Katharina Slodczyk, Rolf Benders, Holger Alich, Torsten Riecke, Christian Panster

Finanzbranche

Die Fastenzeit ist längst vorbei

Internationale Topbanker verdienen wieder prächtig - sowohl in den USA als auch in Europa.

Die Finanzkrise scheint abgehakt. Internationale Topbanker verdienen wieder prächtig - an der Wall Street, aber auch in Zürich oder London. "Die Geschäfte laufen besser, das wirkt sich natürlich auch auf die Gehälter in den Banken aus", sagt Rolf Tilmes, Professor an der European Business School (EBS). Bob Diamond, der neue Chef der britischen Großbank Barclays, hatte bereits vor Wochen angekündigt, dass die Zeit der Reue und der Entschuldigungen endgültig vorbei sei.
 
Inmitten der Finanzkrise hatten sich die Spitzenbanker einiges anhören müssen. Ihre Gier nach immer mehr Geld habe die Welt an den Rand des Ruins gebracht, schimpften Politiker seinerzeit. Manch Banker verzichtete in der Folge auf seine Boni.
 
Doch die Zeiten haben sich geändert, es wird nicht mehr gefastet - weder in Europa noch an der Wall Street. Barclays-Chef Diamond etwa verdiente im vergangenen Jahr 6,5 Millionen Pfund; umgerechnet in Euro waren es 7,8 Millionen (siehe: "Unter Großverdienern"). Der Großteil davon, insgesamt 6,25 Millionen Pfund, floss erfolgsabhängig, also in Form von Boni. Noch besser lief es für António Horta-Osório. Fast zehn Millionen Pfund kassierte der neue Lloyds-Chef allein an Boni.

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Auch Stephen Hester musste zuletzt nicht knausern. Hester ist Chef der Royal Bank of Scotland (RBS), jener Bank, die nur deshalb überlebte, weil die Regierung in London mit Milliarden Pfund zu Hilfe eilte. Während der Bankchef 2009 auf seinen Bonus verzichtete, hat sich das abgelaufene Geschäftsjahr für ihn gelohnt: Rund 4,5 Millionen Pfund bekam Hester in Aktien, dazu einen Bonus von zwei Millionen Pfund und das Grundgehalt in Höhe 1,2 Millionen Pfund. Unterm Strich kassierte der RBS-Chef 7,5 Millionen Pfund. Die Gewerkschaft Unite nannte das Salär Hesters eine "Sauerei". Auch Investoren und unabhängige Experten kritisieren die großzügigen Prämien.
 
Noch besser wurde an der New Yorker Wall Street verdient: Lloyd Blankfein, oberster Banker bei Goldman Sachs, oder JP-Morgan-Chef Jamie Dimon lagen 2010 mit ihrem Gehalt deutlich im zweistelligen Millionenbereich. Mit etwas weniger musste sich Josef Ackermann begnügen; der Chef der Deutschen Bank kam insgesamt auf neun Millionen Euro, inklusive einer sogenannten "hinausgeschobenen Barvergütung", einer zeitlich gestreckten Zahlung. Anshu Jain, der bei den Frankfurtern das Investment-Banking verantwortet, verdiente rund zwölf Millionen Euro.
 
Insgesamt liegen die Gehälter aber nach wie vor deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Lloyd Blankfein etwa hatte 2007 allein mehr als 68 Millionen Dollar kassiert. "Die Gehälterstruktur hat sich nach der Krise verändert", sagt Christine Kuhl von der Unternehmensberatung Odgers Berndtson. Bei 90 Prozent der Banken würden die Boni über mehrere Jahre verteilt beziehungsweise in Form von Aktienoptionen vergütet. Ganz schlimme Auswüchse seien derzeit nicht zu beobachten.
 
Zumindest nicht in der Schweiz. UBS-Chef Oswald Grübel hat zuletzt wegen der schwachen Aktienkursentwicklung auf seine Jahresprämie verzichtet und sich mit einem Grundgehalt von gut drei Millionen Franken begnügt. Bereits im Vorjahr wollte Grübel keinen Bonus haben. Insgesamt hat die UBS ihren Bonuspool um elf Prozent auf 4,25 Milliarden Franken gekürzt.
 
Auch Baudouin Prot, Chef der BNP Paribas, muss sich im Gegensatz zu den Topbankern in New York oder London für das Geschäftsjahr 2010 mit insgesamt 2,65 Millionen Euro zufriedengeben. Noch schlechter sieht es bei Martin Blessing aus. Weil Vater Staat der Commerzbank in der Krise mit Milliarden Euro helfen musste, darf der Bankchef nur 500.000 Euro verdienen.

 

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