von Melanie Grell

Roche Diagnostics

Live aus dem Trainee-Programm - Mannheimer Wissensmanagement

Heute steht ein Besuch im Mannheimer Roche-Werk an. Dort begleite ich Wiebke Tabellion durch den Tag. Sie ist Trainee im Management Start-Up-Programm Marketing & Sales und absolviert gerade ihre zweite Station. Ihr Projekt: Der Aufbau einer zentralen Wissens-Datenbank für die Außendienst-Support-Abteilung von Diabetes Care. Wir gehen zusammen zu einem Interview, ich treffe beim Mittagessen Bekannte und bekomme im Seminar eine "Take-Home-Message" mit auf den Weg.

Trainee-Programm, Roche

Alumna Wiebke Tabellion (31) konnte sich lange nicht entscheiden. Erst machte sie nach dem Abitur eine Banklehre, studierte dann aber doch lieber Biologie. Und hängte eine Promotion an. Im Labor fehlte ihr die betriebswirtschaftliche Ausrichtung - und weil sie zufällig bei e-fellows.net über einen Hinweis zum Karrieretelefon mit Katharina Stotz stolperte, lernte sie das Trainee-Programm Marketing & Sales kennen.

"Katharina Stotz schlug mir am Telefon das Trainee-Programm vor. Ich war ja eigentlich eher naturwissenschaftlich ausgerichtet, habe dann aber doch Blut geleckt. Anschauen kann ich es ja mal, dachte ich mir. Allerdings war der Bewerbungsschluss schon zwei Tage später, und so musste ich mich ranhalten. Zwischen Bewerbung und Assessment-Center habe ich dann auch noch geheiratet. Eine aufregende Zeit!

Ich merke allerdings mittlerweile, dass diese Schnittstellen-Arbeit genau zu mir passt. Die Kombination aus Naturwissenschaft und BWL ist vielseitig und hat viele Vorteile. Naturwissenschaftliche Lehrstühle an Unis haben das oft noch nicht erkannt, doch in der Industrie sieht das schon ganz anders aus."

Ich bin nicht zum ersten Mal unterwegs zum Mannheimer Roche-Werk und heute ruft der Fahrer sogar die Haltestelle "Roche" aus. Ich verlasse rechtzeitig die Tram und mache mich auf den Weg zum Besuchereingang. Dort treffe ich mich mit Wiebke Tabellion. Wir besorgen noch schnell eine Fotogenehmigung und machen uns auf den Weg in ihr Büro. Das liegt im vierten Stock - und noch bevor ich den tollen Blick über das Werksgelände und den Altrhein genießen kann, habe ich schon einen Kaffee in der Hand. Bevor wir zu unserem ersten Termin gehen, erzählt Wiebke Tabellion von ihrer ersten Station.

Zellanalysen in Echtzeit

Wie alle Marketing-und-Sales-Trainees verbrachte Wiebke ihre erste Station im Außendienst. Allerdings ging es bei ihr weniger um den Verkauf von Produkten, sondern um Produktdemonstrationen. Sie war in der Geschäftseinheit Applied Sciences für ein Analysegerät namens xCELLigence zuständig. Das führt Zellanalysen in Echtzeit durch, so dass die Forscher schon während des Experiments jederzeit den aktuellen Status anschauen können. Viele Kunden wie Max-Planck-Institute, Pharma- und Toxikologen waren daran interessiert und brauchten eine Einführung. Praktisch war, dass Wiebke für die erste Station auch nicht umziehen musste. Ihre Wohnung diente als "Home Base" - schließlich war sie viel in der Republik unterwegs.

Wissensmanagement in Mannheim

Vor ein paar Wochen ging es dann mit der zweiten Station los. Aufgabe: Etablieren Sie ein Wissensmanagement-System für den Außendienst-Support bei Diabetes Care. "Ich gebe zu, ich hatte vorher auch noch nichts davon gehört", erzählt mir Wiebke Tabellion auf dem Weg zu unserem ersten Termin. "Aber es ist nicht so, dass ich einfach ins kalte Wasser geworfen wurde. Mein neuer Projektleiter hat sich am Ende des ersten Projekts mit mir zusammengesetzt und ist mit mir meine neuen Aufgaben durchgegangen." In einer Präsentation erklärte er die "Lücke", die sie identifiziert hatten. Durch dieses Vorgespräch hatte Wiebke natürlich schon ein paar Start-Infos - und vor allem auch Kontakte, an die sie sich mit Fragen wenden konnte.

Eine Datenbank für den Außendienst-Support von Diabetes Care

Diabetes Care ist eine Geschäftseinheit von Roche, die Blutzuckermessgeräte produziert. Wie die Kunden haben auch die Außendienstmitarbeiter eine eigene Service-Abteilung für Fragen aller Art. Diese Aufgabe zu bewältigen, ist gar nicht so einfach. Daher wurde Wiebke Tabellion beauftragt, für die Angestellten ein Wissensmanagement-System zu etablieren. Viele Anfragen sind schwer zu kategorisieren und das Wissen muss regelmäßig aktualisiert werden. Wenn beispielsweise ein Außendienstmitarbeiter fragt, ob die Kunden ihre Blutzuckerstreifen auch im Ausland kaufen können, ruft er an. Die Antwort darauf und die Infos zu seiner Anfrage sollen bald in der Datenbank gespeichert werden - und auch wieder abrufbar sein.

Erst mal in die Bibliothek

Trotz Vorab-Infos war zuerst einmal gute alte Recherche-Arbeit angesagt: "Ich habe mir einen Stapel Bücher aus der Bibliothek geholt und geschaut, was beim Wissensmanagement wichtig ist." Um sich anschließend einen Überblick über die derzeitige Situation im Unternehmen zu verschaffen, führte Wiebke Tabellion Interviews mit Mitarbeitern aus der Abteilung. Denen soll die neue Datenbank ja schließlich helfen. Wichtig sind auch Erfahrungen derer, die schon mit einer Datenbank arbeiten. Daher sind wir jetzt auf dem Weg zu Dr. Tanja Niepel. Sie ist Application Specialist im "EMEA Applied Science Customer Support Center" bei Roche. Das ist der Kundenservice für die Forschungsprodukte von Roche. Dort laufen Kundenanfragen aus Europa, dem Mittleren Osten und Afrika zusammen.

Nur lesen oder auch schreiben?

Der Kundenservice nutzt schon seit einer Weile eine Datenbank, um Kundenanfragen zu beantworten. Diese lässt sich Wiebke Tabellion vorführen. Und schnell entsteht ein lebhaftes Gespräch: Wie funktioniert die Suche in der Datenbank? Kann man auch selber Einträge machen? Gibt es ein Beschwerdemanagement und vielleicht sogar ein Verfallsmanagement - also verschwinden bestimmte Hinweise, wenn sie ihr Verfallsdatum erreicht haben?

Mittagessen mit den e-fellows

Nach der Besprechung machen wir uns auf in die Roche-Kantine. Vorher holen wir noch einen Trainee-Kollegen ab - zu meinem Erstaunen ein bekanntes Gesicht: Dirk Schäfer. Er hatte einen Erfahrungsbericht über das Assessment-Center bei Roche geschrieben. Wir laufen quer über das Roche-Gelände und treffen Marc Böhm. Ihn hatte ich letztes Jahr bei seiner Station im Außendienst begleitet. Eine schöne Überraschung. Beim Mittagessen unterhalten wir uns über das heute noch anstehende "Friday Seminar" (s. Kasten). Es gibt einiges vorzubereiten.

Trainee-Seminare und Exchange Meetings

Die Trainees von Roche arbeiten nicht nur, sondern bilden sich auch in verschiedenen Seminaren weiter. Außerdem organisieren sie regelmäßig die sogenannten "Friday Seminars", bei denen sie einen Fachreferenten zu einem Vortrag einladen.

Einmal im Halbjahr gibt es außerdem ein "MSU-Exchange-Meeting", bei dem sich alle Trainees des Management Start-Up-Programms (MSU) an einem der Standorte treffen. Auch dort bereiten sie ein Programm mit Seminaren und Ausflügen vor.

Die Zukunft des Gesundheitsmarkts

Nach einem kurzen Zwischenstopp am Schreibtisch machen wir uns auf den Weg zum Seminarraum. Stühle rücken, Snacks und Getränke vorbereiten und den Beamer anschmeißen. Schon treffen die ersten Gäste und der Referent Dr. Frank Deickert ein. Er ist Leiter "Gesundheitsmarkt" im Marketing für Labordiagnostik. Um Punkt 14 Uhr geht es los. Wiebke Tabellion begrüßt den Referenten, der in seinem Vortrag auf die Auswirkungen der Gesundheitsreformen für Roche eingeht. Sogar für mich als Laien ist alles verständlich.

Meine "Take-Home-Message"

Aus dem Friday Seminar werden die Zuhörer üblicherweise mit einer "Take-Home-Message" entlassen. Dirk Schäfer fasst den Vortrag daher am Ende zusammen: Der Gesundheitsmarkt ist einer der größten Märkte in Deutschland, und die Marktmacht der Krankenversicherungen durch Konzentration und Zusammenschließungen wird steigen. Auch ich nehme heute eine Message mit nach Hause: Es macht Spaß, als Trainee bei Roche zu arbeiten. Man bekommt spannende Aufgaben, lernt viel in Weiterbildungen und die Kollegen helfen gerne und wo sie können. Damit verabschiede ich mich von Wiebke Tabellion und ihren Kollegen und mache mich auf zum Mannheimer Hauptbahnhof. Dort wartet schon der ICE nach München auf mich.


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