BAföG
Forscher wollen BAföG zum modernen Anreizsystem umbauen
Studie des Centrums für Hochschulentwicklung fordert Strukturreform - Gezielte Anwerbung von Frauen in Ingenieurfächern und Migranten.
Der Bund muss die versprochene BAföG-Erhöhung nutzen, um die Förderung der Studenten zu einem modernen Anreizsystem umzubauen. Das fordert das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Das verwirrende und abschreckende Nebeneinander von Zuschüssen und Darlehen sollte in ein transparentes Fördersystem aus einem Guss münden, heißt es in einem Konzept des Think-Tanks von Hochschulrektorenkonferenz und Bertelsmann Stiftung, das dem Handelsblatt vorliegt.
"Es geht um strukturelle Reformen, nicht nur um mehr Geld", sagte Ulrich Müller, einer der Autoren. "Bisher ist das BAföG wie ein Flugzeug, das nur auf der Autobahn fährt, statt abzuheben - ein sehr wirkungsvolles Instrument, dessen Potenzial nicht annähernd genutzt wird". Mit einem neuen BAföG, wie es das CHE vorschlägt, "könne man auch - je nach politischer Zielrichtung - gezielt unterrepräsentierte Gruppen wie etwa Studienberechtigte mit Migrationshintergrund, Frauen in ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen oder Studenten aus armen Elternhäusern zum Studium motivieren."
BAföG auch für Ältere und Teilzeitstudenten
Derzeit erhalten rund 330.000 Studenten Hilfe nach dem "Bundesausbildungsförderungsgesetz" (BAföG). Dabei handelt es sich um durchschnittlich 375 Euro im Monat, maximal 648 Euro. Die Förderung wird je zur Hälfte als Zuschuss und als Darlehen gezahlt. Die Kosten von jährlich anderthalb Milliarden Euro teilen sich Bund und Länder.
Basis für ein BAföG nach dem CHE-Modell wäre ein Zuschuss für alle, der etwas oberhalb des Kindergeldes liegen müsste, plus weitere Zuschüsse - je nachdem für welche Gruppe ein Anreiz gesetzt werden soll. Indirekte Förderung wie Kindergeld und Freibeträge beim Elterneinkommen sollen im Gegenzug wegfallen. Eine Aufstockung oder Verlängerung der BAföG-Zahlungen soll über Darlehen möglich sein.
Bisher deckt das BAföG den individuellen Bedarf des Standardstudenten ab. Künftig müsse es der neuen Vielfalt gerecht werden; "So muss endlich das Teilzeitstudium berücksichtigt werden, das rund ein Viertel der Studierenden de facto heute schon betreiben, das im BAföG aber nicht vorgesehen ist", sagt Müller.
Daneben gehe es vor allem um Leute, die nach einer Berufsausbildung noch studieren wollen. Diese Gruppe der "beruflich Qualifizierten" ohne Abitur soll nach dem Willen von Politik und Wirtschaft künftig massiv wachsen, um den künftigen Akademikerbedarf zu decken.
Schließlich müsste die Förderung auch für Menschen geöffnet werden, die nach einem Bachelor-Abschluss zunächst in den Beruf gehen, später aber ein Masterstudium draufsatteln wollen. "Dazu muss die aktuelle BAföG-Altersgrenze von 30 Jahren weit nach hinten verschoben werden - am besten gleich auf 45 Jahre." Nur so könne das politische Ziel des lebenslangen Lernens auch in Deutschland erreicht werden.
Parallel dazu will das CHE die abschreckende Vielfalt der Förderinstrumente unter dem Dach des BAföGs kombinieren. "Denn nur wenn jemand sicher sein kann, dass er das Studium finanzieren kann, reift der Studienwunsch eher auch zur Realität", meint Müller. Heutige Studenten beziehen im Zweifel gleichzeitig BAföG, einen Kredit des Bundeslandes zur Abdeckung der neuen Studiengebühren und - falls die BAföG-Förderung nicht ausreicht oder ausläuft- noch einen Studentenkredit der KfW.
Verwirrendes Nebeneinander von diversen Hilfen bündeln
"Wenn sie an eine Uni in einem anderen Land wechseln, kommt womöglich ein vierter Kredit hinzu, weil die Gebührenländer jeweils eigene Darlehen vergeben - da blickt keiner mehr durch", kritisiert Müller. Dazu kommt: Alle Darlehen müssen in der Regel ab einem bestimmten Einkommen zurückgezahlt werden. "Diese unglückliche Parallelität ist aber in der Kalkulation der einzelnen Darlehen nicht berücksichtigt". Die Minimalforderung des CHE ist daher, dass der Staat seine Förderung bündelt. "Der Idealfall wäre ein Bildungsbudget, das jeder abrufen kann, in welchen Teilbeträgen und über welchen Zeitraum auch immer."
YOUNG GLOBAL LEADERS
Das Weltwirtschaftsforum nimmt jedes Jahr 200 bis 300 junge Führungskräfte in den Kreis des Netzwerks Young Global Leaders auf. Sie vertreten alle Regionen der Welt und sind außergewöhnliche Menschen aus Wirtschaft, Politik, Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Kunst und Kultur, von denen das Forum glaubt, dass sie die Zukunft entscheidend mitprägen.
Die Mitglieder müssen zum Zeitpunkt der Nomininierung jünger als 40 Jahre sein. Jedes Jahr sind auch einige Deutsche dabei, 2009 unter anderem die Schwimmerin und Paralympics-Siegerin Claudia Hengst, Rennfahrer Michael Schumacher, Bundesminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der Präsident der European Business School Christopher Jahns sowie Bertelsmann-Manager Immanuel Hermreck.
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