MBA
Zarte Pflänzchen
Der deutsche MBA-Markt steckt noch immer in den Kinderschuhen. In den nächsten zwei Jahren entscheidet sich, wer international mitspielt und wer die gute zweite Liga stellt.
In der deutschen MBA-Landschaft bewegt sich etwas. Mit der Goethe Business School der Frankfurter Universität konkurriert seit diesem Jahr ein weiterer Anbieter um die Gunst der Vollzeit-MBA-Studenten. Das Programm ist vor wenigen Wochen mit 29 Teilnehmern gut gestartet. Die Krise hat dazu sicher beigetragen. Denn läuft die Wirtschaft schlecht, steigen die Bewerberzahlen an den Schulen. Erstaunlich ist aber, dass bei einigen anderen deutschen Anbietern weniger Studenten in den Vollzeit-MBA-Klassen sitzen als im Vorjahr.
Das könnte der Beginn einer Dreiteilung der MBA-Landschaft in Deutschland sein. So könnte sich eine zweite Reihe guter Anbieter etablieren, angesiedelt zwischen den international sichtbaren Top-Schulen und den vielen Fachhochschulen. "In den nächsten ein bis zwei Jahren fällt die Vorentscheidung, wer in Deutschland langfristig zu den international sichtbaren Top-Anbietern gehört und wer zur guten zweiten Reihe", sagt Andreas Hackethal, Dekan der Goethe Business School.
Bisher ist der deutsche Markt für den begehrten MBA-Titel in zwei Gruppen gespalten. Auf der einen Seite stehen die wenigen staatlichen Unis und privaten Business Schools, die mit "echten" MBA- und Executive-MBA-Programmen am Markt sind, auf der anderen die vielen Anbieter, darunter viele Fachhochschulen, die ihren Programmen zwar das Etikett MBA geben, die Erwartungen an ein solches Programm aber meist nicht erfüllen. "Es gibt in Deutschland etwa 160 Programme, die sich MBA nennen. Höchstens fünf Prozent - also weniger als zehn - sind aber nur echte MBA-Programme, die internationale Standards erfüllen", sagt Eva Niemann. Sie leitet die Aktivitäten der Tias Nimbas Business School in Deutschland.
In der Liga der richtigen Vollzeit-MBA-Programme passiert gerade Erstaunliches. Die Handelshochschule Leipzig (HHL), die Mannheim Business School, Tias Nimbas oder Frankfurt School of Finance & Management konnten ihre Klassen vergrößern, so wie viele Konkurrenten in Europa und den USA auch. Doch an der Gisma Business School in Hannover, der WHU - Otto Beisheim School of Management in Vallendar oder der Berliner ESMT sitzen im aktuellen Jahrgang weniger Studenten als ein Jahr zuvor.
Die Begründungen der Schulen dafür sind ganz unterschiedlich. An der Gisma könnte es daran gelegen haben, dass sich in Krisenzeiten weniger Frauen bewerben, der Anteil lag bisher bei etwa 50 Prozent. An der WHU seien im Vollzeit-MBA einige Studenten vor Studienbeginn abgesprungen, sagt WHU-Rektor Michael Frenkel. Und an der ESMT rechtfertigt Dekan Wulff Plinke die geschrumpfte Klasse mit dem Namen, den sich die Schule in Berlin erst aufbauen muss. "Schulen mit starkem Markennamen wie Insead haben mehr Studenten, junge Schulen müssen sich wegen der Unsicherheit in der Krise mehr anstrengen", sagt Plinke.
Doch auf dem vergleichsweise jungen deutschen Markt geht es nun darum, international sichtbar zu werden. Noch sind die meisten Programme mit 15 bis 30 Teilnehmern zu klein, um weltweit mitzuspielen. "Wer es kurzfristig nicht schafft, mehr als 30 richtig gute Teilnehmer in der Klasse zu haben, der wird es immens schwer haben, sich international durchzusetzen", sagt Andreas Hackethal. Mit Spannung erwartet die Branche daher, wie gut es den einzelnen Anbietern beim nächsten Jahrgang gelingt, ihre Klassen zu füllen. "Die nächsten zwei Jahre werden der Lackmustest", sagt Hackethal. Auch er selbst muss mit dem neueingeführten Goethe-Vollzeit-MBA beweisen, dass der gelungene Start kein Strohfeuer war. Erst sehr spät hat man hierzulande überhaupt MBA- Programme ins Leben gerufen. "Im Ausland hat Deutschland noch immer das Image, als MBA-Standort keine Tradition zu haben und noch immer um Jahre zurückzuhängen", sagt WHU-Rektor Frenkel. Das zeigt sich auch in den international wichtigen Rankings, in denen bisher so gut wie keine deutschen Programme vertreten waren.
Doch erste Veränderungen sind sichtbar. Im neuen MBA-Ranking des Economist, das vergangene Woche erschienen ist, verbesserte sich die Mannheim Business School vom 51. auf den 26. Platz, der gemeinsame Executive-MBA in Zusammenarbeit mit der französischen Business School Essec machte in der Bestenliste der Financial Times vier Plätze gut und belegt Rang 21. Die WHU liegt mit dem gemeinsamen EMBA mit der amerikanischen Kellogg School auf Platz 18. International werden sich wohl nur drei bis maximal fünf deutsche Programme behaupten, schätzen Business-School-Chefs.
Dabei könnten auch in Zukunft noch neue MBA-Programme um Studenten buhlen, in Deutschland ist der MBA noch immer ein Wachstumsmarkt - wenn auch nur mit spärlichen Zuwächsen. "Es wird noch Platz geben für die ein oder andere gute Schule", sagt Anette Tronnier, Geschäftsführerin der Gisma Business School. Drei gute MBA-Programme könnten noch problemlos gefüllt werden, sagt auch Christian Homburg, der die Mannheim Business School leitet Je mehr gute Programm es gibt, desto eher wird das Land auch als MBA-Standort wahrgenommen.
Doch die Schulen sollten an mehreren Fronten kämpfen, um ihre Programme zu vergrößern oder neue Angebote in den Markt zu bringen. Zum einen müssen sie die deutschen Unternehmen davon überzeugen, mehr MBA-Absolventen einzustellen. Noch immer kennen viele von ihnen den MBA entweder gar nicht, oder sie können mit dem Abschluss nicht viel anfangen. "Wir müssen auch auf die kleinen und mittelständischen Unternehmen zugehen, ihnen erklären, was einen guten MBA kennzeichnet", sagt Hans Wiesmeth, Chef der HHL. Viele Vollzeit-MBA-Studenten gehen zurück an die Hochschule, weil sie den Job wechseln und Karrierre machen wollen. "Der Mittelstand in Deutschland denkt sich doch heute noch: Wenn ich den MBA eines Mitarbeiters fördere, dann interessieren sich plötzlich Großunternehmen für den Mitarbeiter und er wird abgeworben. Warum soll ich den MBA dann unterstützen?", sagt Goethe-Dekan Hackethal. Da müssen die Schulen noch viel Überzeugungsarbeit leisten.
Zumal sie vor einer großen Herausforderung stehen. "Regionale Programme zielen eher auf den Mittelstand", sagt WHU-Rektor Frenkel. Und Großunternehmen in Deutschland schauen sich vor allem an den seit langem etablierten internationalen Schulen um. Die deutschen Anbieter müssen bei beiden Gruppen also mit der Qualität ihrer Programme werben. Wer einmal in der guten zweiten Liga mitspielt, braucht dann vor allem die Unternehmen vor Ort.
Zum anderen müssen es die MBA-Schulen schaffen, mehr gute Studenten von den Programmen zu überzeugen. Die Umstellung der Studienabschlüsse auf Bachelor und Master wird ihnen dabei in die Hände spielen. Denn jetzt passt auch der MBA viel besser in das deutsche System. Bisher war das Diplom der Regelabschluss, der MBA ein wenig im Abseits. Jetzt können Absolventen mit dem Bachelor die Hochschulen verlassen und nach dem ersten Job für ein Masterprogramm zurückkehren. Da wird der MBA zu einer Alternative. "Bologna wird automatisch dazu führen, dass der MBA-Markt in Deutschland wächst", sagt Plinke von der ESMT.
Ein MBA lebt von der Vielfalt seiner Teilnehmer. Je internationaler, desto mehr lernen die Studenten auch voneinander. Dennoch brauchen die Anbieter in den Programmen auch Studenten aus Deutschland. Bisher ist deren Anteil gering, die meisten Deutschen gehen für den MBA noch immer ins Ausland. "Deutsche Studenten im MBA sind ein Qualitätsindikator", sagt Homburg. Mit Deutschen in der Klasse beweisen die Schulen, dass sie ihren Heimatmarkt im Griff haben. "Wir müssen auch zeigen, dass wir die Leute im Land überzeugen können, dass es hier gute Programme gibt. Das ist wichtig für die Glaubwürdigkeit", sagt WHU-Rektor Frenkel. Die wiederum brauchen die MBA-Schulen, um auch international erfolgreich für ihre Klassen werben zu können.
Woran Sie ein gutes MBA-Programm erkennen
Wer einen MBA machen will, ist auf der Suche nach einem praxisorientierten General-Management-Aufbaustudium, das schon einen ersten Hochschulabschluss und Berufserfahrung voraussetzt. Damit sind auch schon die ersten Anforderungen an einen guten MBA klar. Generalistisch heißt, dass es eben keine Spezialisierung in dem einen oder anderen Fach und damit kein verkappter Master of Science ist, wie es viele MBA-Programme in Deutschland derzeit noch sind.
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Bestandteile des Programms sollten Accounting, Strategy, Economics , Finance, strategische Personalführung, Marketing, Operations Management, Statistik und IT-Management sein. Achten Sie zudem auf die Akkreditierung, Hat der MBA zumindest eines der international maßgeblichen Siegel Equis, AMBA oder AACSB, ist das ein gutes Zeichen.
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Ein MBA lebt von seinen Teilnehmern mit verschiedenen Werdegängen und Nationalitäten. Mehrjährige Berufserfahrung sollten alle Teilnehmer haben. Praktika zählen nicht dazu. Bei dem Studentenmix versteht es sich von selbst, dass im Kurs englisch gesprochen wird.
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MBA-Interessenten sollten sich zudem die Professoren und Dozenten anschauen. An welchen Instituten lehren sie noch, wo haben sie gelehrt, und mit welcher Forschungsleistung können sie glänzen? Nicht umsonst rühmen sich amerikanische Schulen immer wieder damit, dass Nobelpreisträger in ihren Vorlesungssälen ein- und ausgehen.
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Fragen Sie nach, wo die Absolventen des Programms untergekommen sind, welche Unternehmen an der Schule rekrutieren, ob und wann auch Unternehmen auf den Campus kommen.
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Und nicht zuletzt sollte das Alumni-Netzwerk der Schule einem kritischen Blick standhalten können. Bei Praktika, aber auch bei Fragen nach dem MBA helfen oft die Kontakte zu den Ehemaligen.
- Und ja, ein gutes Programm ist nicht billig. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass ein teures Programm automatisch gut ist. Sie sollten nicht nur auf den Preis in der Broschüre schauen, sondern nachfragen. Wer allzu hohe Rabatte gibt, kann seine Klasse anderweitig vielleicht nicht füllen.
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