Bildung

Unis brauchen ein Gütesiegel

Die deutschen Hochschulen müssen ihre Qualität beweisen. Das geht nur mit regelmäßigen Kontrollen.

Viele Milliarden fließen. Und es werden immer mehr. Geld ist offenbar genug da. Nein, an dieser Stelle ist nicht die Rede von Euro- oder Bankenrettung. Es geht um die Bildungsausgaben in Deutschland. Über 106 Milliarden Euro nahm der Staat 2011 dafür in die Hand, erfreuliche 25 Prozent mehr als noch vor sechs Jahren. Allein die Hochschulen gaben rund 40 Milliarden aus.

Aber was passiert mit dem Geld? Es kommt auf eine sinnvolle Mittelverwendung und ganz besonders auch auf bessere Leistungen an. Deshalb ging es bei den berühmten Bologna-Beschlüssen nicht nur um die vielfach diskutierten Bachelor- und Masterabschlüsse, sondern auch um eine bessere Qualität von Studienangeboten. Tolle Konzepte und straff geplante Studiengänge bringen auf dem Papier nichts, wenn faule Profs überholtes Wissen per Frontalunterricht instruieren. Moderne Hochschulen messen ihre Qualität ständig, üben interne Kritik und wollen sich laufend verbessern.

Was banal klingt, kommt im Bildungsbereich einer Revolution gleich. Bisher genehmigten sich Hochschulen ihre Studiengänge vor dem Start von externen Gutachtern. Anschließend konnte die Alma Mater mehr oder weniger tun und lassen, was sie wollte. Zwar überprüften Fachleute immer wieder mal Konzepte und Infrastruktur, aber eigentlich ging es zu wie mit der Tüv-Plakette am Auto. Klebt diese erst einmal am Nummernschild, hat man es später mit den dringenden Reparaturen und der Pflege nicht immer mehr ganz so eilig.

Mit der neuen "Systemakkreditierung" ist damit nun Schluss. Hinter diesem sperrigen Begriff versteckt sich ein genialer Schachzug der Politik, um den Hochschulen ein Qualitätsbewusstsein zu verordnen. Ziel ist eine permanente und ergebnisorientierte Beurteilung des Studienangebots durch ein eigenes, mehrstufiges Prüfungsverfahren. Systemakkreditierte Hochschulen weisen nach, dass sie über eine eigene Qualitätsmessung verfügen. In Arbeitsgruppen werten sie Ergebnisse aus und stoßen konkrete Verbesserungen an. Über den Stand der Dinge informieren regelmäßige Berichte. Nur so kann der Nachweis erbracht werden, dass die Fördermittel auch vernünftig eingesetzt werden.

In Deutschland sind mit der Fachhochschule Münster, der privaten FOM Hochschule und fünf weiteren Einrichtungen erst sieben von 415 Unis systemakkreditiert. Aber je mehr Hochschulen eine Systemakkreditierung erhalten, desto größer wird der Druck für die, die noch nicht über das neue Gütesiegel verfügen.

Der Autor ist Rektor der FOM Hochschule in Essen. Sie erreichen ihn unter: gastautor@handelsblatt.com.

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