Azubis dringend gesucht
Firmen schicken Azubis zur Nachhilfe
Vor einigen Jahren war das Verhältnis noch umgekehrt, zu viele Bewerber drängten auf zu wenige Lehrstellen. Heuer gibt es so viele Ausbildungsplätze wie schon lange nicht mehr. Die Qualität der Bewerber lässt zudem immer stärker nach. So müssen viele Betriebe ihre Azubis erst mal zur Nachhilfe schicken.
Eigentlich sollten diese Zahlen für Freude sorgen: In der Bundesrepublik sind noch tausende Lehrstellen frei. Laut Handelsblatt ist im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Ausbildungsplätze in den alten Bundesländern gestiegen, in Ostdeutschland nur minimal zurückgegangen. 14.400 neue Ausbildungsbetriebe hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) in diesem Jahr zu vermelden. Doch der Jubel ist verhalten. Denn wo vorher zu viele Bewerber waren, gibt es jetzt zu wenige.
Schlampige Bewerbungen
Viele Unternehmen beklagen den Mangel an qualifizierten Bewerbern. Schlampige Lebensläufe und fehlerhafte Anschreiben machen nicht gerade Lust, den Betreffenden zum Vorstellungsgespräch einzuladen. Dabei können sich die jungen Leute an mehreren Stellen Hilfe für die Bewerbung holen, so zum Beispiel bei der Bundesagentur für Arbeit (BAA) oder der IHK. Ein weiteres Problem stelle sich auf Seiten der Bewerber, so Erik Benkendorf von der BAA gegenüber der Süddeutschen Zeitung: Viele Jugendliche seien zu fixiert auf einen Berufswunsch. Damit wird die Chance auf einen Ausbildungsvertrag noch geringer.
Es hapert an den Grundlagen
Doch auch die, die es bis ins Vorstellungsgespräch ihres Wunschbetriebes schaffen, überzeugen oft nicht. So beobachten viele Personalchefs erhebliche Mängel in der Allgemeinbildung einiger Bewerber. Und es sind nicht nur einfache Bruchrechnungen und Grammatik, in denen sich Lücken zeigen. Auch an sozialer Kompetenz und Disziplin fehle es so manchem Bewerber, so der Deutsche Industrie- und Handelskammertag.
Nachsitzen im Trend
Um die Mängel zu beheben, schicken viele Unternehmen ihre Azubis einfach zurück auf die Schulbank. Das heißt in der Regel: interne Schulung oder externe Nachhilfe-Gruppe. "Der Trend zur Nachhilfe hat sich verstärkt", so Matthias Ick, Geschäftsführer des Nachhilfe-Portals Tutoria. In den kaufmännischen Ausbildungen sei vorwiegend Mathematik gefragt, im Handwerk eher Deutschkenntnisse. Mit diesem Modell könnten die Unternehmen zumindest einen gewissen Anteil an Auszubildenden trotz Lernlücken unterbringen. Damit auch der Rest der freien Lehrstellen nicht unbesetzt bleibt, heißt es für Bewerber wie Betriebe: Erwartungen ein bisschen anpassen.
