Einstieg in Audit Financial Services bei KPMG
Zwei Wochen von der Bewerbung bis zum Einstieg
Ganze zwei Wochen dauerte es von der Bewerbung bis zu Philipps Einstieg als Wirtschaftsprüfer im Bereich "Financial Services" bei KPMG. Eine Ausbildung zum Industriekaufmann und einen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt "Finance and Accounting" brachte er mit. Im Interview berichtet er, ob er mit seinem Job auch auf Partys angeben kann und wieso er sich bei KPMG beworben hat.
Philipp Schicker (28) studierte Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Finance & Accounting. Im Februar 2011 ist er bei KPMG in den Bereich Audit Financial Services eingestiegen.
"Ich bin Wirtschaftsprüfer" – damit kann man auf Partys erst mal nicht angeben, oder?
Na ja, mein Bruder ist Polizist, der hat schon die besseren Storys. Mein Hauptmandat ist die Fondsprüfung bei einer Kapitalanlagegesellschaft eines großen Versicherungskonzerns, das ist zwar superinteressant, aber ich darf über meine Mandanten nicht viel erzählen – das sind ja sensible Interna.
Wirtschaftsprüfer haben ein etwas verstaubtes Image...
Ja, aber das stimmt überhaupt nicht. Die Leute in meinem Team sind alle etwa in meinem Alter. Wir sind übrigens auch keine reine Männerrunde, hier arbeiten 60 bis 70 Prozent Frauen – in der Prüfungsleitung sitzen derzeit sogar nur Frauen.
Warum haben Sie sich bei KPMG beworben?
KPMG ist an der Goethe-Uni durch ein Mentorenprogramm und Workshops sehr präsent. Spätestens mit meiner Spezialisierung auf Finance and Accounting stand fest, dass ich mich bei KPMG bewerbe. Die interne Weiterbildung ist sehr gut, und man kann auch für eine Zeit ins Ausland gehen oder in andere Fachbereiche hineinschnuppern. Die Frage war nur noch: Direkteinstieg oder Trainee-Programm im Advisory, also im Geschäftsbereich Beratung? Ich habe mich für den Direkteinstieg beworben. Das ging ganz schnell: Am Mittwoch hatte ich mein Vorstellungsgespräch, Ende der Woche die Zusage und zwei Wochen später saß ich auch schon im Büro.
Reicht denn ein Bachelorabschluss für den Einstieg?
Ja. Ein Bachelor-Absolvent hat hier genauso verantwortungsvolle Aufgaben wie ein Diplom oder Master-Absolvent, da wird kein Unterschied gemacht. Man lernt hier ohnehin intensiver als im Studium. Langfristig zählt das Berufsexamen. Ich überlege, ob ich noch ein berufsbegleitendes Master-Studium machen soll, das auch für das Wirtschaftsprüferexamen angerechnet wird. Da gibt es eine Kooperation zwischen der Uni Mannheim und KPMG, weitere Universitäten sollen folgen. Für mich der optimale Weg, denn damit fallen drei Prüfungen vom Wirtschaftsprüferexamen weg.
Wie haben Sie den Einstieg empfunden?
Das Wasser war schon kalt in der ersten Zeit. Ich bin mitten in der "Busy Season" eingestiegen, das ist die Zeit zwischen Oktober und März, in der geprüft wird. Es gab viel zu tun – trotzdem blieb immer genug Zeit für Fragen. Wir waren drei, die etwa zur selben Zeit angefangen haben, und sind auch in der heißen Phase öfters mal abends noch zusammen weggegangen.
Wie lange dauert Ihr Arbeitstag?
Im Sommer ist weniger zu tun, da kann ich nach acht Stunden nach Hause gehen. In der Busy Season werden es auch mal elf, die müssen dann vom Betriebsrat genehmigt werden. Aber man kann bei KPMG jede Überstunde auch wieder abbummeln oder sich ausbezahlen lassen.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag im Audit Financial Services aus?
Man kommt gegen acht ins Büro, checkt seine E-Mails und dann taucht man auch schon in die Prüfung des ersten Fonds ein. Die Jahresabschlussprüfung eines Fonds beinhaltet die Prüfung des Rechnungswesens – den Jahresbericht – und die Anlagerichtlinien. Man guckt, ob die Vermögensaufstellung den investmentrechtlichen Vorschriften entspricht. Bei der Ertrags- und Aufwandsrechnung führen wir einerseits analytische Prüfungshandlungen durch und teilweise rechnen wir nach. Ein Team von finanzmathematischen Experten unterstützt uns bei der Prüfung und Bewertung der Wertpapiere und Derivate. Daneben prüfen wir noch, ob das Portfoliomanagement die vertraglich vereinbarten Vorschriften eingehalten hat. Bei Unstimmigkeiten spricht man auch noch mal mit dem Mandanten. Das Ergebnis geht zur Prüfungsleitung, dann gibt es Feedback und am Ende wird der Fonds freigegeben.
Was macht Ihnen daran Spaß?
Die Arbeit mit dem Gesetz, mit den Wertpapieren, zu gucken: Wie investiert ein Fondsmanager? Verstöße sind natürlich spannend. Man muss sehr konzentriert und genau sein. Es gibt viele Publikumsfonds, da gibt es mir ein gutes Gefühl, wenn die gesetzlichen Anforderungen eingehalten werden. Auch die direkte Arbeit mit den Mandanten macht Spaß.
Wie könnte Ihre weitere Karriere aussehen?
Zunächst werde ich mich fachlich weiterbilden. Wenn es klappt, mache ich den Master. Und danach geht es vielleicht in die Prüfungsleitung.
Wie kann man herausfinden, ob der Job was für einen ist?
Ein Praktikum schadet auf keinen Fall, in zwei, drei Monaten kommt man gut rein. Aber es geht auch ohne. Einen persönlichen Eindruck bekommt man auch auf Karriereveranstaltungen – oder wie bei mir in Uni-Workshops.
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