von Curtis Klaus

Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck

Live aus... Ausflug ins Südkurier-Land

Vom Bodensee bis in den Schwarzwald - das Medienhaus Südkurier beliefert eine ganze Region mit einer Palette von Printprodukten. Seine Druckwerkstätten gehören zu den größten der Gegend. Bei einem Rundgang erlebt man hautnah, wie eine Zeitung entsteht.

Der InterRegioExpress schnauft langsam durch die grasgrüne Hügellandschaft. Tief schleppen sich Wolken über die vorbeiziehenden Felder. Der müde Zug hält bisweilen in Dörfchen mit Fachwerkhäusern und einfachen Bahnsteigen, die etwas heruntergekommen wirken, auf denen man dafür aber noch ungeniert rauchen darf. Der Bodensee versteckt sich heute leider hinter Wolkenschleiern.

Die Mediengröße im Süden des Landes
Die Grenze zur Schweiz ist nicht mehr fern, da tut sich links der Bahnstrecke noch ein ziemlich großes Gewerbegebiet auf. Allerlei Unternehmen haben ihren Sitz hier an der Grenze. Besonders auffällig: ein rotes, sternförmiges Backstein- gebäude, auf dem in blauen Lettern stolz ein Wort prangt: SÜDKURIER. Das ist der Name des Medienhauses, das einen Großteil des Südens von Baden-Württemberg mit der gleichnamigen Zeitung beliefert. Zum Verlagshaus gehört eine Druckerei. Damit ist der Südkurier die Mediengröße in der Region vom Bodensee bis hin zum Schwarzwald, von Friedrichshafen bis in die entlegenen Gebiete von St. Georgen und Titisee-Neustadt.

 

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Im "Südkurier-Land"
Früher hatte das Medienhaus seinen Hauptsitz in der Konstanzer Innenstadt. 1993 bezog es ein neues Gebäude mit großen Fenstern und lichtdurchflutetem Entree im Gewerbegebiet Oberlohn im Norden der Stadt. Die Geschichte begann 1945 mit der Gründung der Regionalzeitung. Seitdem ist der "Südkurier" ein fester Bestandteil der Gegend. Ein Medium, das nicht die großen Metropolen bedient, sondern ein Sprachrohr seiner südschwäbischen und badischen Heimat ist.
 
Das Blatt erscheint sechs Mal pro Woche mit eigenem Politikteil und 16 Regionalteilen. Heute wird der Südkurier täglich etwa 145.000 Mal verkauft. 1992 verkaufte der einstige Familienbetrieb den Südkurier an die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Seitdem wurde aus dem Regionalblatt ein Medien- und Dienstleistungsunternehmen, das neben Tageszeitungen auch noch Anzeigenblätter und viele andere Druckerzeugnisse produziert. Es bietet sogar Postversand und Telefonie an. Fast 650 Mitarbeiter beschäftigt das Medienhaus heute, dazu kommen noch freie Mitarbeiter, Verteiler und Zusteller. Nicht ohne Stolz tauften Mitarbeiter ihre Region deshalb kurzerhand in "Südkurier-Land" um.

Ganzheitlich betreut
Walter Benz (62) hat 31 Jahre lang für den Südkurier gelebt und gearbeitet. Er kennt das Medienhaus wie seine Westentasche. Nachdem er in jungen Jahren seinen Diplom-Kaufmann für Textilien absolviert hatte, musste sein Werk schließen. Doch beim Südkurier fand er eine neue berufliche Heimat. Nach Jahren im Außendienst arbeitete er sich zum Leiter der Anzeigen- und Reklamationsabteilung durch und wechselte schließlich in die Produktionsleitung. Heute im Vorruhestand, macht er die Werksführungen für Gäste des Hauses, da kein anderer dafür so gut geeignet ist. Sein alemannischer Dialekt wirkt gelassen. Kaum ein Mitarbeiter geht ohne Gruß und kurzen Plausch an ihm vorüber. Beim Durchgang durch die Anzeigenabteilung verkündet er: "Die Anzeigen werden bei uns dezentral in verschiedenen Standorten bearbeitet. Dadurch haben die Betreuer feste Kunden, deren Eigenheiten und Anforderungen sie besonders gut kennen. So können wir sie ganzheitlich betreuen".

 

Inhalt:

Seite 1: Eine Reise in die Region des Südkuriers und ein Rundgang durch die Produktionsstätten. >>

Seite 2: Tobias Gräser, Assistent der Geschäftsführung beim Südkurier, spricht über die Aufgaben und Herausforderungen in der Zeitungsbranche und in seinem Job. >>

Neun Meter pro Sekunde
In der Maschinenhalle donnert gerade ein Anzeigenblatt über die Rotoren - mit durchschnittlich neun Metern in der Sekunde. Nur von Samstagabend bis Sonntagnachmittag stehen die Rotoren still, ansonsten laufen sie an sechs Tagen die Woche im Schichtbetrieb. In den Büros herrscht Betriebsamkeit. Just Anfang der Woche wurden die Computer auf ein neues SAP-System umgestellt, an dem alle Mitarbeiter mit Hochdruck arbeiten. Wehmütig lässt Benz seinen Blick über den Schreibtisch streifen, den jetzt sein Nachfolger bewohnt. "Der hat jetzt ein Laptop. Ich arbeitete noch mit einem ganz normalen Computer."

Papier, wohin man blickt
In den Hallen herrschen die Maschinen. Damit die Rotoren ständig Futter kriegen, liegen in einer Nebenhalle riesige Papierrollen, die längste davon ist 4.000 Meter lang und wiegt 1,5 Tonnen. Am Ende der Druckmaschine stürzt die bedruckte Papierrolle in die Tiefe auf ein Fließband und wird auf dem letzten Meter in Sekundenschnelle auf 14 Seiten gefaltet. Über ein Gewirr von Leitungen fahren Anzeigenblätter aufgehängt in eine Nebenhalle, wo dem Blatt noch weitere Werbeprospekte beigelegt werden. Schließlich landen die Zeitungen auf einem Fließband, wo einige Angestellte die Stapel à zehn Stück zum Einschweißen zurechtrücken. Dann geht es durch eine Klappe nach draußen direkt hinein in den Laderaum eines Kleinbusses. Die Fahrt kann losgehen.

Weiter mit voller Kraft
Benz macht es sichtlich Spaß, die Gäste des Medienhauses durch die Produktionsstätten zu führen. Denn bei jeder Führung kann er selber wieder einmal seinen alten Arbeitsplatz inspizieren. Und viele alte Kollegen treffen. Er wirkt sehr zufrieden. Am Nachmittag wartet auswärts noch ein Termin auf ihn. Er kann aber seinen früheren Arbeitsplatz mit der Gewissheit verlassen, dass die Rotoren sich mit voller Kraft weiterdrehen werden.


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