Zeppelin University
Zwischen Studentenleben und Hochschulleitung
Simon Pagany, 26, ist der erste studentische Vizepräsident an einer deutschen Uni. Im Interview erzählt er, wie er zu seinem Job kam und was er an der Uni verändern will.
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ZEIT ONLINE: Herr Pagany, Sie sind seit dem 1. Januar 2010 Vizepräsident der privaten Zeppelin University (ZU) und damit Deutschlands erster Student, der einem universitären Präsidium angehört. Was haben Sie in den ersten anderthalb Wochen erlebt? Wie war der Einstieg?
Simon Pagany: In der ersten Woche habe ich erst einmal viele Interviews geben dürfen, so dass die eigentliche Arbeit erst in der zweiten Amtswoche beginnen konnte. Ich habe die Erstsemesterstudenten begrüßt und an der ersten Präsidiumssitzung des neuen Jahres teilgenommen. Aber es ist alles noch im Werden, es geht jetzt erst richtig los.
ZEIT ONLINE: Sind Ihre Aufgaben bereits klar definiert?
Pagany: Nein. Der Posten wurde neu geschaffen, und es werden noch einige Diskussionen folgen, bevor sich die genauen Aufgaben ergeben. Wir werden sicher erst einmal etwas experimentieren.
ZEIT ONLINE: Sie sind in diesem Jahr für zwei Semester beurlaubt, damit Sie das Amt des Vizepräsidenten in Vollzeit ausüben können. Was war Ihre Motivation, für das Amt zu kandidieren?
Pagany: Ich interessiere mich für die Strukturen und Vorgänge an Universitäten. Schon während meines Sozialpädagogik-Studiums in Eichstätt war ich studentischer Vertreter in der Fakultät. An der ZU saß ich im Prüfungsausschuss für Master-Studenten. Die Chance, nun direkt im Präsidium mitwirken zu können, hat mich gereizt. Zunächst war ich allerdings skeptisch. Der studentische Vizepräsident wird vom Präsidium berufen und ist somit kein gewählter Repräsentant der Studierenden. Diese wichtige Funktion wird weiterhin durch die studentischen Senatoren ausgeübt. Ich denke aber, dass ich die studentische Perspektive durch die Arbeit in der Universitätsleitung gut einbringen kann.
ZEIT ONLINE: Wie verlief der Bewerbungsprozess?
Pagany: Das Präsidium hat die Stelle über einen Newsletter ausgeschrieben. Es konnten sich sowohl Bachelor- als auch Master-Studenten der ZU bewerben. Am Ende eines dreistufigen Bewerbungsverfahrens mit mehreren Einzelgesprächen hat das Präsidium dem Stiftungsvorstand meine Berufung vorgeschlagen.
ZEIT ONLINE: Was glauben Sie, warum Sie sich am Ende durchgesetzt haben?
Pagany: Ich bringe wohl eine recht interessante Mischung mit. Ich habe bereits ein Studium in Eichstätt absolviert und bin erfahren in der Arbeit in universitären Gremien. In dieser Position muss man einen Spagat machen zwischen Studentenleben und Hochschulführung. Ich denke, dass ich die nötige Ausgewogenheit mitbringe.
ZEIT ONLINE: Haben Sie sich mit einem Konzept für die Weiterentwicklung der Hochschule beworben?
Pagany: Ich bin mit mehreren Ideen und Interessenschwerpunkten in die Bewerbung gegangen. Die Internationalisierung der Master-Studiengänge war beispielsweise einer dieser Schwerpunkte, die Etablierung studentischer Mitbestimmungsstrukturen in der Universitätsentwicklung ein anderer.
ZEIT ONLINE: Wie haben Ihre Freunde und Verwandte auf die Berufung reagiert?
Pagany: Die haben das alles sehr positiv aufgenommen und unterstützen mich. Dennoch wurde ich gewarnt: "Pass auf, dass du dir nicht so viel Stress auferlegst." Ich muss sicher aufpassen, ein gutes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben zu erreichen.
ZEIT ONLINE: Wie hoch wird das Arbeitspensum sein?
Pagany: Ich stelle mich auf ein anstrengendes Jahr ein, in dem ich sicher die eine oder andere Spätschicht einlegen werde. Aber im Vergleich zum letzten Jahr ändert sich nicht so viel für mich – das Studienpensum an der ZU ist schließlich auch hoch.
ZEIT ONLINE: Treten Ihre Kommilitonen jetzt mit konkreten Wünschen an Sie heran?
Pagany: So genau kann ich das noch nicht sagen. Ich habe sowohl positive als auch sehr kritische Kommentare von Studenten über mein neues Amt gehört.
ZEIT ONLINE: Was sagen die Kritiker?
Pagany: Sie sind unsicher, inwiefern ich als Student auch Studentenvertreter bin, da ich ja nicht von den Studenten gewählt wurde. Hinzu kommt, dass ich an der Uni bisher nicht groß in Erscheinung getreten bin, die Studenten kennen mich eher wenig. Ich habe kommende Woche ein Treffen mit den studentischen Senatoren, um über die jeweiligen Erwartungshaltungen zu sprechen. Das Feedback der Studenten darf nicht zu kurz kommen. Ich möchte wissen, wie die Studenten mich und meine Arbeit wahrnehmen.
ZEIT ONLINE: Gibt es Widersprüche zwischen Ihrer Rolle als Student und der Zugehörigkeit zum Präsidium?
Pagany: Widersprüche wird es mit Sicherheit geben. Das ist zwangsläufig so, aber das ist auch gut. Laut Jobbeschreibung bin ich ein Mitglied des Präsidiums und muss somit auch den Standpunkt des Präsidiums vertreten. Das hindert mich natürlich nicht daran, stets ein besonderes Augenmerk auf die studentische Perspektive zu werfen.
ZEIT ONLINE: Was wollen Sie an der Hochschule verändern?
Pagany: Mein größter Wunsch ist es, dass in Zukunft Studenten bei der Universitätsentwicklung stärker mitreden können.
ZEIT ONLINE: Sehen Sie in dem Modell des studentischen Vizepräsidenten ein Vorbild für andere deutsche Universitäten?
Pagany: Ich denke, dass diese Art der Beteiligung eine gute Möglichkeit darstellt, der Universitätsleitung studentische Perspektiven klarzumachen. Das Modell ist bestimmt interessant für andere Unis. Man sollte den Mut haben, etwas Neues auszuprobieren.
ZEIT ONLINE: Der Präsident der ZU, Stephan Jansen, wurde mit 32 Jahren der jüngste Universitätspräsident Deutschlands. Möchten Sie ihn unterbieten? Was sind Ihre Pläne für die Zeit nach dem Studium?
Pagany: Eine Tätigkeit an einer Hochschule, insbesondere im Hochschulmanagement, finde ich interessant. Lieber würde ich aber etwas in dem Bereich Stadtentwicklung machen, damit habe ich mich auch bisher in meinem Masterstudiengang beschäftigt. Mich interessiert besonders die Beteiligung von Stadtteilbewohnern an Entwicklungsprozessen. Ich kann mir vorstellen, in dem Bereich zu promovieren oder direkt in die Beratung bei Stadtentwicklungsprozessen zu gehen. Einen konkreten Plan habe ich noch nicht. Durch das Jahr im Präsidium habe ich mir jetzt ja ein Jahr Schonfrist verschafft.
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