Investment Banking
Neuer Boni-Regen für Investment-Banker
Freude in der Londoner City: Die britische Regierung resigniert im zähen Kampf gegen milliardenschwere Bonuszahlungen.
Nein, Reue zeigte Bob Diamond nicht, als er gestern vor einem Ausschuss des britischen Parlaments Rede und Antwort stehen musste. Der frischgebackene Chef der Großbank Barclays ließ die Abgeordneten wissen, "dass es eine Zeit des schlechten Gewissens und der Entschuldigungen gab, aber diese Zeit muss jetzt vorbei sein". Die Banken sollten nach der Finanzkrise lieber wieder ihre Arbeit erledigen.
Selbstbewusste Worte des Amerikaners, der in Großbritannien so etwas wie ein Symbol für den gierigen Banker ist. Zwar verzichtete Diamond als Chef-Investment-Banker von Barclays 2009 auf seinen Bonus, aber auch so kassierte er inklusive des Verkaufs von Wertpapieren der Bank rund 40 Millionen Pfund.
Konkrete Vorgaben sind vom Tisch
Diamonds Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr. Nach monatelangem Ringen hat die britische Regierung jetzt offenbar ihren Versuch aufgegeben, die Banken zu einer Begrenzung ihrer Bonuszahlungen zu zwingen. Bereits vor Weihnachten hatte der konservative Premierminister David Cameron hinter verschlossenen Türen Verhandlungen mit den größten Banken des Landes aufgenommen. Sein Ziel: Weil das ganze Land unter dem härtesten Sparpaket seit einer Generation ächze, müssten auch die Geldhäuser Verzicht üben und dafür sorgen, dass die Boni für 2010 deutlich geringer ausfallen als für 2009.
Diskussion: Boni-Regen trotz schlechter Geschäfte
Die Pläne der britschen Regierung, die Boni-Zahlungen für Investment-Banker zu deckeln, sind vom Tisch. Was haltet ihr davon?
Jetzt heißt es aus Regierungskreisen, dass man die Banken zwar aufgefordert habe, verantwortlich zu handeln, konkrete Vorgaben für die Auszahlungen seien jedoch nicht sinnvoll. Stattdessen will Cameron die Banken zumindest verpflichten, mehr Kredite an Unternehmen zu vergeben. Bis Ende Januar werden die meisten Banker in der Londoner City erfahren, wie hoch ihr Bonus für 2010 ausfällt. Der Thinktank Centre for Economics and Business Research schätzt, dass die Geldhäuser rund sieben Milliarden Pfund ausschütten werden. Das wären lediglich fünf Prozent weniger als 2009, obwohl die Geschäfte in den vergangenen zwölf Monaten schlechter liefen. Analysten gehen davon aus, dass die Einnahmen im Investment-Banking 2010 um rund 15 Prozent gefallen sind. Als erste Großbank wird an diesem Freitag das Wall-Street-Haus JP Morgan zusammen mit dem Jahresergebnis offenlegen, wie hoch Boni und Gehälter ausfallen. Analysten gehen davon aus, dass sich die Ausschüttungen auf etwa zehn Milliarden Dollar summieren, das wären rund 390000 Dollar pro Angestellten.
Noch im Dezember hatte Premierminister Cameron die Londoner Banker gewarnt, dass ihnen höhere Steuern drohen, sollten sie weiter "ungerechtfertigt" hohe Boni zahlen. Camerons Vorgänger, der Labour-Premier Gordon Brown, hatte 2009 eine Sondersteuer verhängt, die dem Fiskus rund 3,5 Milliarden Pfund einbrachte. Allerdings hatte Brown versprochen, dass es sich um eine einmalige Aktion handele. Die neue konservativ-liberale Koalition ließ der Bonussteuer eine Bankenabgabe folgen, die aber nur 2,5 Milliarden Pfund im Jahr einbringen wird.
In den vergangenen Monaten hatte sich die britische Bankenlobby vehement gegen strengere Bonusregeln gewehrt. Einige große Institute wie Standard Chartered und HSBC drohten kaum verhohlen mit Abwanderung, sollten auf den Finanzplatz London weitere Belastungen zukommen. "Jetzt hat die Regierung erkannt, dass es keinen Sinn hat, die Gans, die goldene Eier legt, zu schlachten", meint Jason Kennedy, Chef der Londoner Personalberatung Kennedy Group. Experten gehen davon aus, dass rund vier Milliarden Pfund der erwarteten Ausschüttung von sieben Milliarden Pfund als Steuern zurück an den hochverschuldeten britischen Staat fließen werden. Auch wenn der Weg für milliardenschwere Bonuszahlungen jetzt frei ist, müssen sich die Banken aber an die deutlich schärferen Regeln halten, die die britische Finanzaufsicht FSA Ende 2010 beschlossen hat. Der neue Code sieht vor, dass der Baranteil der Boni auf zehn bis 20 Prozent der Gesamtsumme begrenzt wird. Außerdem müssen größere Institute 60 Prozent der Ausschüttung über mindestens drei Jahre strecken.
Trotz seines selbstbewussten Auftretens gelobte auch Barclays-Chef Diamond am Ende seiner Parlamentsanhörung Zurückhaltung bei den Boni: Das Geld werde "nicht leichtfertig gezahlt. Wir sind sensibel. Wir hören zu", versprach er. Der Frage, ob er persönlich auf seinen Bonus für 2010 verzichten werde, wich Diamond aber lieber aus.
Der Streit
Dilemma
Die britische Regierung steckt in der Zwickmühle. Auf der einen Seite würde der konservative Premier David Cameron gerne die Bonuszahlungen der Banken beschränken. Andererseits fürchtet er aber um die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes London.
Drohungen
Einige Großbanken wie der Marktführer HSBC haben bereits mit Abwanderung gedroht. Außerdem rechnen die Banken der Regierung vor, dass jedes zehnte Steuer-Pfund aus der Londoner City kommt.
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