von Alina Schadwinkel

Neue Medien

Die Unis und das Web 2.0

Wie können Universitäten und Studenten Social Media nutzen? Die Unis experimentieren noch. Einige nehmen bereits eine Vorreiterrolle ein.

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Ob in Blogs, Foren, Wikis oder Podcasts: Das Internet hilft dabei, Informationen zu verbreiten und Menschen miteinander zu vernetzen. Hochschulen sollten diese Entwicklung nicht nur wahrnehmen, sondern selbst vorantreiben. Doch wie sieht das Angebot im Hochschulbereich derzeit aus? Wie können Universitäten die Anwendungen des Social Web sinnvoll nutzen?
 
Elmar Schultz ist Referent für Wissenstransfer der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Die Interaktion zwischen Studieninteressierten und Hochschulen existiere bereits, bevor das Studium überhaupt begonnen hat, hat Schultz beobachtet. "Wenn Schüler überlegen, ob sie studieren wollen, dann findet der Entscheidungsprozess zu einem großen Teil in sozialen Foren, wie Facebook oder Schüler- beziehungsweise StudiVZ, statt", sagt Schultz.
 
Hier können sich Interessierte vorab mit Studenten vernetzen und Wissenswertes über die Uni und die Studienbedingungen erfahren. Und sie finden auch Antworten auf ganz praktische Fragen: Wie finde ich die passende Wohnung? Brauche ich ein Fahrrad oder ein Auto? Wo kann man weggehen? "Die Studierenden sind somit manchmal virtuell eher angekommen, als sie faktisch vor Ort sind."
 
Auch später im Studium spielen Web-2.0-Applikationen eine wichtige Rolle. Wikis, Blogs oder Vorlesungsmitschnitte als kostenlose Videos – je nach Fach und Hochschule sind diese Tools auch für Universitäten und Studenten von Nutzen. Der Multimedia Kontor Hamburg (MMKH), ein Beratungsunternehmen der Hamburger Fachhochschulen und Universitäten, hat gemeinsam mit dem Hochschul-Informations-System das "Studieren im Web 2.0" untersucht.
 
"Die Studie hat gezeigt, dass Web-2.0-Tools in unterschiedlichen Kontexten genutzt werden. Je nachdem ob es um eine individuelle Nachbereitung eines Seminars geht oder um eine Prüfungsvorbereitung", sagt Marc Göcks, Geschäftsführer des MMKH. Die Umfrage zeigt, dass Studenten Wikis relativ stark für die individuelle Nachbereitung nutzen, wohingegen Blogs auch in der Gruppenarbeit Anwendung finden. Online-Tests und E-Lectures spielen eine größere Rolle, wenn die Klausuren näher rücken, allerdings dürfte dies nicht überraschen.

Ein Element, das trotz seiner Vorzüge bislang eher selten eingesetzt und nach Göcks Meinung unterschätzt wird, ist das E-Portfolio. "Dahinter steckt die Idee, dass eigene Inhalte als Kompetenznachweis sowie der Lernprozess in einem Portfolio elektronisch dokumentiert werden können." Egal ob es sich dabei um die Nachbereitung einer Vorlesung, eine Hausarbeit oder die Mitschrift des Wahlfaches "Wie präsentiere ich mich gut" handele. Andere Studenten können auf Wunsch die eigene Arbeit bewerten und ihre Meinung mit anderen teilen. "Auf diese Weise lassen sich gleichermaßen eine Selbst- und Fremdreflektion des eigenen Leistungsfortschritts erhalten", sagt Göcks.
 
Elmar Schultz sagt: "Web 2.0 an Hochschulen ist noch nicht so verbreitet, es gibt aber viel versprechende Anfänge." Zu den Pionieren gehören laut HRK unter anderem die Hochschule Bochum, die einen Newsfeed anbietet, die Universität der Bundeswehr in München, die das Weblog der Professorin Gabi Reinmann bereitstellt sowie die LMU München. Die ist mittlerweile bekannt für die erfolgreiche Verbreitung von Medieninhalten, vor allem Podcasts.
 
So verzeichnete die Universität in den vergangenen zwei Jahren gut 10 Millionen Downloads auf iTunes U, der Bildungsabteilung des Apple iTunes Store. Nach der Open University steht die LMU München damit in Europa auf dem zweiten Platz. "Wir nutzen die Plattform, um spannende Forschungsprojekte und aktuelle Ereignisse vorzustellen sowie um allgemeine Informationen über die Uni und ihre Lehrinhalte bereitzustellen", sagt Kathrin Bilgeri, Redakteurin für internationale Kommunikation an der LMU.
 
So lässt die Uni etwa Vorlesungen mitschneiden, die sie für das "Learning to go" kostenlos zum Download zur Verfügung stellt. "Vor allem im Bereich der Natur- und Sozialwissenschaften werden diese Beiträge in der Lehre eingesetzt und von Studierenden angefragt", sagt Bilgeri. Medizinstudenten können sich zum Beispiel Videos von Blutabnahme- oder Nahttechniken in der Chirurgie zu Hause ansehen. Und Physikstudenten können im Podcast Versuche in größerer Detailgenauigkeit beobachten als im Hörsaal.
 
"Unser Portal unterscheidet sich zudem von vielen anderen darin, dass wir neben Lehrfilmen und Podcasts zur Forschung auch das bunte Leben der Universität darstellen", sagt Bilgeri. So gibt es zum Beispiel monatlich den Podcast eines Poetry Slammers, der das Studentenleben unter die Lupe nimmt. Bei den Studenten komme das sehr gut an, sagt Bilgeri.
 
Mit ihren Ideen und der Präsenz in der Forschungs-Berichterstattung erreicht die LMU europaweit neue Zielgruppen. Natürlich geht es dabei um Marketing. "Die Hochschulen stehen zunehmend im Wettbewerb miteinander. Mit den richtigen Web-2.0-Angeboten, als Instrumente eines gezielten Hochschulmarketings, können sie auf sich aufmerksam machen und Studierende an sich binden", sagt Göcks. Schultz sieht das ähnlich: "Web 2.0 kommt nicht nur den Studierenden zugute, sondern kann auch dem Image der Hochschulen dienen."
 
Bloß eins lässt sich nicht von der Hand weisen: Das virtuelle Studium erfordert mehr Disziplin. "Studierende sind zwar zeitlich flexibler, müssen sich dann aber auch zusammenreißen, um nachts nach ihrem Kellnerjob noch etwas zu machen", sagt Schultz. Hinzu komme, dass es mitunter anstrengender ist, einem 45 Minuten langen Podcast zu folgen als vor Ort zu lernen. "Im Seminar lernt man intensiver, denn das Unmittelbare regt mehr an als ein Bildschirm", sagt Schultz.
 
So sperren sich Dozenten auch nicht selten dagegen, die Inhalte ihrer Vorlesungen online zu stellen, das sei aber nur natürlich. "Viele Professoren sind mit pädagogischen und didaktischen Konzepten aufgewachsen, die man nicht einfach über Bord werfen kann und auch nicht aufgeben sollte", sagt Göcks. Die traditionelle Lehre zu ersetzen, sei allerdings auch nicht die Aufgabe von Social Bookmarking und Wikis. "Mit ihnen soll die Lehre vielmehr angereichert und neue didaktische Szenarien ermöglicht werden."
 
Viele junge Lehrende setzen neue Techniken bereits selbstverständlich ein. Wer sich für neue Formen interessiere, kann meist Unterstützung von der Hochschule oder eigenen Serviceeinrichtungen bekommen. Doch welche Tools wahren Nutzen bringen, wird sich erst noch herausstellen. Indem die Unis, Dozenten und Studenten sie gemeinsam erproben.

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