Work-Life-Balance – Kinder und Karriere

Busy Season mit drei Kindern

"Mehr als 30 Stunden werden’s nie", sagt Janna Trostbach von KPMG über ihre Wochenarbeitszeit. Im Interview erzählt die Prüferin und dreifache Mutter, wie man seinen Tag zwischen Mandat und Kindergarten organisiert und welchen Illusionen man sich dabei nicht hingeben sollte.

 

Serie "Work-Life-Balance"

 

 

J. Trostbach von KPMG

Janna Trostbach (43) arbeitet in Berlin im Audit von KPMG. Seit der Geburt ihrer Tochter 2003 ist sie in Elternteilzeit tätig. Inzwischen hat sie außerdem zwei Söhne im Alter von drei und fünf.

Frau Trostbach, Sie haben drei Kinder und sind daher in Elternteilzeit. Ist das überhaupt mit der stressigen Jahresabschlussphase, der berühmten "Busy Season", vereinbar?

Meine Arbeitszeit hängt tatsächlich sehr von den Jahresabschlussphasen ab, auf mehr als 30 Stunden pro Woche komme ich aber trotzdem nie. Das ist eben in der "busy season" von Oktober bis April der Fall, den Rest des Jahres habe ich eher eine normale Halbzeitstelle. Überhaupt richtet sich meine Wochenarbeitszeit stark nach dem jeweiligen Mandat. Auch meine Bezahlung richtet sich während der Elternteilzeit übrigens danach, wie viele Stunden ich arbeite.

Wie sieht denn Ihr typischer Tagesablauf aus?

Um sechs Uhr aufstehen. Bis sieben Uhr drei Kinder fertigmachen mit Anziehen, Frühstücken, Schulsachen herrichten und so weiter. Mit meiner achtjährigen Tochter um halb acht aus dem Haus gehen – sie geht zur Schule, ich zur Arbeit. Mein Mann bringt die anderen beiden in den Kindergarten. Dann zum Mandat fahren, oft ist das eine Stunde Fahrzeit. Dort bin ich ungefähr sechs Stunden. Zwischen drei und halb vier Uhr fange ich an, meine Kinder wieder von Hort und Kindergarten einzusammeln. Danach gehe ich mit meiner Tochter gegebenenfalls noch die Hausaufgaben durch. Nachmittags bin ich dann außerdem ein Taxi-Unternehmen wegen der zahlreichen Aktivitäten der Kinder, wobei ich auch oft Fahrgemeinschaften mit anderen Eltern bilde. Um acht, wenn die Kinder im Bett sind, setze ich mich manchmal noch an den Computer.

Sie arbeiten also von daheim aus noch weiter?

Gerade in der Jahresabschlussphase fällt auch Heimarbeit an, ja. Ich arbeite dann Dinge auf, für die man nicht unbedingt beim Mandanten vor Ort sein muss, zum Beispiel Berichte schreiben. Dafür reichen mir Internetzugang und Telefon, außerdem kann ich von zu Hause aus auch auf das Netzwerk von KPMG zugreifen. Um die Fahrzeit zum Mandanten und zurück zu sparen, arbeite ich auch manchmal komplett von zu Hause aus - sofern das Mandat das zulässt. Arbeit am Wochenende kommt dagegen selten vor.

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Sind denn Ihre Mandate immer nah genug, dass Sie es rechtzeitig zum Hort und Kindergarten schaffen?

Es gibt auch mal Mandate, Schulungen oder Termine, die nicht in Berlin sind. Meine Flexibilität hat auch ihre Grenzen: Wenn ich beispielsweise einen Mandanten in Görlitz besuchen muss, muss ich das Abholen der Kinder an meinen Mann abgeben oder einen Babysitter beauftragen – das ist aber wirklich nicht die Regel.

Wie unterstützt Sie Ihr Arbeitgeber dabei, Kinder und Job unter einen Hut zu bringen?

Er macht mir meine Elternteilzeitkarriere möglich. Das fordert ein hohes Maß an Flexibiliät vonseiten des Mitarbeiters. Wenn man dazu bereit ist, wird einem aber auch ein entsprechend flexibles Modell gewährt. Mein Modell mit der Bezahlung nach tatsächlich gearbeiteten Stunden ist übrigens gar nicht so KPMG-typisch. Viele meiner Kollegen, die Kinder haben, haben ein bestimmtes Volumen an Stunden, das sie über das Jahr aufteilen. Der Nachteil an meinem Modell ist: Wenn ich nicht arbeite, verdiene ich auch kein Geld. Dafür kann ich aber zum Beispiel sehr flexibel auf Kinderkrankheiten reagieren.

Sie leiten ja auch manchmal Prüfungsteams. Müssen Sie da dann nicht den ganzen Tag vor Ort sein?

Es ist nicht ungewöhnlich, dass nicht alle rund um die Uhr da sind. Letztens hatten wir so eine Situation: Meine Kollegin war auch in Teilzeit. Darum haben wir unsere Arbeitszeiten so aufgeteilt, dass der Mandant immer betreut war. Zudem ist das einfach eine Frage der Kommunikation. Und: Der Mandant ist über diese Situation informiert, weiß also, wann wir bei ihm vor Ort ansprechbar sind.

Haben Sie Tipps für andere Eltern oder werdende Eltern, wie man das Leben mit Kindern und Job organisiert bekommt?

Man sollte eine gewisse Zielvorgabe haben, sich aber auch keinen Illusionen hingeben. Zum Beispiel kann man in der Elternteilzeit nicht noch schnell sein Wirtschaftsprüferexamen machen. Das ist neben der Arbeit auch ohne Kinder schon anstrengend. So etwas sollte man also abarbeiten, bevor man Kinder bekommt. Man muss bereit sein, sich notfalls auch abends noch an die Arbeit zu setzen, dann wird der Arbeitgeber das auch honorieren und ein flexibles Modell möglich machen. Dazu kommt es auch auf die eigenen Familienverhältnisse an, ob man Kind plus Karriere organisatorisch bewältigt, also auf den Partner, die eigenen Eltern und so weiter. Und man muss sich ein gutes Netzwerk aufbauen an potenziellen Helfern. Im habe immer ein paar Telefonnummern für den Notfall. So kann jemand spontan meine Kinder abholen, wenn ich gerade im Stau stehe.

Arbeitnehmer haben während der Elternzeit Anspruch, in Teilzeit zu arbeiten. Voraussetzung dafür ist, dass das Unternehmen mindestens 15 Mitarbeiter hat und der Arbeitnehmer vor der Schwangerschaft mindestens sechs Monate dort angestellt war. Außerdem muss die Elternteilzeit mindestens sieben Wochen vorher dem Arbeitgeber schriftlich angekündigt werden. Die wöchentliche Arbeitszeit muss zwischen 15 und 30 Stunden liegen.

 

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