Berater und Wirtschaftsprüfer
Der Kampf ums Revier
Der Beratungs- und Wirtschaftsprüfermarkt teilt sich. Neben Konzernen behaupten sich kleinere Unternehmen mit Branchenexpertise.
Wer seine Karriere in Richtung Unternehmensberatung oder Wirtschaftsprüfung lenken möchte, hat jetzt gute Wechselchancen. Zum einen weil die Dienste dieser Berufsgruppen dank guter Konjunktur wieder vermehrt nachgefragt werden und sie Verstärkung suchen. Zum anderen weil sich beide Branchen strukturell verändern, wovon gerade Akademiker mit Berufserfahrung profitieren.
Wie gut sich die Beratungsunternehmen von der Finanzkrise erholt haben, zeigt die jüngste Marktstudie des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU). Demnach konnten die Beratungsunternehmen ihren Umsatz 2010 um 6,9 Prozent auf 18,9 Milliarden Euro steigern und damit den Einbruch aus 2009 mehr als wettmachen.
BCG beispielsweise, in Deutschland die Nummer zwei hinter McKinsey, steigerte sich in Deutschland und Österreich um sechs Prozent. Der Umsatz von Bain & Company ist im gleichen Zeitraum "sogar zweistellig gewachsen", sagt Deutschland-Chef Rolf-Magnus Weddigen.
Sein Pendant bei Booz & Company, Klaus-Peter Gushurst, hat sein eigenes Geschäftsklima-Barometer: "Wenn ich morgens ins Büroparkhaus fahre und unsere Parkplätze leer sind, weiß ich, dass wir voll ausgelastet sind." Momentan, so Gushurst, liege der Umsatz 15 Prozent über dem des Vorjahrs.
Firmen suchen gezielte Beratung
Auslöser des Branchenwachstums, so BDU-Präsident Antonio Schnieder, sei besonders die Nachfrage der Schlüsselindustrien wie Maschinenbau, Chemie oder Automobil, die wieder gezielte Beratung in Strategie und Markterschließung suchten. Profitieren können davon sowohl die großen Beratungskonzerne als auch die kleinen Spezialisten - wenn sie ihr Geschäftsmodell fokussieren.
Perspektive Unternehmensberatung
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Denn der Wettbewerb der Firmen untereinander wächst. Rund 14.000 Unternehmensberatungen buhlen in Deutschland um Kunden, die immer anspruchsvoller werden und oft keine exorbitanten Tagessätze mehr zahlen wollen.
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Unter diesen Umständen wird es nach Ansicht von Schnieder zu einer Zweiteilung des Marktes kommen: "Schwergewichte wie McKinsey, BCG oder Roland Berger wollen und müssen weiter wachsen, um ihre Internationalität auszubauen und Beratung auf allen Gebieten anzubieten."
Und da ein ständig wachsender Beratungsapparat viel Geld verschlinge, werde es in absehbarer Zeit vermutlich auch zu Fusionen oder Übernahmen unter den größten Zehn der Branche kommen, um Kosten zu sparen. Die zweite wesentliche Gruppe, die eine solche Konsolidierung des Marktes hervorbrächte, sind kleinere mittelständische Unternehmensberatungen, die sich konsequent auf einzelne Branchen oder Beratungsfelder konzentrieren und sich auf ihrem Gebiet einen Expertise-Vorsprung gegenüber den Vollsortimentern erarbeiten.
"Extrem tiefgehendes Fachwissen von Spezialisten wird in Zukunft begehrter sein als allgemeine Strategieberatung", sagt zum Beispiel Wolfgang Habelt, Professor für Europäisches Management, Unternehmensorganisation und Führung an der Munich University of Applied Sciences. Habelt leitet den Master-Studiengang European Business Consulting, den angehende Unternehmensberater belegen.
In der Spezialisierung sieht auch Carsten Suntrop, der selbst Gesellschafter einer Unternehmensberatung sowie Professor für Unternehmensentwicklung und Organisationsperformance an der Europäischen Fachhochschule Brühl ist, die Chance für kleine Firmen: "Methoden-Know-how, die Sozial- und die Branchenkompetenz der schlagkräftigen Spezialisten sind so ausgeprägt, dass sie auch für Großunternehmen, die sonst eher auf die renommierten Namen der Branche setzen, eine echte Alternative sein können."
Kleine und mittelständische Klienten wenden sich nach Suntrops Erfahrung im Zweifelsfall ohnehin an kleinere, spezialisierte Firmen - Klient und Berater begegnen einander dort auf Augenhöhe.
Stellenwechslern spielen beide Tendenzen in die Karten, sowohl die Spezialisierung der Kleinen als auch das Erweiterungsstreben der Großen. Bei Booz beispielswiese ist die Rekrutierungsrate von Nachwuchsberatern mit Branchenerfahrung deutlich gestiegen: "Früher kamen von unseren neu eingestellten Beratern nur etwa zehn Prozent aus der Industrie", sagt Klaus-Peter Gushurst, "im vergangenen Jahr dagegen waren es 45 Prozent."
Ein Grund für diese Verschiebung ist der starke allgemeine Druck auf die Beraterhonorare. "Klienten sind viel eher bereit, einen hohen Tagessatz zu bezahlen, wenn sie von einem Experten mit Industrie-Erfahrung beraten werden." Noch wichtiger aber ist der gestiegene Anspruch der Kunden. "Auf Projektleiterebene ist kein Klient mehr bereit, einen Berater ohne Erfahrung und Expertise in der Branche zu akzeptieren", sagt Gushurst.
Wer so geschätzt wird, muss im neuen Job in der Branche natürlich auch nicht mehr ganz unten auf der Karriereleiter anfangen. Wer als Quereinsteiger beispielsweise zu Booz kommt, beginnt als Associate oder Senior Associate, also auf der zweiten oder dritten Hierarchiestufe des Unternehmens, je nach Routine in Sachen Projektleitung.
Auch bei McKinsey und Bain steigen junge Talente mit relevanter Berufserfahrung mindestens auf der dritten Stufe ein; bei McKinsey heißt die entsprechende Position Associate, bei Bain Consultant.
Aber nicht nur die umsatzstärksten Unternehmensberatungen setzen zunehmend auf Erfahrung. Die kleineren, spezialisierten Unternehmensberatungen, die laut Antonio Schnieder das am stärksten wachsende Segment der Branche sind, bevorzugen ohnehin Nachwuchs mit Vorkenntnissen, weil sie nicht so viel Zeit und Geld in deren Ausbildung investieren wollen.
Und weil sie vor allem Mittelständler beraten, die Wert auf praktische, anwendungsorientierte Hilfe legen und mit einem Consultant, der im Idealfall selbst aus dem Mittelstand ins Beratungsgeschäft gewechselt ist, eher zurechtkommen. Auch Kommunikationsstil oder Auftreten spielen in einer engen Klienten-Berater-Beziehung eine große Rolle.
International oder nah am Kunden?
Dasselbe gilt für die Branche der Wirtschaftsprüfung: Mandant und Prüfer sollten zueinander passen. Das bedeutet für junge Stellenwechsler, dass sie sich klar darüber sein müssen, was sie von einem Job in der Wirtschaftsprüfung erwarten. Internationalität und die Arbeit mit Dax-Unternehmen bei einem Prüfkonzern mit 8.000 Kollegen? Oder direkten Umgang mit den Klienten, überschaubare Strukturen und die Möglichkeit, früh eine Menge Verantwortung in einem kleineren Unternehmen der Branche zu schultern?
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Die Karrierechancen sind in beiden Fällen gut, denn die Wirtschaftsprüfungsbranche insgesamt befindet sich im Aufwind. Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) rechnet mit steigenden Umsätzen. Zwar rekrutieren die Unternehmen ihren Nachwuchs in erster Linie direkt von der Uni - aber auch Quereinsteiger haben gute Aussichten. Besonders solche, die ihr Wirtschaftsprüfer-Examen bereits abgelegt haben.
Sie können punkten, wenn sie sich in einer Branche besonders auskennen. Gefragt sind auch Wirtschaftswissenschaftler, Juristen und Mathematiker mit Kenntnissen in Steuern und Finanzen, die als Prüfassistent einsteigen und bereit sind, sich parallel auf das anspruchsvolle Examen vorzubereiten - keine leichte Aufgabe, bei der die Kandidaten aber oft von ihren Arbeitgebern finanziell und durch Freistellungen unterstützt werden.
Beherrschende Akteure auf dem Markt sind PwC, KPMG, Ernst & Young und Deloitte, zumindest was die Prüfung der Dax-Unternehmen angeht. Dabei ist das Quartett beinahe unter sich. Allerdings gab es 2010 laut Wirtschaftsprüferkammer in Deutschland insgesamt 2.540 Wirtschaftsprüfungsunternehmen, in denen 13.619 Wirtschaftsprüfer arbeiteten.
Und für den Nachwuchs können gerade kleinere Unternehmen interessant sein, weil sich der Markt dort momentan am stärksten verändert: Der Wettbewerb um Mandate ist groß. Und die Devise im Mittelstand heißt Wachstum, nicht zuletzt durch Fusionen. So haben sich erst Susat und RöverBrönner zusammengetan, zwei der führenden mittelständischen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften.
Gemeinsam kommen sie auf einen Umsatz von rund 75 Millionen Euro. "Das ist die kritische Masse, die nötig ist, um als mittelständischer Wirtschaftsprüfer landesweit Dienste anbieten zu können", sagt Hendrik Jung, Partner bei Susat. "Bis vor kurzem galten 50 Millionen als Untergrenze." Durch die Fusion wuchs die Zahl der Mitarbeiter auf 700, aber damit wird wohl noch nicht Schluss sein. So sind neue Standorte im süddeutschen Raum möglich. Bisher plant RBS, so der neue Firmenname, bis zu 50 weitere Mitarbeiter jährlich einzustellen.
"Das können auch Young Professionals sein", sagt Jung, "etwa für die Betreuung eines neuen Geschäftsbereichs oder einer neuen Branche, wo jemand mit Erfahrung wichtig ist. Beispielsweise in der Finanzbranche. Dort ist der Bewerbermarkt sehr eng."
Da RBS in erster Linie Mittelständler und Familienunternehmen aus den Bereichen Immobilien, Banken, Versicherungen, Gesundheitswesen und Handel als Mandanten betreut, haben Einsteiger gute Chancen, die sich in den entsprechenden Sparten gut auskennen und eventuell eine Affinität zu familiär geführten Unternehmen haben.
RBS steht für einen Trend in der Wirtschaftsprüfungsbranche, der mit Entwicklungen in der Beratung vergleichbar ist: Mittelständische Firmen versuchen den Platzhirschen durch gezieltes Wachstum und die Konzentration auf wenige Sparten Paroli zu bieten. Was Quereinsteiger bei diesen Arbeitgebern erwarten können, sind flachere Hierarchien, selten das große Geld, dafür aber mehr Verantwortung.
Was vor allem die großen Branchenvertreter bieten, sind die internationale Ausrichtung und die Chance für den Prüfer-Nachwuchs, von Anfang an bei den wichtigsten Unternehmen am Konferenztisch zu sitzen. Und: Die Geschäftsbereiche der Großen umfassen neben der Prüfung auch Beratung auf allen Gebieten der Unternehmensführung - daher sind sie besonders offen für Kandidaten unterschiedlichster Fachrichtungen; PWC beispielsweise beschäftigt auch Ärzte mit Zusatzqualifikationen im Finanzbereich, die Unternehmen der Medizintechnik beraten.
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