Headhunter arbeiten immer internationaler

Verbeugung vor dem Ausland

Ein weltweites Kontaktnetzwerk befördert erheblich die Karrierechancen.

Wenn Jörg Kasten einen Auftrag annimmt, dann kennt er keine Grenzen - seine Auftraggeber scheren sich schließlich auch nicht darum. Kasten ist geschäftsführender Gesellschafter der auf die Suche nach Führungskräften spezialisierten Personalberatung Boyden. Rund zwei Drittel seiner Kunden sind internationale Konzerne. "Da ist es normal, dass man auf der ganzen Welt nach guten Leuten sucht", sagt der Headhunter.

Die globale Personalsuche liegt im Trend: Laut einer Umfrage des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater glauben zwei Drittel der Personalberater, dass ihre Klienten künftig mehr Fachkräfte aus dem Ausland angeboten bekommen wollen. "Gute Personalberater müssen auch im Ausland gut vernetzt sein und keine Berührungsängste vor anderen Kulturen haben", meint Kasten.

In Deutschland gibt es manchmal die Experten nicht

Egal, ob es der Kunde explizit wünscht oder nicht - oft gebe es sowieso keine andere Möglichkeit, als sich im Ausland umzusehen, berichtet Oliver Barth, Geschäftsführer für Zentraleuropa der Beratungsfirma SHL, die sich auf Lösungen zur Talentbewertung spezialisiert hat. "Mittlerweile gibt es beispielsweise in der Pharmaforschung Positionen, für die nur 60 Experten auf der ganzen Welt infrage kommen", sagt Barth. "Da müssen Sie im Ausland suchen, in Deutschland finden Sie die nicht."

Auch im Top-Management kommt für viele Unternehmen nur noch eine internationale Lösung infrage. "Da sucht zum Beispiel ein amerikanischer Konzern einen Marketingleiter für London, der auch ein bisschen Italienisch können sollte, weil dort der zweite Konzernsitz in Europa ist", erläutert Jörg Kasten.

Die neuen Rahmenbedingungen haben ebenfalls seinen Job verändert: "Früher habe ich Marketing-Spezialisten von München nach Düsseldorf vermittelt, heute vermittele ich sie von Vancouver nach Schanghai." Wenn Kasten neue Berater einstellt, ist deren internationale Erfahrung daher immer ein Kriterium. Wer außerhalb Deutschlands erfolgreich sein wolle, müsse offen für fremde Kulturen sein und sich auf andere Mentalitäten einstellen können.

Der persönliche Kontakt spielt eine besondere Rolle

Bei der Arbeit als Personalberater spielt der persönliche Kontakt zu den Bewerbern eine bedeutende Rolle. Die Art und Weise unterscheidet sich zwischen den Ländern erheblich: "In Europa redet man beispielsweise erst über das Geschäft und geht dann miteinander essen", sagt Kasten. In Asien gelte die umgekehrte Reihenfolge.

Ein weiterer Vorteil eines internationalen Netzwerks: Auch asiatische Firmen suchen vermehrt hochqualifizierte Arbeitskräfte. SHL-Geschäftsführer Barth erwartet einen steigenden Bedarf an Beratern mit guten Kontakten.

Wer als Personalberater Auslandserfahrung sammeln will, sollte sich daher eine Beratung mit weltweiten Büros suchen. Wichtig ist, dass die Zuständigkeiten für die Länder durchlässig sind. Sonst könne es sein, dass ein Partnerbüro nicht nur bei der Kandidatensuche helfen möchte, sondern einfach den kompletten Auftrag übernehme, sagt Kasten.

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