass Studierende aus Migrantenfamilien besser zu einem Studium motiviert werden, und wir möchten Frauen in MINT-Fächern stärker unterstützen.

Viele Universitäten fürchten, dass die Akquise von Spendengeldern in strukturschwachen Regionen schwierig wird.
Die Erfolge in Nordrhein-Westfalen zeigen, dass nicht nur Unternehmen, sondern auch Privatpersonen, Vereine und Stiftungen zur Finanzierung der Stipendien beitragen. Im Endeffekt spiegelt die Einwerbung der Spendengelder die Verknüpfung zwischen der Universität und den Bürgern, mit der Bürgergesellschaft in der Stadt wider. Wir glauben, dass wir beispielsweise durch unsere Universitätsgesellschaft, die Gasthörer und natürlich durch die Alumni oder andere Multiplikatoren gute Kontakte haben, um die Spendengelder einzuwerben. Ein einfaches Projekt wird es nicht, aber wir sind zuversichtlich.

Gibt es bereits Unternehmen, die ihre Beteiligung zugesichert haben?
Ja, die gibt es. Als Stiftungsuniversität arbeiten wir schon lange mit 40 verschiedenen Partnerunternehmen zusammen, von denen sich viele für die Unterstützung des Deutschland-Stipendiums interessieren. Insbesondere weil es ihnen frühzeitig einen persönlichen Kontakt zu den Besten Studenten ermöglicht und sie somit zielgerichtet Partnerschaften und Mentoring-Programme anbieten können.

Werden Geistes- und Sozialwissenschaftler durch das Programm benachteiligt?
Nein, das glaube ich nicht. Es gibt eine Vielzahl von Unternehmen und Privatpersonen, die sich für die Förderung dieser Studiengänge einsetzen. Natürlich sind aber die MINT-Fächer klar im Vorteil, weil hier die Nähe zu den gewerblichen Unternehmen zum Greifen nahe liegt. Aber die Diskussionen um die Bildungsrepublik und die Wissenslandschaft zeigen schon seit PISA, dass der Bedarf an begabten und hochbegabten Schülern und Studierenden quer durch die gesamte Gesellschaft geht. Bildung bleibt unser wichtigstes Gut im globalen Wettbewerb.

Kritiker sagen, dass die Stipendien Studierende aus reichen Elternhäusern begünstigen.
Aus unserer Sicht ist das Stipendienprogramm sozial gerecht, da es sich eben nicht nach den familiären und finanziellen Hintergründen richtet, sondern ganz neutral diejenigen unterstützt, die die besseren Noten haben. Ob die Eltern arm oder reich sind, spielt dabei meines Erachtens keine Rolle. Wichtiger wird es sein, dass wir Begabten aus bildungsfernen Schichten und Migrantenfamilien sowie begabten Müttern mit Kind das Studieren ermöglichen und mit dem Stipendium ihre Leistungen belohnen. Gegenwärtig erhalten zwei Prozent der Studierenden ein Stipendium der Begabtenförderungswerke. Mit dem Deutschland-Stipendium sollen es am Ende zehn Prozent der Studierenden sein. Ein ehrgeiziges Ziel, doch es lohnt sich, das bürgerschaftliche Engagement im Land dafür zu motivieren, denn es geht um unsere eigene Zukunft.


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