Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck
Bloggewitter in Heidelberg
Vom Physik- und Literaturstudium zum Chefredakteur von "Gehirn&Geist": Carsten Könneker fand bei der Holtzbrinck-Verlagsgruppe einen Traumjob.
Was macht einer, der Literatur, Philosophie und Physik studiert hat? Er stößt, wie e-fellows.net-Mentor Dr. Carsten Könneker (37), bei einer Firmenkontaktmesse auf seinen späteren Arbeitgeber. Bei der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck durchlief Könneker zunächst ein zweijähriges Trainee-Programm. Dann, im Januar 2002, köderte ihn der Heidelberger Verlag "Spektrum der Wissenschaft" mit einer spannenden Herausforderung: Entwickeln Sie eine neue Zeitschrift für uns!
Sie sollten eine neue Zeitschrift etablieren. Waren Printmedien nicht schon damals out?
Nein - und sie sind es auch heute nicht. Wir hatten seinerzeit unter den Lesern des Magazins "Spektrum der Wissenschaft" eine Umfrage gemacht, welche Forschungsthemen sie von allen am meisten interessieren. Dabei kam heraus, dass Hirnforschung und Psychologie ganz oben auf der Liste standen. Unsere Idee war dann, das neue Magazin interdisziplinär anzugehen - mit der Zeitschrift "Gehirn&Geist". Die war aus dem Stand erfolgreich und ist es immer noch. Wir haben sogar internationale Lizenzausgaben, unter anderem in den USA und Brasilien.
Kann man das Magazin auch online lesen?
Ausgewählte Artikel sind im Volltext frei zugänglich, Print-Abonnenten haben natürlich vollen Zugriff. Darüber hinaus bieten wir auch ein vergünstigtes Online-Only-Abo an. Vor allem jedoch stellen wir zusätzliche Inhalte ins Web, die komplementär zu jenen des Heftes sind. Diskussionen zu aktuellen Themen etwa kann man viel besser im Netz austragen als über herkömmliche Leserbriefe. Im Oktober 2009 haben wir zum Beispiel das Thema Gehirndoping aufgegriffen. Da wir dazu nicht alle Informationen und sämtliche Meinungen im Heft abbilden konnten, führten wir das Thema online auf www.scilogs.de weiter. Das ist das größte Portal für wissenschaftliche Blogs im deutschsprachigen Web.
Von unseren zirka 80 Bloggern haben sich 20 mit dem entsprechenden Artikel aus Gehirn&Geist auseinandergesetzt und Position bezogen. Dieser neuen Form des synchronisierten Bloggens habe ich den Namen "Bloggewitter" gegeben. Es ist eine sehr effiziente Möglichkeit, ein Thema im Internet von allen Seiten zu beleuchten und dabei auch die Nutzer einzubeziehen.
Wie kommt es, dass Sie sich so intensiv mit Wissenschaft und Journalismus beschäftigen?
In der Schule hatte ich als Leistungskurse Mathematik und Sozialwissenschaften gewählt. Diese Kombination faszinierte mich, und ich wollte die Zweigleisigkeit jenseits der Zwei-Kulturen-Barriere im Studium fortsetzen. Das hat auch funktioniert - mit einem Doppelstudium in Physik und Germanistik. Nach meiner Promotion stieß ich dann bei einem Kontaktseminar der Studienstiftung auf die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck und fand dort exzellente Entfaltungsmöglichkeiten.
Nämlich?
Nach meiner Trainee-Zeit wurde ich von der Holtzbrinck-Tochter "Spektrum der Wissenschaft" übernommen, wo ich zuvor schon teilweise eingesetzt worden war. Dort herrschte Aufbruchstimmung – wir sind bis heute ein Verlag, der viel Neues auf den Weg bringt, gedruckt wie online. Und ich durfte quasi im Zentrum all dessen mit dabei sein.
Was war die größte Herausforderung während Ihrer Trainee-Zeit?
Eine Portfolio-Analyse für den gesamten Holtzbrinck-Konzern, an der ich im Frühjahr 2001 in der Stuttgarter Holding mitwirkte. Meine Aufgabe innerhalb eines kleinen Teams bestand darin, im internationalen Kontext für sämtliche Betätigungsfelder der Verlagsgruppe Zahlen zu eruieren über die Entwicklung der jeweiligen Märkte – eine sehr komplexe Aufgabe. Wer wüsste schon aus dem Stegreif, wie sich in Indien der Markt für Englisch-Lehrbücher entwickelt?
Wie geht man so was denn an?
Ich habe mir zunächst im gesamten Konzern Ansprechpartner gesucht und bei ihnen die für das Projekt relevanten Daten erfragt: Umsätze, Renditen, Marktdurchdringung, Konkurrenzanalyse. Weiteres Zahlenmaterial findet man in Berichten von Unternehmungsberatungen oder Banken. Auf der Grundlage aller erhobenen Daten haben wir dann Analysen erstellt, die unser Projektleiter schließlich der Holtzbrinck-Geschäftsleitung präsentierte. In diesen wenigen Monaten habe ich sehr viel gelernt und speziell die Verlagsgruppe extrem gut kennengelernt. Davon profitiere ich bis heute.
Was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht?
Ganz klar die Entwicklung von Gehirn&Geist. Das war gegen Ende meiner Trainee-Zeit und sicher ein Grund dafür, dass der Spektrum-Verlag mich gern übernehmen wollte.
Was war das Ziel dieses neuen Magazins?
Wir wollten spezialisierter über Forschung im Bereich von Neurobiologie, Psychologie, Pädagogik, Psychiatrie und so weiter berichten, als dies in unserem Mutterblatt Spektrum der Wissenschaft möglich war. Wie in Spektrum, sollten aber auch für Gehirn&Geist renommierte Wissenschaftler selbst schreiben. Das ist quasi das Erkennungsmerkmal für uns als Verlag.
Das Magazin ist nun schon sieben Jahre alt. Welche Aufgaben haben Sie seit dem Start übernommen?
Im Lauf der Zeit habe ich mich vom Leiter der Produktentwicklung und stellvertretenden Chefredakteur zum Verlagsleiter und Chefredakteur entwickelt. Mir macht es großen Spaß, neue Formen der Wissenschaftskommunikation zu konzipieren – oder bestehende besser zu machen. Dabei spielen Grenzen zwischen Print und Online keine Rolle.
War das alles geplant?
Natürlich wollte ich beruflich vorwärtskommen. Die einzelnen Karriereschritte aber hatte ich nicht geplant – ebenso wenig wie ich mir vorgenommen hatte, Wissenschaftsjournalist zu werden. Der Spaß an der Arbeit und die hervorragende Zusammenarbeit mit den Kollegen machte es möglich, dass sich viel bewegt hat, auch für mich persönlich.
Wie kann man denn als Student bei Ihnen einen Fuß in die Tür kriegen?
Der Königsweg in die Redaktion ist das Praktikum - Wir nehmen unsere Praktikanten mehrere Monate lang richtig an die Kandare. Sie lernen alle Aufgaben von Wissenschaftsredakteuren kennen und schreiben auch eigene Beiträge. Einige unserer Praktikanten habe ich später als Redakteure übernehmen können - dazu braucht man natürlich auch das Glück, dass sich freie Stellen ergeben. Auch in andere Verlagsbereiche wie Marketing, Vertrieb, IT oder Finanzen kann man bei uns prinzipiell hineinschnuppern. Ständige Praktikantenplätze gibt es aber nur in der Redaktion.
Lernt man denn auch noch nach dem Einstieg dazu?
Im Job sowieso - täglich. Bei Spektrum und Holtzbrinck ist so viel Kompetenz vorhanden, dass man ständig neue Impulse erhält. Darüber hinaus unterhält Holtzbrinck eine Medien-Akademie, an der sich Mitarbeiter außer der Reihe weiterbilden können. Ich habe dort die Fortbildung zum Medienmanager absolviert. Vor allem von dem Modul Personalführung habe ich dabei profitiert.
Sie sind auch Mentor bei e-fellows.net. Warum?
Ich wurde von der Holtzbrinck-Personalabteilung darauf gestoßen. Nachdem ich dort bereits mehrfach als Ansprechpartner für die Studienstiftung fungiert hatte, war ich sofort dabei. Ich teile gern meine Erfahrungen mit Studenten oder Berufseinsteigern und freue mich, wenn ich vielleicht Anhaltspunkte bei kniffligen Entscheidungen liefern kann. Dazu genügt meist Zuhören und Erzählen, wie es einem selbst ergangen ist, welche Schritte man bereut oder eben nie bereut hat. Im Übrigen ist das ein Geben und Nehmen. Denn meine Mentees sind sehr interessante Persönlichkeiten, von denen auch ich lerne.
- Das Mentorenprogramm von e-fellows.net
- Die Holtzbrinck-Verlagsgruppe
- Die Praktika bei Holtzbrinck
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