von Claudia Obmann

Fortbildung

Bildungsferne Schicht

Deutsche Manager sind Lernmuffel. Doch das stimmt nur bedingt: An ausländischen Business Schools lassen sie sich eher selten blicken, dafür nehmen sie rege an firmeninternen Weiterbildungen teil.

Hätte ich diese Fortbildung nur schon eher gemacht, das hätte mir viel Lehrgeld erspart", gibt der Manager eines deutschen Industrieunternehmens zu, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Zumal er erst wenige Monate zuvor, als ihm die akademische Weiterbildung für Vorstände und Geschäftsführer vorgestellt worden war, getönt hatte: "Ihr Programm gefällt mir - wann soll ich meine Vorlesung halten?"

Die Anekdote zeigt, vor welcher Herausforderung die Anbieter akademischer Schulungen für Spitzenmanager, die sogenannte Executive Education an Business Schools, in Deutschland stehen: Deutsche Manager gelten bei den Weiterbildungsschmieden renommierter Universitäten als Bildungsmuffel. Sie haben das Image, schon alles zu wissen und selten Lust zu verspüren, noch mal die Schulbank zu drücken, um ein Zertifikat über Zusatz-Know-how zu erwerben. Maximal ein Wochenend-Seminar an einem Institut in der schönen Schweiz sind für Fortbildungszwecke drin.

Dazu passt, dass im Zehn-Jahresvergleich des Bundesinstituts für Berufliche Bildung die generelle Teilnehmerquote der Deutschen mit Hochschulabschluss an Weiterbildungsveranstaltungen von 48 Prozent in 1997 auf zuletzt 40 Prozent gesunken ist.

Und so wundert auch das Ergebnis von Marc Sachon, dem Programmdirektor der Iese Business School an der spanischen Universität von Navarra, nicht. Er hat die Herkunft seiner Teilnehmer analysiert. Sein Fazit: "Gegenüber den USA und Spanien besteht in Deutschland Handlungsbedarf. Bislang sind nur wenige deutsche Vorstände und Geschäftsführer ins Ausland gegangen, um international renommierte Weiterbildungs-Programme zu besuchen."

Während der Wirtschaftskrise ließ ihre Bereitschaft, nebenberuflich zu büffeln, offenbar noch einmal nach. Das bestätigt Josette de Goede, Executive Director der Rotterdam School of Management: "Die Deutschen nehmen weniger an Executive Education teil als andere Nationen." In der Krise hagelte es an der niederländischen Business School viele Absagen, "weil die Hauptakteure der Unternehmen unabkömmlich waren."

Während die universitäre Fortbildung bei amerikanischen Top-Führungskräften eine lange Tradition hat - so feiert die Managerschmiede Wharton 2011 ihr 130-jähriges Bestehen -, ist die Zahl deutscher Teilnehmer an akademischen Lehrgängen vergleichsweise gering.

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen existiert hierzulande -Krise hin oder her - ein riesiger privater Bildungsmarkt. Die 50 wichtigsten Schulungsanbieter für Führungskräfte, die sich im Wuppertaler Kreis zusammengeschlossen haben, erzielten 2009 mit rund 1,1 Mio. Teilnehmern einen Umsatz von über 1,2 Mrd. Euro.

Darüber hinaus investieren deutsche Firmen selbst stark in die Fortbildung ihrer Führungskräfte. Anders als in US-Unternehmen üblich, betreiben Schwergewichte wie Metro, Daimler, Siemens und SAP Firmenakademien. 2009 hat zum Beispiel Lufthansa rund 100 Mio. Euro in die Modernisierung ihres Bildungszentrums in Seeheim gesteckt. In der Weiterbildungsstätte sollen "Begegnung, Austausch und teilnehmeraktives Lernen ineinander übergehen", sagt Stefan Lauer. Der Lufthansa-Personalvorstand ist sich sicher: "Die Zukunft von Executive Education liegt vor allem in der Vernetzung der Manager."

Networking und Internationalität, das sind die beiden Trends, die sich weltweit manifestieren - ob nun an der Corporate University oder der Business School. Und fest steht auch: traditionelle Seminare im Vortragsstil treffen die Bedürfnisse von Menschen in verantwortlichen Positionen nicht.

Top-Manager brauchen vielmehr Gelegenheit, ihr Wissen für das globale Geschäft gezielt aufzufrischen und kritisch hinterfragen zu können. Dabei liefern Professoren neueste Erkenntnisse aus der Forschung und moderieren den Gedankenaustausch der Teilnehmer. Das erweitert den Blickwinkel.

Und um die individuellen Lücken eines Managers gezielt zu schließen, geht man in Deutschland auch noch einen anderen Weg: "Während das Geschäft mit offenen Seminaren rückläufig ist, hat die Nachfrage nach Coaching enorm zugenommen", sagt Carsten Löwe, Geschäftsführer des Wuppertaler Kreises. Diese Entwicklung beobachtet auch Marc Sachon von Iese. Der Grund: "Viele Top-Manager können im Kollegenkreis nicht um Rat fragen, da ihnen dies als Schwäche ausgelegt wird". Ein Sparringspartner von außen kann in solchen Fällen nützlicher sein als jede Schulung - ob nun mit akademischem Abschluss oder ohne.

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