von Catalina Schröder

Bewerben bei Begabtenförderungswerken

Die Mischung macht's - Leistung und Persönlichkeit

Wieso kannst du dich bei der Studienstiftung bald auch selbst bewerben? Nach welchen Kriterien wählt die Stiftung der Deutschen Wirtschaft ihre Stipendiaten aus? Und was halten die Begabtenförderungswerke davon, dass künftig bis zu zehn Prozent aller Studierenden ein Stipendium bekommen sollen?

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Dr. Niki Sarantidou (40) leitet seit neun Jahren das Studienförderwerk Klaus Murmann der Stiftung der Deutschen Wirtschaft und arbeitete vorher als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung.

Der Name der Stiftung lässt vermuten, dass Sie besonders gerne Wirtschaftswissenschaftler fördern.
Es entspricht aber überhaupt nicht den Tatsachen. Wir fördern alle Fächergruppen gleichermaßen und haben uns das Ziel gesetzt, dies in der Öffentlichkeit noch bekannter zu machen. Mit dem "Studienkolleg" haben wir zudem ein spezielles Förderprogramm für Lehramtsstudierende im Angebot. Zurzeit stellen die Wirtschaftswissenschaftler mit rund 25 Prozent unserer Stipendiaten allerdings wirklich die größte Gruppe.

Wodurch setzt sich die Stiftung der Deutschen Wirtschaft von anderen Begabtenförderungswerken ab?
Wir bieten unseren Stipendiaten neben einem umfangreichen Seminar- und Trainingsprogramm eine sehr intensive Betreuung. An fast allen Hochschulen gibt es Regionalgruppen, die von einem Vertrauensdozenten und – eine Besonderheit der sdw – einem Vertrauensmanager betreut werden. Die Dozenten kommen von den Hochschulen, die Manager sind Führungskräfte unserer Partnerunternehmen. Zusätzlich steht vielen Gruppen ein Alumni-Mentor zur Seite, die Lehramtsstudierenden haben darüber hinaus einen Vertrauensschulleiter als direkten Ansprechpartner. Alle Gruppen werden außerdem von einem Regionalbetreuer unserer Stiftung begleitet.

Können sich auch Abiturienten schon bewerben?
Ja, seit diesem Jahr können sich auch Abiturienten bewerben. Unter den 813 Bewerbern für unser Auswahlverfahren im Frühjahr 2009 waren 249 Abiturienten. Generell werden Abiturienten und Studierende gleich behandelt und erhalten dieselben Aufgaben. Allerdings werden sie im Assessment-Center getrennt geprüft. Denn die Juroren sollen das Leistungspotenzial jedes Einzelnen bewerten, und wir glauben, dass schnell ein verzerrtes Bild entstehen könnte, wenn Studierende und Abiturienten gemeinsam geprüft werden.

Was raten Sie Bewerbern, denen Sie eine Absage schicken müssen?
Zunächst bekommen alle Kandidaten, die zum Assessment-Center eingeladen wurden, ein Feedback von ihren Juroren – unabhängig davon, ob sie aufgenommen werden. Ich denke, dass das für alle Bewerber eine wertvolle Erfahrung ist und dazu beiträgt, sich selbst noch besser einschätzen zu können. Darüber hinaus sollten die Kandidaten bedenken, dass wir sie nach unseren Kriterien bewerten. Andere Förderwerke setzen mitunter abweichende Schwerpunkte.

Nach welchen Kriterien werden die Kandidaten denn bewertet?
Ganz oben auf unserer Liste stehen gesellschaftliches Engagement und Zielstrebigkeit. Wer das mitbringt, hat gute Chancen. Also: Tolle Noten sind nicht alles!

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Cordula Avenarius (34) ist Pressesprecherin der Studienstiftung des deutschen Volkes.

Frau Avenarius, ab Februar nächsten Jahres gibt es die Möglichkeit, sich auch selbst bei der Studienstiftung zu bewerben. Wie kommt das?
Damit möchten wir letzte Gerechtigkeitslücken in unserem ansonsten sehr gut funktionierenden Vorschlagssystem schließen. Wir schreiben jedes Jahr die rund 4.000 weiterführenden Schulen in Deutschland sowie sämtliche Prüfungsämter der Universitäten an und bitten sie, uns ihre besten und engagiertesten Abiturienten und Studenten für unsere Förderung vorzuschlagen. Dabei haben wir festgestellt, dass zum Beispiel in Hessen wesentlich mehr Kandidaten vorgeschlagen werden als in Ostdeutschland. Woran das liegt, wissen wir nicht. Aber wir möchten allen Schülern und Studenten die Chance geben, bei vorhandener Begabung eines unserer Stipendien zu bekommen. Über die Selbstbewerbung ist das nun möglich. Außerdem erhoffen wir uns künftig auch mehr Bewerber aus nicht-akademischen Elternhäusern.

Wie läuft das Auswahlverfahren bei der Selbstbewerbung ab?
Studienanfänger, die sich selbst bewerben, schreiben zunächst einen Begabungstest, den wir bundesweit in verschiedenen Testzentren anbieten werden. Die Besten laden wir dann zu einem zweitägigen Auswahlseminar ein, wo sie die Chance haben, im persönlichen Gespräch und in Gruppendiskussionen zu überzeugen.

Was erwartet die Bewerber im Begabungstest?
Die Aufgaben wurden vom Institut für Test- und Begabungsforschung in Bonn entwickelt und prüfen fünf Gebiete ab: Im ersten Teil geht es um räumliches Vorstellungsvermögen. Die Bewerber müssen Gebäude von verschiedenen Seiten erkennen. Danach bekommen sie eine Reihe von Zeichen vorgelegt, die sie in Analogie zu den vorherigen ergänzen müssen. Im dritten Teil werden Wortanalogien gebildet. Dann gibt es eine Aufgabe, bei der die Kandidaten einen wissenschaftlichen Text lesen. Später nehmen wir ihnen den Text weg, und sie beantworten dann Fragen dazu. Im letzten Teil zeigen wir ihnen Sachverhalte, die in Flussdiagrammen dargestellt sind und Fehler enthalten. Diese Fehler sollen die Bewerber finden.

Gerade in den letzten Jahren wurde in Deutschland viel in die Begabtenförderung investiert. Reicht das Ihrer Meinung nach aus?
Wenn man sich überlegt, dass die Stipendiatenzahlen der zwölf Begabtenförderungswerke in den letzten drei Jahren von 0,5 Prozent auf ein Prozent der Studierenden gestiegen ist, dann ist das sicherlich ein toller Erfolg. Die neue Bundesregierung hat nun zusätzlich ein "bundesweites Stipendiensystem" angekündigt, mit dem künftig sogar bis zu zehn Prozent der Studierenden durch Stipendien gefördert werden könnten. Es ist aber auch sehr wichtig, dass das BAföG für bedürftige Studierende erhalten bleibt.

Gerade die Studienstiftung betont immer wieder, dass sie ausschließlich Studenten mit Spitzenleistungen fördert. Haben Sie die Befürchtung, dass bei dem geplanten bundesweiten Stipendiensystem mit einer Stipendiatenquote von zehn Prozent eher Masse als Klasse gefördert wird?
Wer ein Stipendium der Studienstiftung erhält, gehört zu den Besten seines Jahrgangs. Darüber hinaus zeichnen sich unsere Stipendiaten durch breite Interessen, eine tolerante Persönlichkeit und soziale Verantwortung aus. Die Studienstiftung bietet ihren Stipendiaten neben der finanziellen Förderung ein umfangreiches Förderprogramm an; dies ist sicher einer der größten Unterschiede zu dem geplanten bundesweiten Stipendiensystem. Gerade im Hinblick auf Studiengebühren befürworten wir es aber sehr, dass es künftig noch wesentlich mehr Stipendien geben soll. Um das zu finanzieren, ist natürlich auch die Wirtschaft gefordert. Der Staat alleine kann das nicht aufbringen.

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