Beruf und Familie
Neue Papas, zu wenig Krippen
Spitzen-Studenten wollen die Babypause immer häufiger zwischen Mann und Frau aufteilen. Aber bleiben die Papas tatsächlich immer öfter zu Hause? Ihren Teil der Babypause wollen die sehr guten Studentinnen möglichst kurz halten. Tun Akademikerinnen das schon heute? Das Angebot an Kinderkrippen lässt anderes vermuten.
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Die Babypause sollten Mutter und Vater unter sich aufteilen. Diese Meinung vertrat über die Hälfte der Studierenden, die an der e-fellows.net-Umfrage zur Familienplanung teilnahmen. Teil eins der Reportage stellte die Wünsche der Spitzen-Studenten vor. Wie aber sieht die Realität von Akademikereltern heute aus? Setzt sich die Babypause für Männer durch? Und kann eine Mutter in der Unternehmensberatung Karriere machen?
Aufteilung der Babypause: Angst vor dem Karriereknick
Auch heute schon bevorzugen Akademiker größtenteils partnerschaftliche Modelle und wollen die Babypause zwischen Mann und Frau aufteilen. In einer Studie der IGS Organisationsberatung unter überwiegend akademisch gebildeten Vätern gab jeder Zweite an, dass er gerne in Elternzeit gehen würde - im Schnitt für 16 Monate. Allerdings befürchten 71 Prozent negative Konsequenzen wie einen Karriereknick oder Unverständnis, wenn sie familienfreundliche Angebote, zum Beispiel die Elternzeit, in Anspruch nehmen. Ebensoviele haben deshalb Bedenken, solche Leistungen beim Vorgesetzten zu beantragen.
Bewusstseinswandel durch Elterngeld
Hier sorgt das Elterngeld für einen Bewusstseinswandel: Trotz der Angst vor dem Karriereknick nehmen immer mehr Männer eine Auszeit für ihr Kind. Schon im ersten Quartal 2007 stellten laut Statistischem Bundesamt die Väter 7 Prozent der Anträge auf Elterngeld, im vierten Quartal 2007 waren es schon gut 12 Prozent. Besonders beliebt sind bei den Männern die beiden Partnermonate: 60 Prozent der Männer, die Elterngeld in Anspruch nahmen, beantragten es für zwei Monate. Immerhin: 40 Prozent bleiben länger - 18 Prozent sogar ein Jahr lang. Die Mütter beziehen das Elterngeld hingegen zu 87 Prozent für zwölf Monate. Über die tatsächliche Dauer der Babypause für Frauen sagt das aber wenig aus. Die dauert für die meisten immer noch mindestens drei Jahre: Von den Müttern mit Kindern unter drei Jahren waren 2004 nur ein knappes Drittel aktiv erwerbstätig.
Akademikerinnen gehen nur kurz in Babypause ...
Viele Akademikerinnen wollen die Babypause möglichst kurz halten. In einer Studie der TU München gaben die befragten Ingenieurinnen größtenteils an, dass sie für die Betreuung drei bis sechs Monate zu Hause geblieben sind oder bleiben wollen. Ulrike von Faber aus dem Personalmarketing von Roche Diagnostics macht ähnliche Erfahrungen: "Bei Roche liegt der Durchschnitt zurzeit bei 17 Monaten. Noch vor ein paar Jahren haben 80 Prozent der Mütter die vollen 36 Monate Kinderbetreuungszeit ausgeschöpft." Das bestätigt Heidi Stock, Projektleiterin Chancengleichheit bei Bosch: "Auch bei Bosch kommen immer mehr Frauen sehr schnell zurück. Akademikerinnen bleiben meistens nur sechs bis zwölf Monate zu Hause." Beide Unternehmen organisieren deshalb Kinderbetreuung für die Kleinsten (siehe auch das Interview mit Ulrike von Faber und Heidi Stock auf Seite drei).
... wenn sie nicht an der Kinderbetreuung scheitern
Die meisten Mütter sind aber auf öffentliche Betreuungsangebote angewiesen. Die sind immer noch Mangelware: Im März 2007 hatten laut Daten des Statistischen Bundesamts nur knapp 16 Prozent aller Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz - immerhin eine Steigerung von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allerdings gibt es ein deutliches Ost-West-Gefälle. Während in einigen ostdeutschen Kreisen jedes zweite Kind betreut wird, sind es in manchen westdeutschen nur zwei von hundert. Bei der Online-Umfrage perspektive deutschland 2005/06 von McKinsey gaben 29 Prozent der Frauen, die keine Kinder wollen, fehlende Betreuungsmöglichkeiten als Grund für diese Entscheidung an. Bei den Müttern mit einem Einzelkind, die keinen weiteren Nachwuchs planen, sind es sogar 45 Prozent. Umso wichtiger werden individuelle Lösungen, wie Tanja Kopietz von Accenture sie fand.
Tanja Kopietz (38) arbeitet seit zehn Jahren für Accenture. Sie berät als Projektleiterin Kunden aus dem Finanzsektor bei Fragen der Personal- und Organisationsentwicklung. 2001 kam ihre Tochter zur Welt, 2003 ihr Sohn.
Haben Sie nach der Geburt Ihrer Kinder im Job ausgesetzt?
Ja, nach der Geburt meiner Tochter war ich fast zwei Jahre in Babypause. Während dieser Zeit blieb ich laufend mit Accenture in Verbindung und übernahm einzelne Projekte im Recruiting - etwa vier Stunden pro Woche. Dann wurde mein Sohn geboren, und ich blieb ein weiteres halbes Jahr zu Hause. Als ich in Babypause ging, stieg ich mit gutem Gefühl aus, weil ich wusste, dass es immer einen Weg zurück gibt.
Wie sah Ihr Wiedereinstieg aus?
Ich stieg in Teilzeit wieder ein. Zunächst arbeitete ich zwei Tage in der Woche für einen Kunden in der Nähe meines Wohnorts. So musste ich nicht über Nacht von zu Hause fortbleiben. Nach einem halben Jahr stockte ich dann auf drei Tage die Woche auf und reiste wieder mehr. So mache ich das bis heute. Wobei Accenture es mir freistellt, ob ich lieber im Hotel übernachte oder abends noch nach Hause pendle.
Wer kümmert sich um die Kinder, während Sie arbeiten?
Ich bin in der glücklichen Situation, dass wir - seit meine Tochter ein halbes Jahr alt ist - eine Kinderfrau haben. Wir haben sie über eine Anzeige gefunden, in der wir jemanden suchten, der zeitlich flexibel ist. Inzwischen ist sie über sechs Jahre bei uns und ein fester Bestandteil unserer Familie.
Konnten Sie in Teilzeit auch Ihre Karriere vorantreiben?
Ja, zwei Jahre nach meiner Rückkehr stieg ich in die Führungsebene auf. Im Moment leite ich ein Team von vier Accenture-Mitarbeitern und bin der Hauptkontakt zum Kunden. Um Job und Familie zu vereinbaren, ist neben viel Engagement die Möglichkeit zum Home Office sehr hilfreich: So kann ich auch von zu Hause aus arbeiten und muss nicht die ganze Zeit im Büro oder beim Kunden vor Ort sein. Eine der Voraussetzungen für eine Teilzeitbeschäftigung ist sicher, dass meine Vollzeit-Kollegen Verständnis dafür haben, dass ein Meeting auch mal um 20 Uhr stattfindet oder ich nicht sofort ans Telefon komme. Diese Flexibilität ist nicht selbstverständlich und ich freue mich sehr darüber.
Teilzeit wird immer beliebter
Teilzeit ist nicht nur bis in die Unternehmensberatung vorgedrungen, sie wird allgemein immer beliebter. Die Steigerung der Frauenerwerbsquote ist zu einem guten Teil der Teilzeit zu verdanken. 1994 waren laut Daten der OECD nur 55 Prozent der Frauen erwerbstätig, davon 28 Prozent in Teilzeit. 2007 arbeiteten 63 Prozent der Frauen - 39 Prozent davon in Teilzeit. Auch bei den Männern stieg die Zahl deutlich: von 3 Prozent im Jahr 1994 um auf 8 Prozent im Jahr 2007. Die Steigerung fiel noch stärker aus als bei den Frauen: Seit 1994 stieg der Anteil der Männer unter den Teilzeit-Beschäftigten um 8 Prozentpunkte auf heute 19 Prozent.
Telearbeit auf dem Vormarsch
Immer häufiger bieten Arbeitgeber ihren Mitarbeitern auch externen Zugriff auf das Netzwerk des Unternehmens. 2005 konnten laut Statistischem Bundesamt 12 Prozent der Beschäftigten in Deutschland von außen auf das Firmensystem zugreifen - und somit ganz oder teilweise von zu Hause aus arbeiten. 2003 hatten erst 4 Prozent diese Möglichkeit. Aber selbst wenn technisch die Möglichkeit besteht, ist Telearbeit nicht überall möglich. "In der Produktion oder bei Projekten mit Kundenkontakt kann man natürlich nicht komplett von zu Hause aus arbeiten", gibt Ulrike von Faber zu bedenken. "Telearbeit funktioniert vor allem bei kaufmännischen Tätigkeiten, die nicht zu viel persönlichen Kundenkontakt erfordern."
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