von Anette Kiefer

Jura-Blogs

Anwälte bloggen um die Gunst der Mandanten

Juristen setzen sich im Internet in Szene. Nicht immer erzielt der Auftritt die gewünschte Wirkung.

 

Alexandra Braun machte sich schon als Studentin im Internet einen Namen. In ihrem Online-Tagebuch schrieb sie ihre Erfahrungen mit der Juristenszene nieder. Das Jurablog verschaffte ihr nicht nur Prestige, sondern brachte ihr später als Anwältin auch Aufträge ein. "Bei mir haben schon mehrere Mandanten angerufen, die durch mein Blog auf mich aufmerksam geworden sind", sagt Braun.

Für Juristen ist der Informationsaustausch im Netz unverzichtbar geworden. Meinungsfreudig debattieren selbstständige Anwälte oder Professoren auf Hunderten Plattformen im Internet - nicht selten mit Hintergedanken: "Ein Blog gehört zur Mandantenpflege und Akquise heute einfach dazu", sagt Robert Schindler von der Kanzlei Finkenzeller & Kollegen. "Viele Kontakte kommen bei uns nur über das Internet zustande."

Ein Forum für jedes Thema

Insider nennen die Seiten "Blawgs" - in Anlehnung an das englische Wort "law". Das Themenspektrum ist groß: Einige melden nur knapp das Neueste - etwa wenn ein Gericht entschieden hat, dass E-Mail-Werbung nur nach Einwilligung des Empfängers erlaubt ist. Oder dass ein Händler bei Widerruf eines Kaufvertrags die Versandkostenpauschale erstatten muss. Andere regen die Leser zur Diskussion an: Wie viel verdient ein Anwalt wirklich? Wie formuliere ich ein sogenanntes Berliner Testament?

Einen Überblick über die Szene gibt http://www.jurablogs.com. Hier findet sich die größte Sammlung deutschsprachiger Blogs mit juristischen Themen. 550.000 Interessierte besuchen monatlich die Webseite, die seit sechs Jahren online ist. Das Archiv von Jurablog-Betreiber Matthias Klappenbach umfasst rund 200.000 Artikel. "Inzwischen findet sich für jedes Interesse das passende Blog", sagt Klappenbach.

Mit hochklassigen Autoren wiederum punkten Blogs wie das "Steuerboard" des Handelsblatts. Regelmäßig berichten etwa Clemens Fuest vom Wissenschaftlichen Beirat beim Bundesfinanzministerium und der Steuerrechtler Dieter Birk von der Uni Münster über Neuigkeiten aus ihren Fachgebieten.

Großkanzleien halten sich zurück

"Blogs zu Steuer- und Jurathemen werden eher konsumiert als kommentiert", sagt Steuerboard-Chef Oliver Holzinger. "Deshalb ist es wichtig, den Lesern möglichst täglich einen neuen Beitrag zu liefern - mit hoher Qualität." Das zahlt sich aus: Steuerboard ist mit über 10.000 gelesenen Beiträgen pro Monat das mit Abstand am meisten frequentierte deutsche Steuerblog.

Nicht jeder Blogger setzt auf Qualität. Ein vielgelesenes Juristenblog etwa berichtet fast nur über Gerichtsprozesse zu Straftaten mit sexuellem Hintergrund - inklusive zweifelhafter Kommentare.

Zögerlich sind viele Großkanzleien beim eigenen Blog als Marketinginstrument. Auch die größte deutsche Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer verzichtet darauf. "Wenn man es professionell betreiben will, ist ein Blog ein beträchtlicher Aufwand", sagt Sprecher Christoph Tillmanns. "Unsere Geschäftspartner und Nachwuchsjuristen können wir auf anderen Wegen besser erreichen."

Doch Tillmanns schließt nicht aus, dass sich das ändern könnte - man beobachte das Medium jedenfalls aufmerksam.

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Wie sagte der Anwalt: "Ich kann nicht klagen" ... :-)

Das Internet hilft aber auch nicht über die grundsätzliche Problematik hinweg, dass es eine Anwaltsschwemme gibt und ein zweistelliger Prozentsatz davon von "Sozialhilfe" lebt oder, wie in den siebziger Jahren in Bremen, sich die Robe vor dem Sozialgericht erstreiten muss. Aber gerade darum ist es gut, dass das Werbeverbot der Anwaltschaft gelockert wurde, sonst könnten sie immer noch nicht direkt um Kunden werben.

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