von Christoph Trübenbach

Abiturnote und Bundesland

Knie nieder - Ich habe Abi in ...

Abiturienten in Baden-Württemberg sind besser in Mathe als die in Hamburg. An den Noten sieht man das nicht, zeigt eine Studie. Umso mehr aber in Leistungs- tests bei der Zulassung zu Studiengängen. Das ist ungerecht.

 

Heiße Diskussion in der Community:
Muss man vor den Bayern niederknien? Oder lernen die nur besser auswendig? Trifft die Studie ins Pechschwarze? Oder vergleichen die Forscher Äpfel mit Mandarinen? Was meinst du?

Die Hörsäle sind geräumt, der Rauch der letzten Bologna-Schlacht hat sich verzogen: Höchste Zeit für die nächste Bildungsdebatte. Es geht mal wieder um die Leistungen der Abiturienten - und die krassen Unterschiede zwischen den Bundesländern.

 

Baden-Württemberger: "Besser" als die Hamburger?

Ein alter Schlapphut, auf den ersten Blick. Denn schon 2007 hatten die Baden-Württemberger gegenüber den Hamburgern die Nase vorn. Im standardisierten Mathetest lagen die Nordlichter ein bis zwei Schuljahre hinter den Mädels und Jungs aus dem Ländle - und das bei vergleichbarer familiärer Herkunft und Begabung. Damals schien klar: Hamburger Gymnasien haben ein Problem mit der Qualität. Zumindest in Mathe, denn andere Fächer wie Englisch beherrschten alle mehr oder weniger gleich gut.

Gleiche Noten für alle

Was hat das mit den Abiturnoten zu tun? Und welche Konsequenzen drohen für die Zulassung zu Studienfächern? Forscher sind dieser Frage jetzt nachgegangen und haben ihre Ergebnisse in der FAZ veröffentlicht. Und die haben es in sich: Offenbar unterscheiden sich nicht nur die Leistungen der Abiturienten, sondern auch deren Bewertung. Für die gleiche Note im Grundkurs oder Leistungskurs Mathe mussten sich Abiturienten in Hamburg nämlich weniger ins Zeug legen als die in Baden-Württemberg: Auf der Punkteskala von 0 bis 15 stehen im Norden für die gleiche Leistung rund 1,5 Punkte mehr im Zeugnis. Das liegt am Referenzgruppeneffekt, sagen die Forscher. Der sorgt dafür, dass Lehrer sich nicht an absoluten Standards, sondern den relativen Leistungen der Mitschüler orientieren.

Wer darf an die Uni?

Das ist doch nur fair, mag der Pädagoge an dieser Stelle einwenden. Schließlich beeinflusst die Motivation im Kurs oder in der Klasse die Leistungen der ganzen Gruppe. Trotzdem ungerecht, entgegnen die Autoren der Studie. Denn immer mehr Hochschulen setzen bei der Auswahl ihrer Bewerber fachspezifische Leistungstests ein. Spätestens hier fällt der Schwindel auf. Ein hypothetisches Szenario zeigt warum: Die besten Hamburger und die besten Baden-Württemberger bewerben sich für Ingenieurwissenschaften bei einer fiktiven Hochschule. Wer wird zugelassen? Beide Gruppen ungefähr gleichmäßig, wenn Abitur- oder Mathenote zählen. Aber fünfmal mehr Baden-Württemberger als Hamburger, wenn nur die Ergebnisse aus einem speziellen Leistungstest im Fach Mathe den Ausschlag geben.

Was das für die Zulassung bedeutet

Delikates Dilemma. Denn ob Lehrer engagiert sind oder faul, Bildungspolitiker weise oder kurzsichtig - darauf haben Abiturienten keinen Einfluss. Belohnt oder bestraft werden sie trotzdem. Deshalb sind Leistungstests mit Vorsicht zu genießen, und Fachnoten aus dem Abiturzeugnis fast ungenießbar. Sinnvoller ist die Gesamtnote: Sie berücksichtigt verschiedene Fächer und erlaubt deshalb auch einen Rückschluss auf Motivation und Leistungsbereitschaft der Studienanfänger. Im Idealfall sollten Leistungsunterschiede natürlich gar nicht erst entstehen.


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