Bewerben in Skandinavien
Bewerben in Skandinavien
Niedrige Arbeitslosenzahlen, hervorragende Sozialabsicherung - da kann man über das im Winter oft etwas trübe Wetter hinwegsehen. Worüber die Skandinavier nicht hinwegsehen können: Unpünktlichkeit beim Vorstellungsgespräch.
Bewerben in Dänemark, Norwegen und Schweden
Bewerben in Finnland
Das Vorstellungsgespräch in Skandinavien
Bewerben in Dänemark, Norwegen und Schweden
Warum nach Skandinavien?
Die skandinavischen Länder haben, wovon Deutschland träumt: eine niedrige Arbeitslosenquote und eine florierende Wirtschaft. Mit den Niederlanden verzeichnete Dänemark 2006 die niedrigste Arbeitslosenquote innerhalb der EU (3,9 Prozent). Norwegen liegt mit 3,4 Prozent am untersten Rand der gesamten europäischen Statistik. Wer in Dänemark, Schweden oder Norwegen arbeitet, kann mit einem Spitzengehalt und guter sozialer Absicherung rechnen. Dafür sind die Steuersätze und Lebenshaltungskosten sehr hoch. Vorbildlich sind die Skandinavier auch in der Familienpolitik: Es ist üblich, dass Frauen nach der Geburt eines Kindes weiter berufstätig sind. Durchdachte Betreuungssysteme und flexible Arbeitszeit- regelungen ermöglichen eine familienfreundliche Lebensplanung.
Gesucht: Arbeitskräfte
Schweden und Norwegen zählen zu den am wenigsten besiedelten Ländern in Europa. In Schweden leben 9,1 Millionen Menschen, in Norwegen sogar nur 4,6 Millionen auf einer Fläche, die 90 Prozent der Bundesrepublik abdeckt. In vielen Branchen, besonders in Norwegen, herrscht ein akuter Mangel an gut ausgebildeten Arbeitskräften. Wichtige Industriezweige sind in Schweden der Maschinenbau, die Automobilindustrie sowie die Chemie und Pharmaindustrie; in Norwegen die Öl- und Baubranche und die verarbeitende Industrie. Dazu kommt in beiden Staaten der Informations- und Telekommunikations- sektor. In Dänemark haben besonders Ärzte, Biotechniker und Nachwuchs der Elektroindustrie sowie der Finanz- und Versicherungsbranche gute Chancen. Viele internationale Konzerne haben Vertretungen in einem der nordeuropäischen Länder.
Sprachkenntnisse
Fast alle Skandinavier sprechen sehr gut Englisch. In Dänemark ist Englisch schon in der Volksschule obligatorisch, sodass bereits Erstklässer die Fremdsprache lernen. Dazu sprechen viele Dänen Deutsch, da dänische Schulen Deutsch meist als zweite Fremdsprache anbieten. Dennoch: In fast allen Betrieben ist Dänisch die Arbeitssprache. Ähnlich verhält es sich in Schweden und Norwegen: Zwar ist Englisch die Fremdsprache Nummer eins, dennoch haben es Bewerber ohne Kenntnisse der Landesprache schwer. Wer sich für eine Stelle in Norwegen interessiert, sollte auf jeden Fall vorher die Sprache lernen, da Arbeitgeber von ihren ausländischen Angestellten in der Regel gute Norwegisch-Kenntnisse verlangen.
Die skandinavische Bewerbung
Bei deiner Bewerbung für Skandinavien kannst du dich im Allgemeinen an deutschen Gepflogenheiten orientieren:
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Anschreiben
In Norwegen und Schweden umfasst das Anschreiben eine Seite, in Dänemark kann noch eine zweite dazu kommen. Der Stil sollte für Dänemark und Norwegen präzise und professionell sein. In allen drei Ländern wichtig: Warum bewerbe ich mich auf diese Stelle? Bringe im Anschreiben deine Motivation bezüglich Firma und Land zum Ausdruck. Besonders schwedische Personalverantwortliche legen viel Wert auf Persönlichkeit und Interessen eines Bewerbers. Wenn möglich, sollte die Bewerbung in der Landes- sprache verfasst sein. Englische Bewerbungen werden akzeptiert, verringern aber deine Chancen. Ausnahme: Die Stellenanzeige ist auf Englisch erschienen. -
Lebenslauf
Der skandinavische Lebenslauf ist dem amerika- nischen sehr ähnlich: Er umfasst in der Regel zwei Seiten und listet Daten in umgekehrter Chronologie auf. Die zuletzt beendete Tätigkeit erscheint also zuerst. Das heißt auch: nicht mit der Schulaus- bildung, sondern mit beruflichen Stationen anfangen. Pluspunkte sammelt, wer außerberufliches Engagement oder persönliche Interessen angeben kann. Bewerbungsfotos sind nicht üblich, ebenso wenig wie Datum und Unterschrift bei Lebensläufen für Dänemark und Schweden. -
Zeugnisse
Zeugnisse solltest du am besten in die Landessprache oder zumindest ins Englische übersetzen. Nicht vergessen: Übersetzungen beglaubigen lassen und eine Erklärung zum Notenspiegel beifügen. Skandinavische Personalverantwortliche kennen sich nicht zwangsläufig mit ausländischen Benotungs- systemen aus. Wer auf Nummer sicher gehen will: Die eigenen Noten direkt in das Notensystem des jeweiligen Landes umrechen. Der Umfang der Anlagen sollte ein gewisses Maß nicht überschreiten – weniger ist in Skandinavien mehr. -
Referenzen
In Deutschland ist diese Form der Eigenwerbung nicht verbreitet, in Skandinavien sind sie aber sehr wichtig: Referenzen. Das sind Personen, die kontaktiert werden können, um Aussagen über den Bewerber zu treffen. Als Referenz solltest du aber nicht deine Mutter, sondern den letzten Arbeitgeber, einen Hochschuldozenten oder - gut für Schweden - den Leiter der Jugendgruppe angeben, bei der du jahrelang Mitglied warst. Notiere Namen, Position und Kontaktdaten der Person und bedenke: Skandinavier rufen wirklich an.
Bewerben in Finnland
Finnland hat 5,3 Millionen Einwohner und ist zu einem Drittel mit Wald bedeckt. Dennoch ist Finnland ein moderner Industriestaat und sucht - wie Norwegen und Schweden - qualifizierte Arbeitnehmer. Die finnische Sprache ist für viele Europäer ein Buch mit sieben Siegel: Sie hat, wie auch Estnisch und Ungarisch, keinen indogermanischen Ursprung und unter- scheidet sich daher stark von den europäischen Sprachen. Besonders die 15 Fälle machen Ausländern zu schaffen. Doch kein Grund zur Sorge: Ausländer kommen mit Englisch oder Schwedisch gut durch, besonders, da in internationalen Unternehmen Englisch die Verkehrssprache ist. Finnische Grundkenntnisse sind aber dennoch ein Pluspunkt.
Besonderheiten der finnischen Bewerbung
Deine Bewerbung sollte ein bis zwei Seiten lang sein und einen Lebenslauf mit Lichtbild enthalten. Eine Bewerbung bei einem finnischen Unternehmen muss in der Regel weder Schul- noch Arbeitszeugnisse und auch keine Referenzen enthalten. Finnische Personaler fordern diese Unterlagen bei Interesse an. Wenn du im Vorfeld sicher gehen willst, kannst du telefonisch nach den gewünschten Anlagen fragen.
Im Fokus: der Lebenslauf
Ein guter Lebenslauf ist also ein wichtiger Bestandteil deiner Bewerbung. Er enthält die Standardangaben wie Name, Geburtsort und -datum, Ausbildungsstationen und Berufserfahrungen. Außerdem kannst du die Hauptaufgaben am aktuellen Arbeitsplatz beschreiben. Besonders wichtig sind die Sprachkenntnisse: gute Englischkenntnisse sind Pflicht.
Das Vorstellungsgespräch in Skandinavien
Pünktlichkeit ist in allen skandinavischen Ländern ein absolutes Muss. Außer in Finnland verlaufen Bewerbungsgespräche lockerer als in Deutschland. Höfliche Umgangsformen sind aber dennoch wichtig, selbst wenn der Personalchef in Jeans erscheint. Rechne besonders in Schweden mit Fragen nach Hobbys und Familienplanung - und nach der Motivation für deine Bewerbung. Wenn du vorab nur eine Auswahl an Unterlagen geschickt hast, kannst du zum Bewerbungsgespräch alle Zeugnisse und Tätigkeitsnachweise mitbringen. Stelle dich auch darauf ein, gegebenenfalls mehrere Gesprächsrunden zu durchlaufen, bis eine Entscheidung fällt. Vorsicht bei ironischen Bemerkungen: Skandinavier neigen zu einem subtilen, eher englischen Humor.
Link-Tipps
- Einen exemplarischen Lebenslauf für Norwegen findest du auf der Homepage der Norwegischen Botschaft.
- Tipps zum Arbeiten in Finnland findest du auf den Seiten des Finnischen Arbeitsministeriums.
- Mehr über Arbeiten in Schweden verrät dir die Schwedische Botschaft.
- Eine Liste von Angeboten zur Arbeitsvermittlung bietet die Dänische Botschaft auf ihren Webseiten.
