Barbara Gillmann

Bildungsvergleich

Sachsen und Thüringen sind Vorreiter bei der Bildung

Der "Pisa-Schock" wirkt: Die von Kanzlerin Merkel ausgerufene "Bildungsrepublik" nimmt langsam Gestalt an.

Sachsen und Thüringen haben heute das beste Bildungssystem der Republik - gefolgt von Baden-Württemberg. Das ergab der achte Bildungsmonitor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) auf der Basis von 111 Einzelindikatoren. Der frühere Spitzenreiter Bayern ist auf Platz vier abgerutscht und führt das Mittelfeld an. Das Schlusslicht bildet Berlin.
 
Die beiden Ostländer seien nicht nur die "Kaderschmieden" für Naturwissenschaftler und Ingenieure, sagte Axel Plünnecke vom IW. Sie bieten - trotz Defiziten in den Fremdsprachen - die höchste Schulqualität und hätten in der Infrastruktur die besten Voraussetzungen für eine frühe und individuelle Förderung der Kinder geschaffen.

Insgesamt jedoch hätten alle Länder seit 2004, als der erste von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) in Auftrag gegebene Monitor erschien, einen Sprung nach vorn gemacht, sagte Plünnecke. So wäre Berlin, mit seinem 2011 erreichten Punktwert, vor acht Jahren noch Spitzenreiter gewesen.

Zum Vergrößern klicken
 
Gleichwohl "kann die Politik keineswegs die Hände in den Schoß legen", mahnte INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr. Um die Chancen des Einzelnen und die Versorgung der Wirtschaft mit Fachkräften zu sichern, müssten die Bildungsarmut weiter sinken, die Chancengerechtigkeit steigen und vor allem die Migranten besser gefördert werden.

Wirtschaft erwartet mehr
Große Einsparungen lassen sich nach IW-Rechnung unter anderem durch eine niedrigere Frühverrentungsquote bei Lehrern erzielen. Um zudem künftig die Besten für den Beruf zu gewinnen, sei eine leistungsgerechte Bezahlung der Pädagogen unverzichtbar. Auch Extrazuschläge für knappe Naturwissenschaftler dürften kein Tabu sein.
 
Der Bildungsmonitor bewertet die Bildungssysteme anhand von 111 Einzelindikatoren: Sie reichen von Ausgaben pro Kind und Student über die Priorität im Landeshaushalt und eine gleichmäßige Versorgung mit Lehrern bis zum Angebot von Kitas und Ganztagsschulen. Dazu kommen Ergebnisse der Berufsbildung, die Akademikerquote oder das Gewicht der Fächer Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.
 
Dass der Schock der Pisa-Studie, die dem deutschen Bildungssystem zahlreiche Mängel bescheinigt hatte, wirkt, zeigt sich auf diversen Feldern: So ist nicht nur das Angebot an Kita-Plätzen gewachsen. Auch die Qualifikation der Erzieherinnen hat sich verbessert - es gibt weit weniger Minderqualifizierte und etwas mehr Akademikerinnen. An den Grundschulen kommen heute knapp 18 Schüler auf einen Lehrer, 2000 waren es noch fast 21.
 
Mittlerweile besucht auch ein gutes Fünftel der Grundschüler eine Ganztagsschule. Hier ist die Spanne allerdings gewaltig und reicht von gut 70 Prozent in Sachsen, Thüringen und Berlin bis zu mageren fünf Prozent in Bayern. All diese Indikatoren gelten als essenziell, um Kinder möglichst früh zu fördern, Defizite gar nicht erst entstehen zu lassen.
 
Der Anteil der Schulabbrecher ist bundesweit von gut neun auf 6,5 Prozent gesunken. Lediglich Nordrhein-Westfalen stagniert hier, wenn auch auf niedrigem Niveau. Auch die Integration ist vorangekommen: Der Anteil der ausländischen Schulabgänger ohne Abschluss ist von 15 auf 13,8 Prozent gesunken. Zugleich schaffen mehr Ausländer das Abitur. Zahlen für Migranten mit deutschem Pass gibt es nicht.

Budgets konstant halten
In der Beruflichen Bildung liegt die Durchfallquote bei der Gesellenprüfung in der Hälfte aller Länder unter zehn Prozent - im Jahr 2000 schaffte das nur ein Bundesland. Weit wichtiger ist das Berufsschulsystem auch als Sprungbrett in die Hochschulen geworden: Heute machen knapp 18 Prozent eines Jahrgangs das Abitur auf einer beruflichen Schule - 2000 waren es elf Prozent.
 
Weitere Fortschritte kosten nicht zwingend mehr Geld, sagte Pellengahr. Zwar seien für Kitas und Grundschüler größere Summen nötig. Wegen des Schülerrückgangs reiche es aber meist, die Gesamtbudgets konstant zu halten.

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.


Kommentar schreiben

Sicherheitstext eingeben:*

* Pflichtfelder