Carolin Metz

Frauen in Führungspositionen bei Roche

"Es ist mir wichtig, mein Umfeld selbst zu gestalten"

Jung, weiblich, gut ausgebildet, sucht... eine Führungsposition. Aber wie steht es wirklich um die Vereinbarkeit von Familie und Führungsjob? Was macht eine gute Chefin aus? Und wieso kann ein weiblicher Boss schon mal die Karnevalsstimmung trüben? Drei Managerinnen von Roche verraten es.

Roche, Talentförderung, Trainee

Nina Beikert (29) studierte BWL in Mannheim. Seit 2007 ist sie bei Roche, mittlerweile als Regionale Verkaufsleiterin im Vertrieb bei Roche Diagnostics Deutschland.

"Als Regionale Verkaufsleiterin im Vertrieb bin ich für den Verkauf von Labordiagnostika im Nord-Osten Deutschlands verantwortlich. Gemeinsam mit meinem Team vertreibe ich Laborsysteme und Reagenzien an große Krankenhäuser und Privatlaboratorien. Unsere Produkte werden verwendet, um Blut zu analysieren, das dem Patienten beim niedergelassenen Arzt oder auf Station abgenommen wurde."

Wollten Sie schon immer Chefin werden?

Ja, ich denke schon. Ich hatte schon früh das Bestreben, Verantwortung für mich und andere zu übernehmen. Mir macht es Spaß, strategisch arbeiten zu können und Dinge selbst zu gestalten. Ich treffe gerne Entscheidungen und versuche, andere für meine Ideen zu gewinnen und zu begeistern. Gleichzeitig ist es mein Ziel, ein Umfeld zu schaffen, in dem ich und meine Mitarbeiter gerne arbeiten und das uns zu Höchstleistungen motiviert. Deswegen habe ich mich auch für das Traineeprogramm "Management Start Up Programm Marketing & Sales“ bei Roche Diagnostics entschieden, das gezielt auf eine Führungsposition vorbereitet.

Haben Sie auch schon mal gedacht: Oh, das ist jetzt vielleicht eine Nummer zu groß?

Ich habe direkt nach dem zweijährigen Traineeprogramm meine jetzige Stelle als Abteilungsleiterin im Vertrieb übernommen. Meine Mitarbeiter waren damals alle älter als ich und hatten deutlich mehr Erfahrung. Ich habe mir anfangs sehr wohl die Frage gestellt, welchen Mehrwert ich in meinem Team leisten kann. Letztlich war es ein Prozess. Ein wichtiger Faktor war, die Erfahrung meiner Mitarbeiter anzuerkennen, sie in Entscheidungen einzubinden und ihre langjährige, erfolgreiche Arbeit wertzuschätzen, und auch von ihnen zu lernen. Gleichzeitig konnte ich mein betriebswirtschaftliches Wissen und meine Fähigkeiten in der Führung einbringen und so das Team auf die Zukunft ausrichten.

Wie viel Freizeit lässt Ihnen Ihr Beruf?

Ich mag meinen Job sehr gerne, arbeite aber auch viel. Trotzdem nehme ich mir ausreichend Zeit für meine Freunde und meine Hobbys wie Beachvolleyball und Joggen. Der Vorteil im Vertrieb ist: Ich habe einen großen Einfluss darauf, wie ich meine Arbeitszeit gestalte. Letztendlich bin ich selbst verantwortlich dafür, mir ausreichend Freiräume zu schaffen, was zugegebenermaßen nicht immer einfach ist.

Wie sieht es bei Roche mit Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus?

Ich selbst habe keine Kinder, daher kann ich nicht aus persönlicher Erfahrung sprechen. Aber es gibt durchaus sehr positive Beispiele in meinem Umfeld. Eine Kollegin hat zum Beispiel noch während ihres Mutterschutzes eine Management-Funktion angeboten bekommen und hat diese Stelle seither inne. Es ist sicher eine Herausforderung, Familie und Beruf zu vereinbaren, aber mit Selbstdisziplin und viel Organisationstalent kann das funktionieren. Außerdem bietet Roche aktive Unterstützung: Es gibt an den Standorten Mannheim und Penzberg jeweils eine Kita, auch werden zum Beispiel für schulpflichtige Kinder Betreuungsprogramme während der Schulferien angeboten.

Was ist für Sie die größte Herausforderung an einer Führungsposition?

Flexibel zu bleiben. Die Balance zu halten zwischen Fordern und Fördern. Ich kann nicht mit jedem meiner Mitarbeiter in jeder Situation gleich umgehen, sondern muss erkennen, wie viel Führung und Unterstützung jeder Einzelne benötigt. Wie viele Freiräume jeder einzelne braucht, damit er sich wohlfühlt und eine gute Leistung erbringen kann. Die Herausforderung ist, seinen Führungsstil immer wieder zu hinterfragen und situativ anzupassen.

Welche Fehler sollte eine Führungskraft vermeiden?

Allein über die Vorgesetztenfunktion zu führen nach dem Motto: "Ich bin der Chef, deswegen habe ich das Sagen",  funktioniert aus meiner Sicht nicht. Ich denke, Erfolg stellt sich dann ein, wenn man den Mitarbeitern auf der einen Seite Verantwortung überträgt und sie nach Möglichkeit in Entscheidungen miteinbezieht. Auf der anderen Seite ist es wichtig, Transparenz zu schaffen, den Mitarbeitern darzustellen, wie bestimmte Entscheidungen zustande gekommen sind – auch in unbequemen Situationen! Darüber hinaus ist es unumgänglich, ihre Belange und Argumente ernst zu nehmen und ihnen ehrliche Wertschätzung entgegenzubringen. Nur so kann man Verständnis für Entscheidungsprozesse erzielen und erreichen, dass die Mitarbeiter hinter dem stehen, was sie tun und sich voll dafür einsetzen. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, dann erzielt man mit einem zufriedenen, leistungsstarken Team gute Ergebnisse

Aleksandra hat eine Führungsposition bei Roche inne [Bildquelle: Roche]

Aleksandra Melke (30) studierte Wirtschaftsingenieurwesen in Karlsruhe. 2006 ist sie ins Management-Start-Up-Programm von Roche eingestiegen. 2008 hat sie eine Gruppenleitung in der operativen Logistik übernommen, seit 2010 leitet sie als "Manager International Order Management North America & Agencies Region East" ein Team im Order Management, der Auftragsannahme und -bearbeitung in Mannheim.

"Ich leite ein Team aus 16 Mitgliedern. Wir kümmern uns um Annahme und Bearbeitung von Aufträgen aus Nordamerika, Afrika, Osteuropa und Syrien. Wir beraten die Kunden, klären Probleme und Transportbedingungen. Anschließend übergeben wir den Auftrag an die Kommissionierung und Packerei."

Was macht einen guten Chef aus?

Ich finde es wichtig, dass ein Vorgesetzter eine Vorbildfunktion einnimmt. Man kann nichts einfordern, was man nicht einhält. Außerdem ist es wichtig, dass man gute Leistungen der Mitarbeiter anerkennt und lobt, andererseits aber auch Kritik offen äußert. Insgesamt halte ich einen offenen und respektvollen Umgang für sehr wichtig. Dabei muss man auch berücksichtigen, dass jeder auf seine eigene Art arbeitet. Wichtig ist es, klare Entscheidungen zu treffen und dann dabei zu bleiben. In jedem Fall muss ein guter Chef für seine Mitarbeiter da sein und sie unterstützen.

Füllen Frauen eine Führungsposition anders aus als Männer?

Nun, man sagt ja manchmal, dass Frauen besser zuhören können als Männer. Aber ich hatte auch schon männliche Vorgesetzte, die prima zuhören können. Ich würde auch nicht sagen, dass Frauen für bestimmte Positionen besser geeignet sind als Männer oder umgekehrt - ich denke, das hängt eher vom Charakter ab als vom Geschlecht. Ich kann nicht sagen, dass ich Vorteile habe gegenüber einem Mann, aber auch keine Nachteile.

Sind die Kollegen erstaunt über eine junge Frau als Chefin?

Ich habe da eine lustige Erfahrung gemacht. Ich war 27 und trat eine neue Stelle als Teamleiterin von 45 Mitarbeitern an. Alle waren deutlich älter als ich und hatten bisher nur männliche Vorgesetzte gehabt. Mein Team war fest davon überzeugt, dass auch der neue Chef ein Mann sein würde. An meinem ersten Tag traf ich im Aufzug zufällig schon auf zwei meiner künftigen Mitarbeiter, die aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, wer ich war. Es war Weiberfastnacht und die beiden Kolleginnen freuten sich schon: "Dem neuen Chef schneiden wir gleich mal die Krawatte ab!". Eine von beiden hatte schon eine Schere dabei. Als ich dann im Meeting als neue Chefin vorgestellt wurde, fielen ein paar Kinnladen. Am Anfang war das schon manchmal schwierig: Keiner war an einen jungen Chef gewöhnt, und dann "auch noch" eine Frau. Aber ich habe meinen Mitarbeitern zugehört, mich ihrer Fragen und Probleme angenommen, und dann hat die Zusammenarbeit gut geklappt.

Was schätzen Sie am Chefsein?

Sehr ansprechend finde ich, dass ich Probleme gemeinsam mit meinen Mitarbeitern lösen kann, und dass ich ihnen helfen kann, wenn sie nicht weiterkommen. Was mich außerdem reizt: Als Chefin kann ich festlegen, in welche Richtung es mit meinem Team gehen soll, ich kann die großen Linien bestimmen.

Wie unterstützt Roche Sie in Ihrer Führungsposition?

Ich kann viele Kurse und Seminare belegen. Dabei üben wir Unterschiedliches: Konfliktlösung im Team, adressatengerechte Kommunikation, Projektleitung über Abteilungsgrenzen hinaus, wie gibt man die Strategie vor? Außerdem unterstützt mich mein Vorgesetzter bei Fragen und Problemen. Und wir haben gute Ansprechpartner in der Personalabteilung, die uns zu Themen wie Elternzeit, Arbeitsverträgen und Arbeitsrecht beraten.

Im Interview verrät Roche-Mitarbeiterin Susanne Arbogast, ob man Führungsqualitäten lernen kann.

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