Studie des IW Köln zu Studiengebühren
"In der Regel zufriedener"
Kaum ein Thema hat an den Hochschulen in den letzten Jahren für so lautstarke Proteste gesorgt wie die Einführung der Studiengebühren. Von sozialer Ungerechtigkeit und Kommerzialisierung auf Kosten der Ausbildung war die Rede. Jetzt hat das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln eine neue Studie veröffentlicht - und kommt zu einem anderen Schluss.
Die Erinnerungen an Banner, Demomärsche und Sitzstreiks sind noch frisch, und auch drei Jahre nach ihrer Einführung sorgen die Studiengebühren immer noch für Kontroversen. Hessen und das Saarland haben sie schon wieder abgeschafft, und die neue rot-grüne Regierung in Nordrhein-Westfalen spielt ebenfalls mit dem Gedanken, das Studium ab dem Wintersemester 2011/12 wieder gebührenfrei zu machen.
Volle Kassen für mehr Qualität
Glaubt man einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, ist die Abschaffung der Studiengebühren oder "Campus-Maut", wie es im Begleittext salopp heißt, keine gute Idee. Laut dieser Studie, die auf Befragungen von Studenten basiert, habe sich die Qualität der Ausbildung an den Hochschulen merklich gebessert. Jeder vierte Student in den gebührenpflichtigen Bundesländern bemerke eine positive Veränderung. Bei den "Nichtzahlern" sei es nur jeder Fünfte, so die Studie.
Diskussion: Machen Gebühren das Studium besser?
Nur gerecht
Im Begleittext zur Studie wird zudem argumentiert, dass ein kostenloses Studium von vornherein "gesellschaftspolitisch ungerecht" sei. Schließlich hätten Akademiker "pekuniäre Nettovorteile", wie es hier etwas verquer heißt, da sie nach dem Abschluss zu den Besserverdienern zählten. Deshalb müsse sich die staatliche Förderung mehr auf die frühkindliche Bildung konzentrieren. Angesichts der Vorteile, von denen ein Student profitiert, so die Erklärung, seien die 500 Euro pro Semester ohnehin ein geringer Ausgleich.
Der Kunde ist König
Fazit der Studie: Die zahlenden Studenten sind "in der Regel zufriedener" als ihre gebührenbefreiten Kollegen, und die Studienbeiträge sichern eine bessere Qualität der akademischen Ausbildung. Zudem hätten die Studenten an den gebührenpflichtigen Hochschulen mehr Recht auf Mitgestaltung, da sie als "Kunden" in einer stärkeren Position seien.
Was in der Studie aber zum Beispiel nicht erwähnt wird, ist die ungerechte Verteilung innerhalb mancher Hochschulen. So bekommen manche Fakultäten mehr Geld aus dem Studiengebühren-Topf zugeschanzt, das bei anderen wiederum abgezogen wird. Das bedeutet, dass einige Studenten nur einen Teil ihrer Gebühren in Form von Ausstattung und Lehrkräften wiedersehen. Wie zufrieden einen das macht, bleibt weiterhin eine offene Frage.
