von Curtis Klaus

Der erste Jobwechsel

Hechtsprung statt Bauchplatscher

Was für ein Typ bin ich und was ist mir im Beruf wichtig? Allein der schnöde Mammon oder doch das gute Arbeitsklima und die Aufstiegschancen? Über die eigenen Traumkonditionen im späteren Job sollte man sich bereits als Student klar werden. Sonst kann aus dem erhofften beruflichen Hechtsprung ein unerwarteter Bauchplatscher werden.

Nach ihrem Studium bekam die 26-jährige Wirtschaftsingenieu- rin Paula Hedtkamp* in Dresden gleich eine Traineestelle beim Vorstand eines Logistik-Unternehmens. Die Nähe zu den wichtigen Personen im Unternehmen war ein Reiz und schien schnelle Aufstiegsmöglichkeiten zu versprechen. Doch zu früh gefreut. Ihren Chef bekam Hedtkamp fast nie zu sehen, zu tun hatte sie deshalb kaum etwas und fühlte sich schnell vollkommen unterfordert. Auch der Versuch, innerhalb des Unternehmens zu wechseln und in einer Niederlassung weiter zu arbeiten, schlug fehl, da ihr die neue Aufgabe nicht gefiel. Die Unzufriedenheit auf beiden Seiten wuchs, doch der Chef zeigte sich ihren Problemen gegenüber verschlossen. Schließlich blieb ihr nur noch die Kündigung. Die ließ sich Hedtkamp mit etwas Verhandlungsgeschick immerhin noch mit einer Abfindung versüßen.

Qualifikation und Perspektiven
Enttäuschungen im ersten Job kommen oft vor. Denn neben dem Gehalt müssen noch einige andere Dinge stimmen. In einer wissenschaftlichen Umfrage unter den Stipendiaten von e-fellows.net im Herbst 2004 zeigte sich, dass 92 Prozent der Befragten ein gutes Arbeitsklima von ihrem idealen Arbeitgeber erwarten. Fast ebenso wichtig ist ihnen, dass sie von ihrem Arbeitgeber gefördert werden und gute Aufstiegs- und Entwicklungschancen haben. High Potentials sind also nicht nur mit Geld zu locken.

Was beim Arbeitgeber wichtig ist
Als Assistent des Leiters Controlling bei L'Oréal hatte Alumni Alexander Baasner (29) einen guten Einstiegsjob. Doch er vermisste eine Betreuung. Als dann auch noch nach kurzer Zeit ein interner Jobwechsel anstand, entschloss er sich zu einem Wechsel. Damit der Wechsel sich auch lohnt, beachtete er einige wesentliche Punkte. "Ich habe erst gekündigt, als ich den neuen Job sicher hatte", sagt er. Außerdem trennte er sich im Guten und ohne Groll von seinem Arbeitgeber. Er begann ein Trainee-Programm Finance beim Healthcare-Konzern Johnson&Johnson in Düsseldorf. Wichtig bei der Wahl des Trainee-Programms war ihm, dass er eine gute Betreuung, feste Aufgaben und Verantwortung bekam. "Wenn man in ein Trainee-Programm geht, muss man schon im Bewerbungsgespräch klären, ob man nicht doch nur als 'vergoldeter' Praktikant behandelt wird, sondern klar definierte Karriereziele hat."

Inhalt

Seite 1: Neues Kapitel im Lebenslauf. Alumni von e-fellows.net berichten von ihrem ersten Jobwechsel. Karriere-Coaches geben Tipps. >>

Seite 2: Hechtsprung statt Bauchplatscher. Wie finde ich den Job, der zu mir passt? Welche Kriterien sind bei der Wahl eines Jobs wichtig? Alumni berichten. >>

Seite 3: Sprung in die Beratung: Wie der Volkswirt Markus Kirchner zu Accenture kam. >>

Seite 4: Karriere-Coaching: Was man beachten sollte, noch bevor die erste Bewerbung abgeschickt wird. Ein kleiner Coaching-Kurs und Infos über professionelle Coaches. >>


Fühler ausstrecken
Die allerbesten Informationen bekommt man immer noch über das eigene Netzwerk. Von Menschen im Bekanntenkreis mit Erfahrungen in den ersehnten Berufen. Stephan Rieger (27) sagt dazu: "Man sollte ständig die Fühler nach anderen Joboptionen ausstrecken. Das kann nie schaden. Und man muss sich frühzeitig bewerben. Schließlich können von der Bewerbung bis zum ersten Arbeitstag leicht fünf Monate vergehen." Nach Beginn seines Trainee-Programms in einem pharmazeutischen Unternehmen in Berlin gab es nämlich unvorhergesehene Umstrukturierungen. Riegers Stellenbeschreibung veränderte sich, doch die lag ihm nicht mehr. Aus seiner Praktikumszeit bei L'Oréal hatte er sich Kontakte bewahrt, die zu einem Einstiegsangebot bei dem Düsseldorfer Kosmetikriesen führten.

Weiterbildung und Networking im Angebot
Auch mit der Qualität seines Jobs ist Rieger zufrieden. Wichtige Punkte dabei sind: Er kann sich im großen Unternehmen ein gut funktionierendes Netzwerk aufbauen. Weiterbildungsseminare in Paris tragen zudem dazu bei, neue Leute kennen zu lernen. Die Kurse kann er sich nach seinen Bedürfnissen aussuchen. "Und auch die Marken liegen mir sehr", schwärmt Rieger. Angebote zur Weiterbildung und Networking und eine positive Identifikation mit dem Unternehmen steigern die Motivation am Arbeitsplatz.

Am Ball bleiben
Und was ist mit Paula Hedtkamp*? Sie hat ihren Traumjob noch nicht gefunden. Dennoch bleibt sie am Ball und hat Trainings für Assessment Center gemacht, um ihre rhetorischen Fähigkeiten zu schulen. Zudem macht sie ein Praktikum in der Strategieabteilung der Lufthansa. Mit dem Jobabbruch kommt sie gut zurecht. "Ich gehe offensiv damit um und sage ehrlich, dass der erste Job eben nicht meinen Vorstellungen entsprach und ich mich in eine andere Richtung entwickeln wollte. Wenn man Brüche im Lebenslauf begründet, dann werden sie auch akzeptiert."

*Name von der Redaktion geändert.

 

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