von Curtis Klaus

Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck

Sechs neue Produkte in der Woche

In Konstanz am Bodensee erscheint die Tageszeitung "Südkurier" seit sechzig Jahren. Aus der einst kleinen Tageszeitung ist inzwischen ein Medien- und Dienstleistungsunternehmen geworden, das sich immer neue Geschäftsfelder erschließt und Jobeinsteigern Karrierechancen bietet. e-fellows.net hat das Medienhaus Südkurier besucht und den Assistenten der Geschäftsführung getroffen.

Von oben fällt Licht in die Eingangshalle. Wendeltreppen führen in die oberste Etage, wo das Management residiert. Hier befindet sich auch das Büro von Tobias Gräser, Assistent des Geschäftsführers vom Medienhaus Südkurier. Mit seinen 30 Jahren gehört er zu den neuen Mitarbeitern des Hauses. Erst vor vier Monaten kam er, nach dem Ende seines Studiums der Wirtschaftswissenschaften in Bochum, hierher.

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Herausforderung Tageszeitung
"Wir stellen sechs Mal in der Woche ein neues Produkt her - den Südkurier. Zu meinen Aufgaben gehört strategisches Denken und immer auch der Blick nach vorne. Außerdem bin ich mit allen Abteilungen in Kontakt. Das finde ich sehr spannend", so Gräser. Die Entwicklung lukrativer Druckerzeugnisse und Dienstleistungen wie Anzeigenblätter, Sonderprodukte, Plakate und Kataloge gehört zu seinem Job. Eine Herausforderung, gerade auch angesichts der Tatsache, dass immer weniger Menschen eine Tageszeitung lesen und das Geschäft mit den Anzeigen in den letzten Jahren eher rückläufig war.

Die Entdeckung neuer Märkte
Dem trotzt das Medienhaus mit einer ganzen Palette von Produkten und Produktideen. Als eine der ersten Zeitungen in Deutschland legte sich der Südkurier schon 1996 eine Online-Seite zu (www.suedkurier.de). Seitdem das Medienhaus 1992 von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck übernommen wurde, tummelt es sich auch in anderen Branchen und hat sich zu einem richtigen Dienstleistungsunternehmen entwickelt. Seit gut einem Jahr erscheint das Journal "Gesundheit!". Ein großformatiges Magazin von etwa 35 Seiten, das gratis ist und über Themen der Gesundheit und Wellness berichtet. Dazu kommen Werbeanzeigen über gesunde Matratzen, Lifting, Medizin und Ähnlichem. "Der Gesundheits- und Wellnessmarkt boomt. Unsere Anzeigenkunden können ihre Zielgruppen hier sehr gezielt und punktgenau erreichen und damit ein attraktives Printprodukt für ihre Werbebotschaften nutzen", konstatiert Gräser.

Auch die Freizeitinteressen der Leser im Bodenseeraum werden angesprochen. Dreimal im Jahr erscheint die "Bodensee-Ferienzeitung" mit Tipps und Terminen für Urlauber und Daheimgebliebene gleichermaßen. Das kleine Format "Logbuch" berichtet über den Wassersport auf dem westlichen Bodensee.

Tobias Gräser vom Südkurier

Tobias Gräser (30) studierte nach seiner Ausbildung zum Verlagskaufmann Wirtschaftswissenschaften in Bochum mit dem Schwerpunkt Marketing.

"Wir stellen sechs Mal in der Woche ein neues Produkt her."

Voller Terminkalender
Seit seinem Einstieg ins Medienhaus Südkurier arbeitet sich Gräser permanent in die verschiedenen Geschäftsfelder ein. Daneben gibt es immer wieder auch Konferenzen und Besprechungen. Insgesamt ein Job mit einem gut gefüllten Terminkalender. Manche Termine nimmt er mit dem Geschäftsführer wahr, bei anderen vertritt er ihn. Ob ein Assistent dabei nicht doch meist nur ein Handlanger des Chefs ist? "Der Job des Assistenten der Geschäftsführung ist hier sicher kein Kofferträgerjob. Davon hätten weder das Unternehmen noch ich etwas", meint Gräser.

Neu und alt verbinden
Bei aller Modernität und dem Drang zur Verjüngung und Produktoptimierung muss sich das Medienhaus auch auf die alten Gewohnheiten und regionalen Eigenheiten seiner Leser einstellen. Der Südkurier führte unlängst die Promi-Rubrik "Leute!" ein. "Frühere Edel-Prostituierte Domenica Niehoff feiert in der Eifel ihren 60. Geburtstag", heißt die Schlagzeile des Tages. Den eher traditionellen "Alb-Boten", dem Pendant des Südkuriers am Hochrhein rund um die Stadt Waldshut-Tiengen, rühmt eine seltene Besonderheit in der Zeitungslandschaft: Hier kommen zuerst die Nachrichten aus der Region und dann erst die internationale Politik. Ab und zu fährt Gräser auch in die Außenregionen zu Gesprächen. Gräser: "Es ist wichtig, zu wissen, wie eine bestimmte Gegend tickt und was sie von ihrer Regionalzeitung erwartet."

Vorstoß in neue Geschäftsfelder
Eine wichtige Aufgabe besteht für Gräser auch darin, neue Geschäftsfelder zu erkunden. Im "Werk zwei" zum Beispiel, das zur Druckerei gehört, werden Bücher und Kataloge gedruckt. Für seine Kunden bietet das Medienhaus außerdem noch Medienberatung an. Zudem gibt es ein eigenes Call Center. "Auf Draht" betreibt aktives Telemarketing und verkauft Anzeigen. "Wir nutzen die Kontakte und die Ressourcen, die wir haben, um uns neue Geschäftsfelder zu eröffnen", meint Gräser. So nutzt das Medienhaus sein Vertriebsnetz auch für die private Postzustellung mit dem Zustelldienst "arriva". Die blau-gelben Briefkästen stehen inzwischen nicht nur vor dem Verlagsgebäude, sie haben sich in den letzten Jahren einen Marktanteil in der Region von 18 Prozent sichern können. Und schließlich gibt es noch ein Angebot für Telefonie. Mit "SÜDKURIERtel" kann jeder in der Region günstiger telefonieren als mit der Telekom. Schon 15.000 Kunden haben sich einen Anschluss freischalten lassen. "Vor allem in der Postzustellung und in der Telefonie liegt viel Potenzial für die Zukunft", so Gräser.

Für seine Ideen einstehen
Dass bei so vielen Aufgaben auch Zeit für neue Idee bleibt, glaubt Gräser schon: "Ich muss mir aber Zeit für neue Ideen nehmen. Wenn es terminlich geht, habe ich dann eben einen Termin mit mir selber, den ich auch wahrnehme." Dass dabei nicht jede Idee immer realisierbar ist, weiß Gräser wohl. "Jede neue Produktidee wird auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft – die Zahlen müssen stimmen und der Leser- und Werbemarkt muss genügend Potenzial bieten." Natürlich gibt es dabei auch Kollisionen. "Bei manchen Ideen ist man überzeugt, dass der Markt Ja sagen würde, die Zahlen sagen dann aber manchmal Nein." Da geht es dem Verlag wie vielen anderen, wenn sie feststellen, dass ein neues Magazin vom Leser einfach nicht genug angenommen wird und deshalb wieder eingestellt werden muss.

Der richtige Typ für den Job
Wie es ist, als Berufsanfänger schon in leitender Position einzusteigen? "Natürlich bin ich mir bewusst, dass ich als Stabsstelleninhaber zur Geschäftsführung gehöre. Aber als Assistent lernt man das Unternehmen aus der Vogelperspektive kennen und Zusammenhänge werden erkennbar. Ein idealer Lerneffekt für spätere Führungsverantwortung. Man muss dann auch noch der richtige Typ für diese Position sein." Wie sich Gräser diesen Typ vorstellt? "Dazu gehört die Lust, zu gestalten. Für mich ist es immer schön zu sehen, wenn wir eine Idee umsetzen können". Natürlich lässt sich nicht jede Idee direkt realisieren. Gräser: "Manche Projekte brauchen einfach Zeit und Geduld, bis sie zur Marktreife gelangen." Seine Zukunft sieht Gräser optimistisch. Die Möglichkeiten zur Weiterentwicklung sind vielfältig. Gräsers Vorgänger zum Beispiel ist im Medienhaus geblieben - und dort inzwischen Vertriebsleiter.

Besuch vom Ministerpräsidenten
Auch bei den großen Sport-Veranstaltungen in der Region ist der Südkurier als Medienpartner vertreten. Das besondere Event des Jahres aber steht Gräser noch bevor. Zum 60. Geburtstag der Gründung des Südkuriers Mitte September wird das ganze Medienhaus feiern. "Sogar der Herr Ministerpräsident von Baden-Württemberg wird kommen", schwärmt Gräser. Ein deutliches Zeichen dafür, dass sich der Südkurier einen festen Platz als Mediengröße im Bundesland erkämpft hat.

Inhalt:

Seite 1: Eine Reise in die Region des Südkuriers und ein Rundgang durch die Produktionsstätten. >>

Seite 2: Tobias Gräser, Assistent der Geschäftsführung beim Südkurier, spricht über die Aufgaben und Herausforderungen in der Zeitungsbranche und in seinem Job. >>


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