von Katrin Terpitz

Unternehmen & Märkte

Berater halten sich mit Rabatten über Wasser

Nach einem rückläufigen Jahr steuern die Consultants wieder vorsichtig in Richtung von mehr Wachstum.

Die Unternehmensberatungen haben ein schwieriges Jahr hinter sich. Selbst Häuser, die mit einem blauen Auge davongekommen sind, mussten hart um Aufträge ringen. "Besonders im ersten Halbjahr war die Zurückhaltung der Klienten bei der Projektvergabe spürbar", sagte Antonio Schnieder, Präsident des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU), bei der Vorstellung der jährlichen Marktstudie. Für 2010 erwartet die Branche eine leichte Erholung. Damit kämen die Berater schneller aus dem Tal heraus als nach der Krise 2002/03.

"Die Bäume sind auch für uns nicht in den Himmel gewachsen", räumte kürzlich auch Frank Mattern, Deutschlandchef von McKinsey, ein. "Wir hatten den Umständen entsprechend ein gutes Jahr", lautete seine sibyllinische Bilanz. Beim traditionellen Presseabend wirkte Mattern deutlich entspannter als im Vorjahr, als sich die Wirtschaft noch allerorten in Schockstarre befand. Mattern zeigte sich verhalten optimistisch: "2010 sind wir sehr gut ins Jahr gestartet."

Verschwiegene Branche

Zu seinen Geschäftszahlen aber hüllt sich der mutmaßliche Marktführer McKinsey in Schweigen. Schätzungen des Marktforschers Lünendonk zufolge lag sein Honorarumsatz 2008 um die 645 Mio. Euro. Nur so viel wollte Mattern verraten: Das Bankenteam habe das beste Jahr in der Geschichte erlebt. Die Zahl der Neuzugänge und die Fluktuationsrate legen jedoch die Vermutung nahe, dass sich die Beratermannschaft von McKinsey insgesamt auf Schrumpfkurs befindet.

Nach Hochrechnungen des BDU, die auf einer Umfrage unter mehr als 1.000 Beratungen beruht, lag der Branchenumsatz 2009 bei 17,6 Mrd. Euro. Im Vergleich zum Rekordjahr 2008 sank er um 3,1 Prozent. Allerdings nahm nur ein Drittel der 60 umsatzstärksten Beratungen an der Markterhebung teil. Schnieder: "Viele Beratungen hatten deutlich höhere Umsatzeinbrüche zu verkraften." Branchenkenner wie Dietmar Fink, Professor an der Hochschule Bonn Rhein Sieg, gehen denn auch von einem Rückgang des Beratungsmarktes um mindestens zehn Prozent aus.

84.600 Unternehmensberater gibt es in Deutschland. Sie arbeiten in rund 13.250 Beratungsfirmen.
Quelle: BDU


Selbst renommierte Restrukturierungsexperten konnten aus der Krise weniger Honig saugen als vermutet. Obwohl Projekte zur Kostenoptimierung und Sanierung ganz oben auf der Agenda der Unternehmen standen. Andere Geschäftsbereiche verwässerten den Zuwachs.

Immerhin: Roland Berger etwa gelang es, den Umsatz hierzulande auf dem hohen Vorjahresniveau zu halten. Lünendonk schätzte ihn für 2008 auf 398 Mio. Euro. Die "Beratersperre" einiger großer Konzerne wie Siemens machte zwar vornehmlich mittleren, aber auch großen Häusern zu schaffen. Berger sah sich davon jedoch im Vergleich weniger betroffen als direkte Wettbewerber.

"Im internationalen Geschäft sind wir etwas geschrumpft", räumt Burkhard Schwenker, Chef von Roland Berger, ein. Unter dem Strich sei der weltweite Umsatz 2009 um etwa sechs bis sieben Prozent gesunken. Schwenker freut sich, dass Berger in einem schwierigen Umfeld immerhin seinen Marktanteil ausweiten konnte. Das Jahr 2010 sei gut angelaufen.

Wettbewerber Boston Consulting gibt seine neuen Zahlen erst am Abend bekannt. Deloitte Consulting musste einen zweistellige Rückgang hinnehmen. Der Umsatz in Deutschland sank im Geschäftsjahr 2008/09 um etwa elf Prozent auf rund 254 Mio. Euro. Partner Heribert Pabst führt dies vor allem auf das Auslaufen globaler Großprojekte zurück. Dabei hatte der umsatzstärkste Bereich Verarbeitende Industrie am meisten gelitten.

Dauerbrenner Kosteneffizienz

Booz & Comp. hat ebenfalls die Krise zu spüren bekommen - besonders nach dem Sommer. "Ab Oktober hatten wir wieder eine Auslastung von annähernd 100 Prozent", sagt Deutschlandchef Stefan Eikelmann. Für 2010 hat sich die Beratung "ehrgeizige Wachstumsziele" gesetzt, diese aber nicht näher definiert. Lünendonk schätzte den Umsatz 2008 auf 262 Mio. Euro.

Wettbewerber Bain & Comp. gelang es, den Umsatz auf Vorjahreshöhe zu halten. Deutschlandchef Rolf-Magnus Weddigen spricht zwar von einem "taffen Jahr": "Unser Team war aber voll ausgelastet." Laut Lünendonk lag der Umsatz 2008 bei 193 Mio. Euro.

Gefragt waren in der Krise alle Spezialisten, die schnell Kosten optimieren und Liquidität verschaffen konnten. Fink: "Alles was direkt das Working Capital betrifft, hat in der ersten Jahreshälfte Sonderkonjunktur erlebt." Horváth & Partners etwa, Spezialist für Unternehmenssteuerung, konnte im vergangenen Geschäftsjahr den Umsatz um 43 Prozent auf 103 Mio. Euro steigern.

Dagegen stellten Klienten kostenintensive Umsetzungsprojekte auf den Prüfstand. Die Nachfrage nach Organisations- und Prozessberatung ging laut BDU-Studie am stärksten zurück. Der Anteil von Strategiethemen am gesamten Projektgeschäft war geringer als in normalen Jahren, beobachtet auch der McKinsey-Chef.

Erbitterter Preiskampf

Inzwischen beobachtet Mattern wieder eine Verschiebung der Beratungsschwerpunkte: "Wo die Phase des Feuerlöschens abgearbeitet ist, richtet sich der Blick wieder auf nachhaltiges Wachstum und neue Geschäftsmodelle, die an das Umfeld nach der Krise angepasst sind." In einer "Welt der Volatilität" müssten sich Unternehmen für die nächste Krise rüsten.

Kosteneffizienz bleibt damit ein Dauerbrenner. Das trifft auch die Berater selbst. "Die Kunden fordern Krisenrabatt", berichtet der BDU-Präsident. Eikelmann spricht von "einem erbitterten Preiskampf" in einigen Bereichen. Experte Fink: "Die Branche hat versucht, ihre Tagessätze auf dem Papier zu halten und ist nach dem Motto verfahren: Kaufe einen teuren Berater und Du bekommst einen zweiten kostenlos dazu!" Der Preisdruck dürfte hoch bleiben.

Allerdings werden Projekte im Lauf des Jahres wieder größer und länger, prophezeit Fink. Viele Kunden kehrten bereits zum gewohnten Umgang mit Beratern zurück. Mit zweistelligen Wachstumsraten - wie zuletzt 2008 - rechnet aber niemand mehr in der Branche.

Die vom BDU befragten Berater erwarten für 2010 ein Marktwachstum von rund fünf Prozent. Präsident Schnieder sieht dies verhaltener. In einem sind sich die Consultants einig: Die Schere zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Beratern geht weiter auseinander.


Quelle: Handelsblatt

 

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