von Regina Greck

DGB-Studie: Immer mehr Abiturienten arbeitslos

Mit Abi in die Arbeitslosigkeit

Dass gute Jobs auf dem Arbeitsmarkt hart umkämpft sind, ist nicht verwunderlich - schließlich suchen im Moment mehr als drei Millionen Arbeitslose nach einer Beschäftigung. Das Abitur galt bisher als beste Basis, um schnell einen Job zu finden. Doch eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) zeigt jetzt: Immer mehr Abiturienten bekommen einen Eintrag in der Arbeitslosenkartei.

 

Die Krise auf dem Arbeitsmarkt trifft Abiturienten besonders hart. Die Arbeitslosigkeit bei Menschen mit Fachhochschul- und Hochschulreife nahm innerhalb eines Jahres um fast 25 Prozent zu. Bei Hauptschulabsolventen (10,8 Prozent) und Menschen mit Mittlerer Reife (5,4 Prozent) zeigte sich ein weitaus geringerer Anstieg.

Raus aus dem Gymnasium, rein in die Arbeitslosigkeit?

Im August zählte die Studie des DGB insgesamt rund 480.000 Erwerbslose mit dem höchsten erreichbaren Schulabschluss. Das sind nur 30.000 Menschen weniger als bei den Arbeitslosen ohne Abschluss. In den alten Bundesländern sind 15,8 Prozent der Menschen mit Fachhochschul- oder Hochschulreife ohne Job, im Osten liegt diese Zahl bei 13,8 Prozent.

Hartz-IV-Empfänger mit Hochschulreife

Die Studie weist auch darauf hin, dass das Risiko der Verarmung bei Menschen mit Abitur durch ihre Langzeitarbeitslosigkeit angestiegen ist. Im August dieses Jahres bezogen knapp 14 Prozent mehr Menschen in dieser Bildungsschicht Hartz IV als vor einem Jahr. Bei Hauptschulabsolventen war hier nur ein leichter Anstieg von 1,4 Prozent zu verzeichnen. Bei Menschen ohne Abschluss nahm die Hartz-IV-Empfänger-Quote um 1,6 Prozent zu.

Panikmache mit Prozentzahlen?

Die DGB-Studie erntete von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) Kritik. Die prozentualen Angaben würden die Ergebnisse in zu negatives Licht rücken, so die vbw. Die absoluten Zahlen zeigen: Insgesamt seien rund 1,8 Millionen Hauptschulabsolventen und Menschen ohne Schulabschluss arbeitslos oder empfangen Hartz IV. Die Zahl der Abiturienten ohne Job liege hingegen nur bei rund 0,45 Millionen. Ein größerer prozentualer Anstieg der arbeitslosen Höherqualifizierten sei demnach in absoluten Zahlen nicht so dramatisch, wie die DGB-Studie dies darstelle.

DBG Ergebnisse versus HIS- und OECD-Studien

Dass hochqualifizierte Menschen immer häufiger arbeitslos werden, steht allerdings im Kontrast zu bisherigen Studien, die den Zusammenhang zwischen Bildungsgrad und Arbeitslosigkeit beleuchtet haben. Eine Untersuchung des Hochschul-Informations-Systems (HIS) im Auftrag des Bildungsministeriums im Jahr 2008 belegte, dass unter Akademikern in Deutschland zehn Jahre nach ihrem Abschluss Vollbeschäftigung herrscht. Dass ein Hochschulabschluss das Risiko der Arbeitslosigkeit verringert, bestätigten im September dieses Jahres auch die Zahlen einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die Studie untersuchte den Stand und die Trends der Bildung in den 30 Ländern des OECD-Raums.

 

 

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