von Carolin Metz

Wirtschaftsprüfer-Examen bei KPMG

Examens-Ziel: Wirtschaftsprüfer

Du möchtest Wirtschaftsprüfer werden - also nach dem BWL-Studium einfach in ein großes Prüfungsunternehmen gehen und loslegen? Nicht ganz richtig - denn um die Berufsbezeichnung "Wirtschaftsprüfer" tragen zu dürfen, musst du nach drei Jahren im Job noch ein weiteres Examen belegen. Lohnt sich diese Lernerei?

Jan-Helge Schmeisky von KMPG berichtet im Interview, was das Schwerste am Wirtschaftsprüfer-Examen war.

Ein Wirtschaftsprüfer muss sich in vielen Themen auskennen: Welchen Einfluss hat eine neue Rechtssprechung auf die Rechnungslegung im Unternehmen? Was steht eigentlich in Basel II? Und was beinhaltet der Prüfungsansatz "Business Audit"? Viel Wissen, das man sich aneignen muss - abgefragt wird es im Wirtschaftsprüfer-Examen.

Karriere-Sprungbrett Examen

Nach dem ersten Uni-Abschluss steigst du im Prüfungs- unternehmen als Assistant ein. Wenn du dort Karriere machen möchtest, steht nach ungefähr drei Jahren das Wirtschaftsprüfer-Examen an. Denn "Wirtschaftsprüfer" darfst du dich nur nach bestandenem Examen nennen. Wie viel Vorbereitung das erfordert, berichtet Jan-Helge Schmeisky von KPMG im Interview.

Voraussetzungen fürs Wirtschaftsprüfer-Examen

  • Erfolgreich abgeschlossene Hochschulausbildung (Verzicht bei einschlägigem Tätigkeitsnachweis über mehrere Jahre möglich)
  • Drei Jahre Berufserfahrung (bei mindestens acht-semestriger Regelstudienzeit, wie regelmäßig bei Diplomstudiengängen), beziehungsweise vier Jahre Berufserfahrung (für Ausbildungen, die weniger als acht Semester dauern, wie zum Beispiel einem Bachelor-Studium)

Wie läuft die Prüfung ab?

Zur Examensvorbereitung kannst du entweder spezielle Kurse belegen oder einen Master im Bereich der Wirtschaftsprüfung absolvieren. Die Wirtschaftsprüferkammer führt das Zulassungsverfahren bundeseinheitlich durch. Das Examen besteht aus folgenden Prüfungsgebieten:

  • Wirtschaftliches Prüfungswesen, Unternehmensbewertung und Berufsrecht
  • Angewandte Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre
  • Wirtschaftsrecht
  • Steuerrecht

Die künftigen Wirtschaftsprüfer schreiben eine Klausur in Wirtschaftsrecht und je zwei in den übrigen Prüfungsgebieten. Einige Prüfungsteile musst man nicht belegen, wenn man die richtigen Voraussetzungen hat ("verkürzte Prüfung"): Steuerberater müssen die Steuerrechtsklausuren nicht schreiben. Hast du einen WP-Master abgeschlossen (zum Beispiel den "Master of Accounting and Taxation" der Mannheim Business School), dann hast du dir damit schon die Klausuren in BWL, VWL und Wirtschaftsrecht gespart.

Die Prüfer beim Vortrag überzeugen

Wenn du die schriftlichen Examina bestanden hast, wirst du zur mündlichen Prüfung zugelassen: Vor einer Prüfungskommission hältst du einen zehnminütigen Vortrag, den du vorher 30 Minuten vorbereiten konntest. Dann stellen die Prüfer Fragen zum Thema. Das Wirtschaftsprüfer-Examen ist sehr anspruchsvoll: 2009 haben nur 27 Prozent der Kandidaten die Vollprüfung bestanden, bei den verkürzten Prüfungen waren es immerhin bis zu 58 Prozent.

Bis zu 13.000 Euro Unterstützung fürs Examen

Das Examen kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld. KPMG unterstützt dich bei beidem: Als Mitarbeiter bei KPMG kann man sich unter Nutzung von Freizeitkontingenten für bis zu 130 Arbeitstage für die Prüfungsvorbereitung freistellen lassen. Außerdem erstattet KPMG bis zu 13.000 Euro für Kosten wie Vorbereitungskurse und Prüfungsanmeldung. Das Budget kann aber auch in Freizeit umgewandelt werden.

Jan-Helge Schmeisky (Jahrang 1980) ist langjähriger KPMG-Mitarbeiter: Schon während seines BWL-Studiums an der BA Stuttgart verbrachte er seine Praxisphase bei der Wirtschaftsprüfung. Nach seinem Abschluss im Jahr 2005 stieg er dann im Audit Corporate (Prüfung von großen Unternehmen) bei KPMG ein. Im Mai 2010 absolvierte er schließlich sein Wirtschaftsprüfer-Examen. Im Interview erklärt er, warum sich der Lernstress gelohnt hat - und wieso er nachweisen musste, dass er nicht mit der Mafia im Bunde ist.

Schon vor dem Wirtschaftsprüfer-Examen haben Sie bei KPMG im Audit gearbeitet - wieso der ganze Lernstress, nur um eine Unterschrift mehr leisten zu dürfen?

Nun ja, die eine Unterschrift mehr ist schon eine ganz entscheidende. Als Wirtschaftsprüfer darf man ein Testat auf eine gesetzliche Abschlussprüfung erteilen. Das bedeutet, dass ich als Wirtschaftsprüfer bestätigen kann, dass ein Unternehmen die Abschlussprüfung, zu der es gesetzlich verpflichtet ist, auch wirklich durchlaufen hat. Außerdem ist das Examen eigentlich obligatorisch, wenn man dauerhaft in der Wirtschaftsprüfung arbeiten möchte. Nur mit bestandenem Examen kann man aufsteigen und Karriere machen.

Für die Bestellung zum Wirtschaftsprüfer muss man ja auch nachweisen, dass man "geordnete Vermögensverhältnisse" hat. Wie funktioniert das? Mussten Sie einen Kontoauszug vorlegen?

Nein, so schlimm ist das glücklicherweise nicht. Ich musste meine "geordneten Vermögensverhältnisse" nur selbst schriftlich bestätigen - als Nachweis sozusagen, dass mir nicht die "Mafia im Rücken steht". Das ist nur eine Formalität - aber eine sinnvolle, immerhin muss ich als Wirtschaftsprüfer unabhängig und nicht erpressbar sein.

Wie viel Zeit hat Sie denn das Examen gekostet?

Ich habe einen speziellen Weg gewählt und ein Master-Programm belegt, das auf das Examen angerechnet wurde. Durch den Master of Arts Auditing and Taxation (MAT) an der Hochschule Pforzheim musste ich die Klausuren in BWL, VWL und Jura nicht mehr belegen. Der Studiengang dauerte zwei Jahre, in denen ich mich auf die Prüfung vorbereitet habe, dazu kam noch die Zeit zwischen Studienende und dem Examen. Insgesamt muss man mit ungefähr zweieinhalb bis drei Jahren Vorbereitungszeit rechnen – eine sehr lernintensive Zeit.

Was war das Schwerste in dieser Zeit?

Die enorme Stoff-Fülle. Man kann gar nicht alles lernen und muss daher Lücken akzeptieren. Das führt natürlich zu Stress. Es sind Themen dabei wie Rechnungslegung, Steuerrecht, Unternehmensbewertung – das sind sehr große Felder, bei denen man extrem in die Tiefe gehen kann.

Wie hat KPMG Sie unterstützt?

KPMG hat mich für 120 Arbeitstage von meiner Arbeit freigestellt, während ich die Prüfung vorbereitet habe. Außerdem hat mich mein Unternehmen finanziell unterstützt, zum Beispiel bei den Vorbereitungskursen und den Kosten für die Zulassung zur Prüfung.

Was vom Gelernten können Sie jetzt auch im Job anwenden?

Die Prüfung ist extrem praxisbezogen. Man hinterlegt das, was man in der Praxis macht, noch mal mit Theorie. Es ist gut, dass man vor dem Examen Berufserfahrung sammelt – mit diesem Wissen kann man das Erlernte viel besser einordnen und umsetzen. Wir haben zum Beispiel den risikoorientierten Prüfungsansatz noch einmal gelernt, uns also damit beschäftigt, wie man ein Unternehmen effektiv und effizient prüft. Deswegen ist es auch gut, dass man das Examen absolvieren muss, um Wirtschaftsprüfer zu werden. Die Mandanten erwarten schließlich, dass man über Wissen und Erfahrung verfügt.

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