Umfrage
Firmen wollen 2010 wieder einstellen
Noch haben sich die Wachstumshoffnungen nicht erfüllt, aber die deutschen Unternehmen fassen wieder Mut: Gute Aussichten auf mehr Aufträge führen laut Handelsblatt-Umfrage in diesem Jahr vor allem bei großen Firmen zu neuen Jobs.
Trotz schwacher Wirtschaftsentwicklung im vierten Quartal 2009 und trüber Aussichten für das laufende Quartal bestehen gute Chancen, dass der deutsche Arbeitsmarkt seinen positiven Trend fortsetzt. Im laufenden Jahr wollen weniger Firmen ihre Belegschaft kurzarbeiten lassen als noch im Krisenjahr 2009, weil die bessere Auftragslage eine stärke Auslastung des Personals erlaubt. Dies geht aus dem Handelsblatt Business-Monitor hervor, einer Anfang Februar durchgeführten bundesweiten Umfrage des Marktforschungsinstituts Psephos unter knapp 800 Führungskräften im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp.
Die regelmäßige Umfrage von Psephos zeichnet einen klaren Trend: Die Firmen planen für dieses Jahr wieder mehr Einstellungen. Die Schere zwischen Unternehmen, die ihre Mitarbeiterzahl verringern, und jenen, die ihre Beschäftigtenzahl erhöhen wollen, hat sich in den vergangenen Monaten verkleinert und nahezu geschlossen. Der Saldo betrug im März 2009 noch minus 25 Punkte, jetzt liegt er bei minus eins. Firmen mit mehr als 5 000 Beschäftigten senden besonders positive Signale: Mit 28 Prozent planen doppelt so viele Großunternehmen in 2010 eine Erhöhung der Arbeitskräftezahl. Nur 14 Prozent wollen reduzieren.
Die unerschrockenen Beschäftigungspläne der Firmen stehen allerdings in Kontrast zu den eher ernüchternden aktuellen Wirtschaftszahlen. So teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit, dass die deutsche Wirtschaftsleistung im vierten Quartal stagnierte. Bundesbankpräsident Axel Weber hatte kurz zuvor gesagt, er gehe davon aus, dass sie auch im laufenden Quartal wegen des langen Winters stagnieren oder gar etwas schrumpfen werde. Insbesondere der schwache Konsum und rückläufige Investitionen scheinen zum Jahresende für die Stagnation gesorgt zu haben. Außerdem trugen nach Einschätzung der Analysten die frühen Weihnachtsferien dazu bei, die Produktion zu drücken. Bei dieser Ausgangslage ist es wichtig, dass die Beschäftigung nicht einbricht, damit ein Rückfall in die Rezession vermieden werden kann. Die Chance, dass diese Bedingung erfüllt wird, steht den Handelsblatt-Umfrageergebnissen zufolge sehr gut.
Im Ausland gilt Deutschland als "Beschäftigungswunderland". Im Januar lag die Zahl der Jobsuchenden bei 3,61 Millionen. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit war in Anbetracht des Konjunktureinbruchs von fünf Prozent allerdings sehr gering. Das Münchener Ifo-Institut schätzt, dass im Jahresdurchschnitt 3,6 Millionen Menschen ohne Job sind. Die Bundesregierung erwartet 3,74 Millionen Arbeitslose. Selbst konjunkturempfindliche Unternehmen wie der Chemiehersteller BASF und der Gasespezialist Linde haben Anlagen wieder hochgefahren. Hier arbeiten nur noch wenige Hundert Mitarbeiter kurz. Auch der lange Zeit angeschlagene Chiphersteller Infineon beendete angesichts der hohen Nachfrage Kurzarbeit und unbezahlte Sonderurlaube. Der Mischkonzern Siemens fuhr seine Kurzarbeit von 19000 auf 6000 Mitarbeiter herunter. Grund für die Trendwende ist der anziehende Welthandel, vor allem der Absatzboom in Asien, und die hohe Exportrate der deutschen Konzerne.
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