Wissenswert
Wer schafft die meisten Arbeitsplätze?
Wer schafft die meisten Arbeitsplätze bei der Firmengründung - ehemalige Führungskräfte oder Generalisten? Drei Forscher finden überraschende Antworten.
Ein Vorzimmer ist für Führungskräfte auch im Zeitalter von Laptop und E-Mail noch immer selbstverständlich. Wer in einem Unternehmen einen gewissen Rang erklommen hat, bekommt eine Assistentin, die den Kaffee kocht, die Post erledigt und lästige Anfragen abwehrt. Wer sich einmal an diese Annehmlichkeiten gewöhnt hat, mag darauf nicht mehr verzichten - auch wenn er seinen Job verliert und ein eigenes Unternehmen gründet.
Zu diesem Ergebnis kommen die Management-Forscher John Dencker, Marc Gruber und Sonali K. Shah in einer Studie, die in der aktuellen Ausgabe des "Academy of Management Journals" erschienen ist. Die drei Wissenschaftler haben untersucht, welchen Einfluss frühere Führungserfahrung auf die Fähigkeit von Gründern hat, Jobs zu schaffen.
Die Wissenschaftler schauten sich insgesamt 451 Firmengründungen im Raum München genauer an. Sie bekamen nicht nur Daten, sondern auch einen ausführlichen Überblick mit Fragebögen über die jungen Firmen und ihre Gründer in den ersten drei Jahren nach dem Eintrag ins Firmenregister.
Zunächst schaffen ehemalige Führungskräfte mehr Jobs
Die betrachteten Unternehmer waren vor der Selbstständigkeit alle arbeitslos. Um zu prüfen, ob die Münchener Daten repräsentativ sind, verglichen die Forscher sie mit solchen des ZEW, die die durchschnittliche Firmengröße junger Unternehmen für insgesamt 197 verschiedene Branchen auflistet. Der Vergleich zeigte: Zuvor arbeitslose Gründer schufen nicht weniger Arbeitsplätze als andere. Rund 20 Prozent der Gründer stellen bereits im ersten Firmenjahr Mitarbeiter ein, im dritten Jahr sind es 30 Prozent. Die 451 Gründer aus München schafften nach drei Jahren insgesamt 498 weitere Jobs.
Weil die Daten aus Bayern auch etwas über die Eigenschaften der Gründer preisgaben, konnten die Wissenschaftler dort noch genauer herausfinden, wer eigentlich die meisten Jobs geschaffen hatte.
Sie unterschieden dabei vor allem zwei herausragende Gründertypen: diejenigen mit Führungserfahrungen und diejenigen, die bereits in vielen verschiedenen Jobs gearbeitet hatten. Diese Generalisten verfügten über ein extrem breites Wissen.
Rund ein Drittel der 451 Gründer beschäftigte nur sich selbst. Existenzgründer mit Führungserfahrung dagegen starteten ihre Firmen immer mit mindestens einem Mitarbeiter. Das Delegieren unliebsamer Aufgaben an eine Sekretärin ist nach Ansicht der Autoren nur ein Grund dafür. "Ehemalige Führungskräfte fühlen sich auch wohler in der Rolle des Unternehmers, weil sie es bereits gewohnt sind, Entscheidungen zu treffen und Mitarbeiter zu begeistern." Andererseits würden sich potenzielle Angestellte bei Firmengründern sicherer fühlen, die bereits in früheren Stationen Verantwortung für Mitarbeiter übernommen hätten.
Während Führungserfahrung in der Anfangsphase einen positiven Jobeffekt bei Firmengründungen erzeugt, schaffen Generalisten im ersten Jahr deutlich weniger Jobs, zeigt die Studie. Sie erledigten mehr selbst, ergab die Auswertung der Fragebögen. Wer bereits in der Industrie, in Marketing und Vertrieb und in der IT gearbeitet hat, muss sich weniger externes Wissen von anderen einkaufen, um ein Unternehmen zu starten. Wie erfolgreich Unternehmer sind und wie viele neue Jobs sie schaffen, hängt aber nicht nur von den persönlichen Erfahrungen und Eigenschaften der Gründer ab. Wichtig sei auch die Fähigkeit, "Herausforderungen als Chancen zu begreifen", schreiben die Forscher - sprich, ein wachsendes Unternehmen mit einer steigenden Zahl von Mitarbeitern zu managen.
Die Zahlen belegen, dass Generalisten deutlich weniger Mitarbeiter einstellen als weniger breit aufgestellte Gründer, ganz egal wie lange es das Unternehmen schon gibt und wie viele Mitarbeiter im Schnitt gebraucht werden. Der negative Jobeffekt verstärkt sich sogar mit der Unternehmensgröße. Denn Generalisten, so vermuten die Forscher, neigen dazu, ebenfalls Leute einzustellen, die verschiedene Jobs ausfüllen können.
Bei führungserfahrenen Gründern schwächt sich der in der Anfangsphase des neu gegründeten Unternehmens entstandene positive Jobeffekt dagegen deutlich ab. Steigt der Mitarbeiterbedarf auf mehr als vier Beschäftigte, schaffen Führungserfahrene deutlich weniger Jobs als andere.
Die Autoren des Beitrag erläutern mögliche Gründe: Ehemalige Führungskräfte setzen ihre Mitarbeiter effizienter ein und können sie besser durch Anreizsysteme wie zum Beispiel Boni aber auch aufmunternde Worte motivieren. Sie, so schreiben die Ökonomen, "erreichen mehr mit weniger Mitarbeitern" als solche, die nicht über diese Erfahrungen verfügen. Ob das an den Assistentinnen liegt, haben die Forscher nicht ermittelt.
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