Risikomanager
So unbeliebt wie notwendig
In der Finanzwirtschaft sind sie mächtige Manager, die Chief Risk Officers. Die Industrie lehnt sie noch ab.
Welche herausragende Rolle ein Hugo Bänziger im Vorstand der Deutschen Bank spielt, zeigt die Gewinnwarnung des größten deutschen Geldhauses. Bänziger ist Risikovorstand und in dieser Funktion verantwortlich für die Abschätzung geschäftspolitischer Unwägbarkeiten. Davon gibt es in der Finanzindustrie derzeit reichlich.
Chief Risk Officers (CRO), wie sie neudeutsch heißen, sind bei Banken und Versicherungen inzwischen Standard. In der produzierenden Industrie, im Handel und bei Dienstleistern sucht man die CRO bislang vergebens. Das mag daran liegen, dass die Bankenaufsicht schon darauf achtet, wie die verschärften Regeln fürs Risikomanagement auch organisatorisch und personell in den Finanzhäusern umgesetzt werden. Das liegt aber auch daran, dass die Realwirtschaft das Thema Risiko als Managementaufgabe schlichtweg zu verschlafen droht.
Diskussion: Braucht die Industrie Riskiomanger?
Dabei sollten sich manche Unternehmen ernsthaft Gedanken machen. Stromkonzerne wie Eon und RWE haben plötzlich Finanzierungsbedarf in Milliardenhöhe. Begründung: wegbrechende Cash-Flows wegen des forcierten Atomausstiegs und Ertragsprobleme im Erdgas- und Stromgeschäft. Kommt das wirklich alles so unerwartet? Aufgabe eines Risikomanagers wäre es gewesen, hier frühzeitig Alarm zu schlagen und vor dem zeitgleichen Auftreten zweier gravierender Gefahren zu warnen.
Andere Branchen wie die Autoindustrie sonnen sich derzeit im Boom, die Gewinne sprudeln. Kein Grund also, am Erfolg des Geschäftsmodells zu zweifeln. Wirklich? Das war bei den Stromkonzernen vor einigen Jahren auch nicht anders. Sie schwammen in Geld. Schon der nüchterne Menschenverstand warnt deshalb: Vorsicht!
Natürlich gibt es in jedem gut geführten Konzern ein Vorstandsmitglied, das nebenbei fürs Risikomanagement verantwortlich zeichnet. Mit diesem Argument werden Unternehmen Kritik an ihren Führungsstrukturen abbügeln. Die Folgen sind aber fatal: Dieselben Manager, die potenzielle Gefahren durch ihre Funktion als Finanz- oder Strategiechef auslösen, können nicht ebendiese Risiken bewerten.
Auch hier gibt der nüchterne Menschenverstand die richtige Antwort. Risikomanager ergeben nur Sinn, wenn sie unabhängig agieren, ohne Rücksicht auf Personen, ohne Rücksicht auf Vorstandsraison. Damit wären sie aber mächtiger als mancher Vorstandsvorsitzender. Und deshalb wird es so schnell keine geben - auch wenn manche Konzerne sie dringend brauchen.
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