von Olga Gala

Bewerbungsfoto

Das gute Foto, eine Wissenschaft

Seriös und freundlich soll das Bewerbungsfoto aussehen. Eine Bewerbungstrainerin und ein Fotograf erklären, warum das gelungene Foto eine Wissenschaft für sich ist.

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Aus dem Automaten darf das Bewerbungsbild nicht kommen. Es sollte freundlich aussehen, aber nicht übertrieben und die guten Seiten eines Jobanwärters unterstreichen. Eigentlich, sagt die Bewerbungstrainerin Maike Jaschok, werden viele Ansprüche an das Bild auf der Mappe gestellt. Möglicherweise zu viele. Dabei ist es seit August 2006 nach dem Allgemeinen Gleichstellungsgesetz (AGG) nicht einmal mehr zwingend notwendig, überhaupt ein Bewerbungsfoto den Unterlagen beizulegen. Allerdings ist es nach wie vor Standard. Bewerbungen ohne Foto werden oftmals schon beim ersten Sichten aussortiert. "Der Blick geht immer zuerst auf das Bild", sagt die Beraterin. Darum empfiehlt sie ihren Kunden, immer ein Foto miteinzureichen. Aber eben nicht irgendein Foto, sondern ein gepflegt wirkendes Foto, das von einem professionellen Fotografen gemacht wurde, der sich Zeit für seinen Kunden und sein Anliegen nimmt.

Das gelungene Bewerbungsfoto

Beispiele, wie es geht und wie es nicht geht, findest du in der Bildergalerie bei ZEIT ONLINE.

Der Fotograf Jörg Klampäckel ist so einer, der darauf achtet, sich viel Zeit für seine Kunden zu nehmen. Gute Porträtfotos für Bewerbungen schießt man nicht mal eben in fünf Minuten, sagt er. Ein guter Fotograf führe ein längeres Gespräch und mache erst einmal eine Reihe Probeaufnahmen. Zu wissen, was den Kunden auszeichnet, für welche Position und bei welcher Firma er oder sie sich bewirbt, seien grundlegend, um ein gutes Foto anzufertigen. Auch gebe es nicht nur ein Motiv, sondern eine ganze Reihe, aus der dann etwa vier bis sechs Fotos ausgewählt werden.

Und zwar in verschiedenen Outfits. Bereits vor dem Termin beim Fotografen sollte überlegt werden, in welcher Kleidung man sich fotografieren lässt. Jaschok rät dazu, mindestens zwei Outfits mitzunehmen. Das erhöht die Auswahl der Motive und verhindert, dass der Hintergrund im Studio nicht passt. Der Hintergrund sollte nicht von der Person ablenken – und sie auch nicht verschlucken. Farben, die sich gut für Hintergründe eignen, seien braun, grau und blau, sagt Trainerin Jaschok. Elegant wirke es, wenn die Farben des Bewerbungsbildes zu der Farbe der Bewerbungsmappe passen.
 
Jörg Klampäckel empfiehlt außerdem einen Hell-Dunkel-Kontrast im Bewerbungsbild. Der Kleidung hingegen misst er eine eher geringe Bedeutung bei, schließlich sei oft nicht mehr als die Krawatte oder der Kragen der Bluse zu erkennen. Dagegen rät er, keine kurzärmligen Kleidungsstücke zu tragen. Dem Foto könne man nämlich so ansehen, dass es im Sommer gemacht wurde. Für eine Bewerbung im Winter könnte es von Nachteil sein, weil der Personalchef den Eindruck gewinnen könnte, der Bewerber suche schon seit einem halben Jahr nach Arbeit und komme nirgendwo unter.

Diese Bedenken teilt Bewerbungstrainerin Maike Jaschok nicht. Sie hat dafür andere und rät ihren Kunden zu gedeckten Farben, aber bloß nicht ausschließlich Schwarz oder Weiß. Sowohl bei schwarzer als auch weißer Kleidung seien nämlich keine Konturen zu erkennen, sodass die Person eher blass wirke. Natürlich, räumt sie ein, komme es auch darauf an, wo man sich bewirbt. Das Äußere sollte zur Firmenkultur passen, erklärt die Bewerbungscoacherin. Ein Hemd ohne Krawatte reiche für eine Stelle als Handwerker aus, für den Posten in der Bank sei ein Sakko hingegen Pflicht. Und eine junge Frau, die in die Modebranche will, sollte auch modisch gekleidet sein.

Neben der Branche, in der man sich bewirbt, spiele auch das Alter eine Rolle. Ein Jugendlicher auf der Suche nach einer Lehrstelle könne sich in einem lockeren Outfit fotografieren lassen, der Uniabsolvent mit Karriereambitionen hingegen nicht mehr. Ältere Bewerber sollten darauf achten, was sie in ihrer früheren Berufslaufbahn gemacht haben und sich überlegen, ob sie da anknüpfen wollen oder einen völlig neuen Weg einschlagen möchten. Faustregeln gebe es allerdings nicht, betont Klampäckel. Die Kleidung müsse zu dem jeweiligen Menschen und der Position passen.

Und was ist mit Makeup? Dezent solle es sein, vielleicht ein Schmuckstück und nicht zu viel Dekolleté, laute hier die Devise, sagt die Bewerbungscoach. Die Haare können offen getragen werden oder streng zurück – je nach Persönlichkeit und Stelle. Piercings sollten nicht sichtbar sein, sagt Maike Jaschok. Der Körperschmuck falle nach wie vor bei Personalern negativ auf, sagt auch Daniela Kirchharz, Personalreferentin bei der Nordmilch AG. "Ich wäre bei Schmuck generell vorsichtig." Wenn der Bewerber das Schmuckstück aber weiterhin tragen möchte, sollte er es auch drin lassen. Ein Kriterium, schon im Vorfeld aussortiert zu werden, sei es für sie nicht, wenn der Inhalt der Unterlagen überzeuge.

Daniela Kirchharz hat viele Bewerbungen gesehen. Manche hatten Sonnenblumen im Hintergrund, andere beinhalteten ausgeschnittene Urlaubsbilder, die mit rostigen Büroklammern festgemacht gewesen seien und an einen Bewerber mit T-Shirt und Sonnenbrille erinnert sie sich auch noch. Und an den Eindruck, dass diese Mitarbeiter in spe keinen professionellen Eindruck erweckt hätten. "Aber das Foto macht nun mal den ersten Eindruck aus", betont die Personalerin. Gleichzeitig ist ihr wichtig, zu betonen, dass die Fotos keineswegs die Entscheidung maßgeblich beeinflussen. Ausschlaggebend sei der Inhalt der Unterlagen.

Eine Bewerbung ohne Foto geht durchaus, sagt die Personalerin. Sie selbst habe schon zahlreiche Bewerber ohne Foto für ein Vorstellungsgespräch eingeladen. Maike Jaschok hingegen sagt, das Foto sei eben der emotionale Teil der Bewerbung. Es vermittele ein bisschen Persönlichkeit und mehr als die "harten Fakten" aus dem Lebenslauf. "Das Bild muss Sympathie und auch einen Optimismus und eine Zielstrebigkeit rüberbringen."

Das Foto müsse den Eindruck erwecken, der Bewerber habe sich Gedanken gemacht wie er wirken möchte, sagt Jörg Klampäckel. Dabei ist die Farbe des Fotos ein wichtiger Punkt. Während Personalreferentin Daniela Kirchharz schwarz-weiße oder sepiafarbene Bilder bevorzugt, weil diese auf sie seriöser wirken, ist Bewerbungscoacherin Maike Jaschok unentschieden. Sie schlägt vor, die Bilder in allen Variationen am Computer anzuschauen und dann das Passende auszuwählen. Fotograf Jörg Klampäckel hat da eine ganz andere Idee: "Ich empfehle immer möglichst viel zu recherchieren. Die Farben der Internetseite angucken und wie sich die Firma darstellt." Oft werden im Internet auch Mitarbeiter vorgestellt – sind deren Bilder in schwarz-weiß gehalten, sei es seiner Meinung nach sinnvoll, auch ein Bewerbungsfoto in schwarz-weiß zu wählen. Natürlich könne man sich auch bewusst distanzieren und ein farbiges Foto schicken. Das hänge dann vom Geschmack der jeweiligen Person ab. "Ich überlasse den Kunden die Entscheidung, versuche die Leute aber zu fordern und aus sich rauszukommen. Verbiegen darf sich aber keiner."

Der Fotograf misst vor allem dem Ausdruck eine große Bedeutung zu. Lächeln sei immer gut, doch "wenn es anfängt so auszusehen, als hätten wir mit den Aufnahmen eine Spaßveranstaltung gemacht, ist das zu viel." Ernste Typen lässt Jörg Klampäckel auch ernst bleiben. "Das Bild muss für mich eine Ausstrahlung haben und es gibt Menschen zu denen passt nun mal ernst gucken." Bei dynamischen, aufgeweckten Typen versuche er, diese Eigenschaften auch im Bild einzufangen.

Und wo in den Unterlagen sollte das Bild zu sehen sein? Es sind vor allem zwei Möglichkeiten gängig: entweder klassisch auf den Lebenslauf oder auf das Deckblatt, sofern die Bewerbung ein solches umfasst. Befestigt werden sollte das Bild mit einem Klebestreifen auf der Hinterseite.

Bei all den Ratschlägen und Empfehlungen bleibt aber eines zu betonen: Das Foto ist nur ein Teil der Bewerbung. Wenn eine Bewerbung erfolgreich ist, dann liegt es ganz sicher nicht nur an dem Foto. Und wenn sie eben nicht erfolgreich ist, dann war wohl auch nicht nur das Bild Schuld.

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