von Julia Büttner

Live aus Roches Postdoc Fellowship Program

Selbstständig forschen unter Industrie-Bedingungen

Mit dem Postdoc Fellowship Program schlägt der Pharmakonzern Roche eine Brücke zwischen Industrie und Universität. Für junge Wissenschaftler wie e-fellows.net-Alumna Cornelia eine Chance, unter Industrie-Bedingungen selbstständig und intensiv zu forschen.

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e-fellows.net-Alumna Cornelia (30) hat Molekulare Medizin in Erlangen studiert und im Juni 2009 ihre Doktorarbeit in Tumorimmunologie an der LMU München abgeschlossen. Danach stieg sie bei Roche in Penzberg in der Pharma-Forschung ein. Sie ist aber keine "normale" Postdoc, sondern eine von rund 40 Teilnehmern am neuen Roche Postdoc Fellowship Program. Dieses hat Roche zentral von Basel aus ins Leben gerufen, um die Zusammenarbeit mit Universitäten zu stärken und gute Forscher für Roche zu gewinnen. Unter anderem hat jeder Postdoc-Fellow zwei Mentoren: einen im Unternehmen, einen an der Universität.

Der Roche-Standort Penzberg könnte kaum idyllischer liegen: Mitten in Oberbayern, 50 Kilometer südlich von München. Die Alpen sind so nah, dass einige der rund 4.500 Mitarbeiter im Winter noch vor Arbeitsbeginn auf die Piste gehen. Dank Gleitzeit kein Problem. In dieser Mini-Stadt werden unter anderem neue Krebstherapien entwickelt und produziert, wie zum Beispiel das Brustkrebsmedikament Herceptin.

Eine Postdoc-Stelle ist kein Bürojob

In einem der funktionalen Gebäude besuche ich Postdoc Cornelia in ihrem Labor. Auf den ersten Blick ist klar: Eine Postdoc-Stelle ist kein Bürojob. Cornelia arbeitet zwischen Zellkulturen, sterilen Werkbänken und hochspezialisierten Apparaten. Über ihrer Freizeitkleidung trägt sie einen weißen Kittel. "Mir gefällt das", meint sie, "ich will noch keinen Schreibtischjob machen." Ihre Forschungsprojekte findet Cornelia "wahnsinnig spannend und auf einem sehr hohen Niveau".

Wie komme ich an eine Postdoc-Stelle?

Die Stellen im Postdoc Fellowship Program werden über die Karriere-Plattform von Roche ausgeschrieben. Auch wenn du dort keine passende Stelle für dich findest, lohnt es sich, dein Profil einzutragen, denn dann bekommst du passende neue Stellenausschreibungen zugeschickt. Auch Cornelia kam so an ihren Job.

Selbständig experimentieren

Statt am Computer zu hocken, erforscht Cornelia nun neue Strategien, um therapeutische Antikörper zu gewinnen. Roche erforscht deren DNA und Proteinsequenzen, um sie später im Labor künstlich herstellen zu können. Davon erhofft sich Roche große Fortschritte in der Entwicklung von Medikamenten, die gegen Krebs helfen. Welche Experimente Cornelia dafür macht, das kann sie selbst festlegen - natürlich muss sie ihre Fortschritte dabei dokumentieren und an ihre Kollegen berichten. Dieses selbständige Arbeiten, bei dem man zugleich Teil eines genau definierten Projekts ist, liegt ihr.

Lockere Stimmung, strenge Hygiene

Cornelia nimmt mich mit in zwei weitere Labore, in denen Kollegen aus ihrer Arbeitsgruppe forschen - drei Festangestellte, eine Diplomandin und eine Praktikantin. Wir streifen uns Plastiktüten über die Füße und einen Kittel über - alle achten peinlich darauf, dass keine Keime herumgetragen werden können. Der Ton zwischen den Kollegen ist dagegen freundlich und locker, fast studentisch. Cornelia arbeitet als Postdoc zwar alleine an ihrem Projekt, sie gehört aber zu einer Forschungsgruppe und tauscht sich viel mit ihren Kollegen aus.

Wenn man ein Gerät braucht, wird es gekauft

Zwei schwarze Kästen fallen mir auf, die die Mitarbeiter nach dem Hersteller schlicht "Hamilton" nennen. Sie isolieren die RNA von lysierten Zellen, erfahre ich. Über 100.000 Euro haben diese Geräte gekostet - pro Stück. "So etwas gibt es an der Uni natürlich nicht", freut sich Cornelia. "Wenn man dagegen hier ein Gerät braucht, dann wird es gekauft." Das ist auch nötig, denn anders als an der Uni läuft die Forschung in einem anderen Maßstab. "Der Durchsatz ist höher. Hier arbeiten Spezialisten, die für ihre Aufgabe ausgebildet und perfekt ausgestattet sind." Schließlich wird hier nicht ins Blaue hineingeforscht - am Ende soll immer ein vermarktbares Produkt entstehen.

Alpen zum Anfassen

Zum Abschied zeigt mir Cornelia noch ihren Lieblingsort auf dem Gelände - die Dachterrasse im siebten Stock. "Ein Geheimtipp", sagt Cornelia, "hier kommt kaum einer her". Die Alpen sehen von hier aus, als könne man sie anfassen.


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