Steuern und Geldanlage
Bis zur letzten Minute. Endspurt 2011 bei Steuern, Geld, Immobilien. Was jetzt noch zu holen ist.
Die Jagd auf Steuervorteile und staatliche Zuschüsse am Jahresende ist eröffnet. Unter Zeitdruck noch schnell zu unterschreiben ist aber verkehrt, viele Steuersparmodelle taugen nichts. Was sich für Anleger, Arbeitnehmer und Hausbesitzer wirklich rechnet.
Übersicht zu diesem Artikel:
- Seite 1: Spartipps zum Jahresende
- Seite 2: Tipps - von Verlust bis Krankheit
- Seite 3: Tipps - von Studium bis Denkmal
"Schnell, schnell", ruft der Mann mit weißem Schnurrbart und schiebt die Sonnenbrille lässig ins schüttere Haar. "Wer bis 11 Uhr noch seine Visitenkarte einwirft, nimmt an der Verlosung für ein neues iPad teil." Der Mittfünfziger blickt auf die Traube von Menschen, die sich am Stand der VHV Versicherungsgruppe gebildet hat. Zwischen die Besucher zwängen sich junge Damen in engen gelben Röcken und verteilen frisch gepresste Säfte.
Und tatsächlich: Nach einem hektischen Blick auf die Uhr - es ist 10.58 Uhr - drängeln noch mal einige nach vorn, um ihr Kärtchen in die Lostrommel zu werfen. Der alternde Entertainer legt sein Mikrofon zur Seite und lächelt. Die Aktion kommt an bei den freiberuflichen Versicherungsvermittlern, die an diesem Donnerstag im Herbst die Finanzmesse DKM besuchen.
Kein Wunder, denn die meisten, die in die Dortmunder Westfalenhalle zur Messe gekommen sind, tun täglich das Gleiche wie der Schnurrbärtige: Sie versuchen, Menschen zum Handeln zu bewegen - am liebsten mit Verweis darauf, dass die Zeit drängt. Und das stimmt ja auch, zumindest in diesen Wochen: Wer bis Silvester in Lebensversicherungen oder Riester-Renten investiert, kann sich Steuervorteile und Zuschüsse sichern.
In einigen Fällen ist es deshalb sinnvoll, noch zu handeln: bei der Altersvorsorge, durch gutes Timing bei Steuern, bei privaten oder geschäftlichen Investitionen. Auf den folgenden Seiten stellt die WirtschaftsWoche die wichtigsten Strategien für Anleger, Arbeitnehmer und Familien sowie für Hausbesitzer vor.
Aggressive Berater
Das Problem: Vieles, was auf Provisionen erpichte Banker und Finanzvermittler empfehlen, ist nicht sinnvoll. Viele verbreiten mit Slogans wie "Jetzt noch Steuervorteile sichern!" Schlussverkaufsstimmung - egal, ob das Produkt für den Kunden taugt.
Alle Jahre wieder bietet der Jahreswechsel das optimale Verkaufsargument: Zeitdruck. Und vieles deutet darauf hin, dass freie Finanzvermittler in diesen Wochen noch aggressiver auf Kundenfang gehen als sonst. Denn 2012 tritt ein neues Anlegerschutzgesetz in Kraft, das ihnen das Geschäft deutlich erschwert. Die Reform mit dem sperrigen Namen "Novellierung des Finanzanlagenvermittler- und Vermögensanlagerechts" ist auf der DKM ein Riesenthema.
"Diese Scheiß-Bürokratie!", beschwert sich ein beleibter Herr zwischen zwei Bissen Hähnchenbrustfilet vom opulenten Buffet. "Wer soll denn den ganzen Papierkram noch erledigen?" Erwartungsvoll blickt er seinen Tischnachbarn an, der nur resigniert mit den Achseln zuckt. Tatsächlich kommt eine Menge auf die Vermittler zu. So müssen sie vom 1. April an Protokolle der Beratungsgespräche anfertigen und ihren Kunden Infoblätter zu den empfohlenen Produkten aushändigen - mit detaillierten Angaben zu ihrer Provision. Damit gelten für sie künftig dieselben Regeln wie für Bankberater. Hinzu kommen strengere Ausbildungs- und Haftungsvorschriften.
Vermittler, Banken und Versicherer trommeln derzeit auch massiv für den Abschluss einer Lebensversicherung bis Jahresende, weil der Mindestzins, den Versicherer Neukunden für die komplette Vertragsdauer versprechen, von 2,25 auf 1,75 Prozent sinkt. Dass dieser Zins nur auf den Sparanteil gezahlt wird, also die Kundenbeiträge abzüglich Kosten, kann in der Eile schon mal untergehen.
Bei Lebensversicherungen liegen die Abschlusskosten - im Wesentlichen Provisionen - im Schnitt bei vier bis sechs und in Einzelfällen sogar bei zwölf Prozent der gesamten Beiträge des Anlegers. Das wird auch so bleiben: Das neue Gesetz enthält, anders als ursprünglich geplant, keine Provisionsgrenze für Lebensversicherungen. "Diese Vorschrift wurde kurzfristig gestrichen", sagt Mark Ortmann, Leiter des Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge.
Noch lukrativer für Vermittler sind geschlossene Fonds: "Die Nebenkosten sind bei vielen deutlich zu hoch", warnt Dirk Schröllkamp von der Vermögensberatung Mercurion. Wenn sich Anleger an Immobilien oder Solarparks beteiligen, fließen am Ende oft nur rund 80 Prozent ihres Geldes in das Investitionsobjekt - zu wenig.

Melanie Grell
17.12.2011 20:06
Hallo Robin,
danke für den Kommentar! Da das ein externer Artikel ist, darf ich ihn nicht ändern. Aber die Leser werden hoffentlich deine Anmerkung sehen! :-)
VG, Melanie
14.12.2011 20:58
Kindergeldgrenze bei "maximal 8.004 Euro im Jahr" ist ab 1. Januar 2012 nicht mehr gültig. Man hat wieder einmal festgestellt, dass die Überprüfung der einzelnen Fälle mehr Geld kostet als das Kindergeld weiter auszuzahlen.
http://tk-it.bayern.verdi.de/data/Flugblatt_Kindergeld_2012.pdf.pdf