Beratung
Guter Rat allein reicht nicht
Die Berater schauen zuversichtlich in die Zukunft. Doch die Branche muss sich auf volatile Märkte und Personalengpässe einstellen.
Eine Scheu vor Veränderungen kann man Klaus-Peter Gushurst nicht ankreiden. Der Mann hat in New York, Tokio, Wien und Stockholm gearbeitet. Jetzt führt er die Geschäfte von Booz & Company in Deutschland. Künftig muss er auch seine eigene Firma auf Veränderungen einstellen - denn auf die Branche kommen neue Herausforderungen zu. "Die Beratung an sich muss und wird sich ändern", sagt Gushurst. "Allein Know-how zu vermitteln, wird immer weniger ausreichen. Ziel muss es sein, auch die Fähigkeiten in den Unternehmen unserer Klienten weiterzuentwickeln."
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Der Optimismus überwiegt
Die Beratungslandschaft steht vor einem Umbruch - der gute Rat allein reicht nicht mehr aus. Fragt man die Branchenvertreter, wie die Geschäfte im Jahr 2020 laufen werden, so überwiegt zwar der Optimismus. Dennoch gehen viele von einer Marktkonsolidierung aus - bei der diejenigen die Federn streichen müssen, die sich nicht an die veränderten Bedingungen anpassen. Umsetzungskompetenz wird dabei unabdingbar - das glaubt auch Rolf-Magnus Weddigen, Geschäftsführer bei Bain & Company: "Kunden werden in Zukunft nur noch Beratungsprojekte kaufen, wenn die Maßnahmen auch in der Praxis umgesetzt werden."
Ein Trend, der seit dem Beginn der Finanzkrise vor drei Jahren zu beobachten ist: "Die Krise hat gezeigt, dass Strategie-, Organisations- und Prozessberater Umsatzrückgänge zu verzeichnen hatten, während sich Anbieter mit Umsetzungs- und Implementierungsschwerpunkt besser schlugen und sogar in der Krise noch wuchsen", sagt Markus Bereiter, Pressechef von Barkawi Management Consultants.
Mehr erfolgsabhängige Honorare
Die Berater drängen dabei zunehmend in Bereiche, in denen die Kunden auch den Erfolg messen könnten. Das hat Konsequenzen für die Honorare: Künftig werde die erfolgsabhängige Bezahlung von Topmanagement-Beratungen gängige Praxis sein, sagt Weddigen. Nicht nur aus Motivationsgründen, sondern weil diese Vergütungsart auch beide Seiten diszipliniere. Gleichzeitig kann der Berater auf die vereinbarten Kennzahlen verweisen. Das sorgt für Transparenz und steigert die Zufriedenheit der Kunden.
Einigkeit herrscht darüber, dass Märkte volatiler werden. Darüber hinaus zwinge die Verlagerung des Wachstums in Schwellenländer Unternehmen, ihre Wertschöpfungs- und Regionalstrategien neu auszurichten, sagt Weddigen: "Diese Unsicherheiten erschweren die Planung und erfordern ein neues strategisches Denken und Handeln in Szenarien."
Nicht jeder wird mit den neuen Anforderungen Schritt halten können. "Teile der Beratungsbranche werden sich neu ordnen. Dabei sind Zusammenschlüsse und Aufkäufe denkbar", sagt Christian Veith, Deutschlandchef der Boston Consulting Group (BCG). Manche Strategieberater könnten von der Bildfläche verschwinden.
Der Markt wird sich teilen - so die Prognose von Barkawi: Einerseits werden große Generalisten mit mehr als einer Milliarde Euro Umsatz im Jahr in der globalisierten Wirtschaft wachsen können, weil nur sie die Themen von Weltkonzernen bewältigen könnten. Andererseits steige die Zahl an Ein- oder Zwei-Mann-Beratungen. "Das spiegelt die atomisierte Struktur des Marktes wider: eine starke Spitze und viele Kleinanbieter", sagt Barkawi-Sprecher Bereiter.
Bei den Einzelkämpfern handele es sich oft um Ex-Manager von Industrieunternehmen mit einem hohen Fachwissen. "Die etablierten Beratungsfirmen müssen darauf eine Antwort finden. Diese Consultants sind häufig hervorragend in ihren ehemaligen Betrieben vernetzt, verfügen über spezifisches Know-how und stellen in Masse durchaus eine Konkurrenz dar, insbesondere für mittelgroße Beratungsunternehmen oder Interim-Management-Anbieter", sagt Bereiter.
Zunehmen würden Projekte, die Unternehmen helfen, ihre Kostensituation zu verbessern oder ihre Abläufe zu straffen. "Zudem wird das Thema Nachhaltigkeit in allen Facetten auf der Agenda erscheinen", sagt Bereiter. "Strategische Themen hingegen werden zwar wichtig bleiben, aber kein entscheidender Wachstumsmotor mehr sein."
Mehr Kunden aus der Finanzbranche
Neue Aufträge können die Berater von Banken und Versicherungen erwarten. "Die strategischen Weichenstellungen haben in dieser Branche gerade erst begonnen", sagt Experte Weddigen. "Hinzu kommen Regulierungsverschärfungen durch Basel III und Solvency II." Ein zweiter Schwerpunkt werde die Pharma- und Gesundheitsbranche sein, da dort strukturelle Änderungen anstünden.
Gute Zeiten sieht Peter Herrendorf, Geschäftsführer von Odgers Berndtson, auch für internationale Personalberatungen anbrechen - nicht zuletzt wegen des sich verschärfenden Fachkräftemangels: "Führungspositionen werden heute global besetzt. Wir besetzen Schreibtische in Deutschland zunehmend auch mit ausländischen Kandidaten."
Dabei sieht BCG-Deutschlandchef Veith gelassen auf die Nachwuchsfrage in der eigenen Branche: "Angesichts der fortschreitenden Globalisierung wird sich auch der Pool hochqualifizierter Kandidaten weiter internationalisieren", sagt er.
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