Master-Programme
Wirtschaft fördert Bachelors, Firmen unterstützen Berufsanfänger
Nach dem Bachelorstudium sollte es mit dem Master weitergehen. Das war für Henning Nissen klar. Aber welcher Master? Und wie sollte er Praxis und Theorie verbinden? Während er seine Bachelorarbeit schrieb, erfuhr er vom PreMaster-Programm der Bosch-Gruppe. Er bewarb sich - mit Erfolg.
Der Konzern fördert seit 2008 junge Talente, die bis zu zwölf Monate Berufserfahrung in verschiedenen Geschäftsbereichen sammeln können. Auch beim anschließenden Masterstudium bleibt der enge Kontakt zum Unternehmen erhalten. "Der Pre-Master schnürt Erst- und Aufbaustudium und wertvolle Berufserfahrung zu einem attraktiven Bildungspaket zusammen", beschreibt Wolfgang Malchow, Geschäftsführer der Bosch-Gruppe das Konzept.
Für Nissen war diese Entscheidung ein Glücksfall. Er bekam einen erfahrenen Projektmanager zur Seite gestellt, der mit ihm einen maßgeschneiderten Qualifizierungsplan entwickelte. Weitere Entwicklungsmöglichkeiten inklusive: Mit Bosch kam der Masterstudent nach China; die Masterarbeit schreibt er jetzt im Unternehmen. "Das Wichtigste war jedoch, dass ich ein Gespür entwickeln konnte, welche Inhalte mich im Masterstudium interessieren könnten", sagt der angehende Wirtschaftsingenieur.
Wie man Bachelors qualifiziert, ihnen Berufspraxis vermittelt und sie an die Firma bindet, ist das Zukunftsthema für Unternehmen. Immer mehr Betriebe entwickeln Karrierekonzepte für Absolventen. Das zeigt die aktuelle Studie "Mit dem Bachelor in den Beruf" vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft.
Schon in etwa 45 Prozent der befragten Unternehmen können Mitarbeiter mit Bachelorabschluss einen berufsbildenden Master absolvieren. Beispiel Master@IBM: Der IT-Dienstleister unterstützt mit diesem Programm begabte Bachelorabsolventen. Die Teilnehmer studieren berufsbegleitend an einer Hochschule und arbeiten parallel in einer Fachabteilung bei IBM, wo sie ihr Wissen in die Praxis umsetzen können.
Bei der Qualifizierung der Bachelortalente kooperieren viele Unternehmen mit ausgewählten Hochschulen. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Deloitte, Ernst & Young, KPMG und PwC etwa haben mit Unis unter anderem in Münster, Lüneburg und Mannheim einen neuen Master entwickelt, der es Bachelorabsolventen aus den Unternehmen erlaubt, neben ihrem Job zu studieren. Studien- und Praxisphasen wechseln sich ab: "So bleiben unsere Mitarbeiter während der Studienzeit ins Unternehmen eingebunden und haben dennoch genug Zeit für ihr Studium", sagt Thomas Orth, Partner bei Deloitte.
Theorie und Praxis verzahnen.
Dass die Nachfrage in der Wirtschaft nach berufsbegleitenden Mastern steigt, bestätigt auch Reinhold Geilsdörfer, Präsident der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW). Im Oktober starten an den Standorten der DHBW die ersten dualen Masterprogramme in Wirtschaftswissenschaften und Informatik. Auch das Interesse an Ingenieurstudiengängen ist groß - Angebote für duale Technik-Master wird es im nächsten Jahr geben.
Wie beim berufsbegleitenden Master wird das zweijährige Studium neben dem Beruf absolviert. Voraussetzung ist jedoch, dass die Masterstudenten eine schriftliche Vereinbarung mit dem Betrieb unterzeichnen. Darin wird festgelegt, dass sie im Unternehmen einen direkten Ansprechpartner erhalten, der dafür sorgt, dass sie in einem Unternehmensbereich arbeiten, der eine enge Verzahnung von Praxis und Theorie möglich macht.
Für Florian Kumb, der im Produktionsmanagement eines großen Medienunternehmens arbeitet und im Herbst mit dem Business-Master an der DHBW in Ravensburg beginnt, ist das ein Pluspunkt des Studiums. Neben dem Beruf zu lernen, bedeutet viel Arbeit, aber er weiß, wofür er sich anstrengt: "Für mich ist der Bezug zum Unternehmen wichtig, denn dort kann ich das theoretische Wissen gleich in die Praxis umsetzen."
Master oder Jobeinstieg?
Bosch und Bosch Rexroth bieten beides: Mit dem PreMaster Programm
Vorprogramm bei Bosch
Rund 25 Prozent der Bachelorabsolventen planen nach einer Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) eine Pause zwischen Bachelorabschluss und der Aufnahme des Masterstudiums, um praktische Erfahrung in Beruf oder Praktikum zu sammeln. An solche Studenten wendet sich das "PreMaster Programm" der Bosch-Gruppe.
Teilnehmer können - betreut von Mentoren und ausgestattet mit einer Vergütung - Berufserfahrung im Unternehmen sammeln und dann ihr Masterstudium an einer von ihnen ausgewählten Hochschule aufnehmen.
Während des Studiums bleiben die Studenten in engem Kontakt mit dem Konzern. Ziel der Initiative ist es, Praxislücken zu schließen und Berufserfahrung zu vermitteln. Vor und während des Masterstudiums nehmen die Teilnehmer an berufsvorbereitenden Seminaren teil. Zielgruppen sind Bachelorabsolventen mit technischem oder kaufmännischem Studium.
Neben dem Beruf studieren
Master@IBM: Seit 2010 bietet IBM ein berufsbegleitendes Masterprogramm für Bachelorabsolventen von Informatikfächern und wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen an.
e nach Hochschule studieren die Teilnehmer 18 bis 24 Monate und arbeiten in dieser Zeit drei bis vier Tage pro Woche im Unternehmen. Sie erhalten eine Vergütung und werden für das Studium freigestellt. Das Interesse ist groß; die 65 für das Wintersemester 2011/2012 ausgeschriebenen Masterstellen sind vergeben.
Audit-Xcellence
Dieses Programm ist ein spezieller berufsbegleitender Master für den Nachwuchs in Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, bei dem die Unternehmen Deloitte, Ernst & Young, KPMG und PwC mit ausgewählten Unis kooperieren. Ein Teil der Studienleistungen kann auf das Wirtschaftsprüferexamen angerechnet werden. Das Programm startet als Pilot in Mannheim und wird ab 2012 an den beteiligten Unis angeboten.
Duales Programm im Unternehmen
Start im Herbst: Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) startet ab dem Wintersemester mit den ersten dualen Masterprogrammen. Die neuen Masterstudiengänge umfassen verschiedene Master in Business-Management sowie in Informatik und Sozialwesen. Die Masterstudiengänge sind am dualen Studienkonzept der DHBW orientiert und zeichnen sich durch Theorie-Praxis-Transfer aus. Das Masterstudium findet berufsbegleitend statt, unterrichtet wird an Wochenenden oder in Wochenblöcken.
Die Studiengänge werden in enger Zusammenarbeit mit den rund 9.000 kooperierenden Unternehmen und Partnern der Hochschule angeboten. Student und Unternehmen besiegeln das Masterstudium in einer schriftlichen Vereinbarung. 60 Prozent der Unternehmen, die mit der DHBW zusammenarbeiten, kommen aus Baden-Württemberg, 40 Prozent aus dem übrigen Bundesgebiet. Bei den Studenten ist das Verhältnis ähnlich.
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