Mit Roche Diagnostics ins Ausland
Wohnen an der Autobahn
Eine Entsendung ist kein Urlaub. Welcher Mitarbeiter ins Ausland gehen darf und wie der dann vorbereitet wird, erläutert Entsendungsspezialistin Katharina Stotz. Und auch warum manche Japaner in Deutschland nach einer Wohnung an der Autobahn fragen.
Bei Roche gehen nicht nur Deutsche ins Ausland - es gibt auch viele ausländische Mitarbeiter in Deutschland. Um die Entsendungen der Im- und Expatriates zu koordinieren, gibt es in Mannheim eine Zentrale. Dort sitzen zwei International Assignment Manager und kümmern sich um Arbeitsverträge, Krankenversicherungen, Wohnungen, Schulen und Sprachkurse. So auch Katharina Stotz.
Katharina Stotz (36) hat Betriebspädagogik in Landau in der Pfalz studiert und ist 2002 bei Roche eingestiegen. Zunächst betreute sie das Trainee-Programm und das Succession- & Talentmanagement, ist aber seit Anfang 2009 für Entsendungen zuständig. Und weil keine Entsendung wie die andere ist, erlebt sie oft auch kuriose Dinge.
Was sind denn Ihre Aufgaben bei einer Entsendung?
Wir kümmern uns um Arbeitsverträge, stehen in Kontakt zu den Agenturen vor Ort, briefen die Mitarbeiter und bereiten sie auf ihre Aufgaben im Ausland vor. Wir stellen Kontakte zu unseren Kollegen her, beispielsweise unseren HR-Kollegen im Ausland, und bereiten so unter anderem den "Pre-Assignment Visit" vor - also den ersten Kurzbesuch im neuen Land.
Kümmern Sie sich um Impatriates und Expatriates oder nur um eine Gruppe?
Wir kümmern uns um beide Gruppen. Wir schauen also, dass wir die deutschen Mitarbeiter reibungslos ins Ausland bringen, sind aber auch zuständig für alle internationalen Mitarbeiter, die nach Mannheim oder Penzberg kommen. Dabei gibt es immer wieder lustige Anekdoten. So wollte ein Japaner mit seiner Frau gerne in einer Stadt leben, die ähnlich wie Tokio ist. Wir haben ihnen also eine schöne Wohnung in Frankfurt besorgt. Nach einer Weile haben sie sich bei uns gemeldet und 'beschwert', dass es dort viel zu ruhig sei. Sie haben uns dann gebeten, ihnen eine Wohnung direkt an der Autobahn zu suchen.
Wie viele Mitarbeiter von Roche gehen ins Ausland?
2008 waren es über 600 Entsendungen mit mindestens drei Monaten - Roche weltweit. 2007 waren es noch rund 480. Die bedeutendsten Ziel- und Entsendungsländer sind die Schweiz, USA und Deutschland.
Welche Voraussetzungen muss man denn mitbringen, um entsendet zu werden?
Schon an den Zahlen sieht man, dass nicht alle Mitarbeiter entsendet werden, sondern eher solche aus unserem "Talent Pool" oder aus Programmen für Nachwuchsführungskräfte, die rund vier bis fünf Jahre bei Roche arbeiten. So ein Aufenthalt ist unserer Meinung nach eine Entwicklungsmaßnahme für High-Potentials. Die Mitarbeiter sollten auf jeden Fall deutlich machen, dass sie mobil sind und auch gerne Auslandserfahrung sammeln möchten. Sie sollten offen für Neues sein und sich in einem fremden Umfeld zurechtfinden können. Die letztliche Entscheidung liegt aber beim Vorgesetzten. Grundsätzlich ist es natürlich für alle Mitarbeiter möglich, sich auf internationale Stellen zu bewerben, die Roche ausschreibt – man kann ja auch einen lokalen Vertrag im Ausland annehmen.
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Können Sie an einem Beispiel erklären, wie eine Entsendung abläuft?
Jede Entsendung ist anders, und jeder Start ebenso. Oft klären Vorgesetzte untereinander, ob eine bestimmte Stelle im Ausland für einen Mitarbeiter ein guter Entwicklungsschritt sein könnte. Der aktuelle Vorgesetzte fragt den entsprechenden Mitarbeiter, ob er bereit wäre, diese Position anzunehmen. Sagt dieser zu, werden die Details geklärt. Dann kommen wir ins Spiel und fangen an, alles zu organisieren. Wir führen das Briefing durch, bereiten den Umzug vor und sprechen uns mit den HR-Kollegen im Zielland ab.
Wie werden Mitarbeiter auf die Arbeit im Ausland vorbereitet – gibt es Sprachkurse oder interkulturelle Trainings?
Da gibt es verschiedene Veranstaltungen. Zum einen natürlich Sprachkurse, die vor allem im nicht-englischsprachigen Ausland sehr wichtig sind. Dann findet am Anfang der Entsendung ein kulturelles Training statt, in dem der Mitarbeiter und eventuell die Familie in die Gepflogenheiten des Gastlandes eingeführt werden. Manchmal veranstalten wir auch Feste oder Ähnliches, bei dem alle zusammenkommen und sich kennenlernen.
Wenn der Mitarbeiter zurückkehrt – wie kümmern Sie sich um seine Wiedereingliederung?
Für die Wiedereingliederung in das berufliche Umfeld kümmert sich der Vorgesetzte. Für Kinder organisieren wir ab und zu Sprachkurse - wenn sie im Ausland aufgewachsen sind und dann hier in die Schule gehen, brauchen sie manchmal einen sprachlichen Anschub.
Wie kann ein Mitarbeiter sicherstellen, dass er keinen "Karriereknick" erfährt, wenn er nach Deutschland zurückkehrt?
Wirklich sicherstellen kann man das nicht. Hin und wieder baut sich eine riesige Erwartung im Ausland auf – man geht für die Karriere ins Ausland und möchte nach der Rückkehr auf einer höheren Position wieder einsteigen. Das ist jedoch nicht immer möglich, weil es einfach nicht immer passende Stellen gibt, vor allem, wenn ein bestimmter Rückkehrzeitpunkt festgelegt wurde. Da sind auch die Mitarbeiter selber gefragt. Sie sollten sich informieren, mit dem Vorgesetzen Kontakt halten und mit Kollegen sprechen. Auch wir haben im Auge, wer in nächster Zeit zurückkehren wird, und sprechen unsere HR-Kollegen an.
Gibt es auch andere Wege ins Ausland bei Roche?
Ja, zum Beispiel geht jeder Trainee für mindestens drei Monate ins Ausland. Dann gibt es den Skill-Transfer, bei dem Mitarbeiter für ein paar Wochen oder Monate ins Ausland gehen, um ihr Know-how einzusetzen. Zum Beispiel beim Bau einer neuen Produktions-Anlage. Oft arbeiten die Kollegen auch in internationalen Teams, was auch mit Reisen verbunden ist. Die Arbeit bei Roche kann also sehr international sein, ohne dass man direkt für mehrere Jahre ins Ausland geht.
