von Melanie Grell

KPMG

Partner im Profil - Audit - Wirtschaftsprüfung

Wirtschaftsprüfer haben eine große Verantwortung - immerhin prüfen sie die Bilanzen von Unternehmen und müssen beurteilen, ob diese Fehlaussagen oder falsche Angaben enthalten. Im Interview räumt Thomas Beier von KPMG mit dem Irrglauben auf, dass Wirtschaftsprüfer Erbsenzähler sind: "Wenn ich erzähle, dass ich regelmäßig neue Leute und Branchen kennenlerne, ändern viele ihre Meinung über die Wirtschaftsprüfung".

Audit steht für den Geschäftsbereich Wirtschaftsprüfung von KPMG. Die Audit-Mitarbeiter prüfen Jahres- und Konzernabschlüsse nach nationalen und internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen. KPMG betreut eine Vielzahl von Unternehmen sowie Organisationen des öffentlichen Sektors. Am Ende steht das Testat - der Bestätigungsvermerk des Prüfers nach der durchgeführten Prüfung.

Was macht eigentlich ein Wirtschaftsprüfer?

Wirtschaftsprüfer prüfen die Bilanzen von Unternehmen. Dabei müssen sie mit kritischer Grundhaltung beurteilen, ob die Abschlüsse ihrer Mandanten Fehlaussagen oder falsche Angaben enthalten. Damit trägt ein Wirtschaftsprüfer hohe Verantwortung - Integrität und Unabhängigkeit sind daher eine wichtige Voraussetzung für die Arbeit. KPMG verfolgt einen weltweit einheitlichen Prüfungsansatz, der allen nationalen und internationalen Anforderungen entspricht. Dabei hat sich der Einsatz IT-gestützter Prüfungstechniken bewährt.

Zum einheitlichen Prüfungsansatz gehören:

  • Verständnis der Geschäftstätigkeit,
  • Planung der Prüfung
  • Beurteilung der Kontrollmaßnahmen
  • aussagebezogene Prüfungshandlungen
  • Prüfungsurteil und Berichterstattung

"Audit Corporate" bündelt das Know-how für die Prüfung von Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen sowie Organisationen des öffentlichen Sektors. Innerhalb von "Audit Corporate" gibt es außerdem Branchenspezialisten, deren Wissen auf die spezifischen Anforderungen der Mandanten ausgerichtet sind - zum Beispiel für Medien und Kommunikation oder Automotive. KPMG hat in Deutschland den größten Marktanteil bei der Prüfung von Banken, Versicherungen und anderen Finanzinstituten. Dabei muss auch das Aufsichtsrecht bedacht werden. Das Fachwissen dafür haben die Fachleute von "Audit Financial Services".

Thomas Beier ist Wirtschaftsprüfer bei KPMG [Quelle: KPMG]

Thomas Beier (Jahrgang 1967) absolvierte nach seinem Abitur eine Banklehre und studierte anschließend BWL in Essen und an der Goethe Universität in Frankfurt am Main. Die Kenntnisse aus der Ausbildung konnte er während des Studiums auch durch entsprechende Praktika bei Banken vertiefen. Im Hauptstudium verlagerte er seinen Schwerpunkt auf Wirtschaftsprüfung und Steuern.
 
 Kurz vor seinem Abschluss bewarb er sich bei mehreren Unternehmen - gab aber KPMG den Zuschlag. "Das Unternehmen war sehr interessiert an mir, auch wenn ich noch keine vollständigen Abschlussnoten vorlegen konnte. Dieses Vertrauen hat mich beeindruckt und meine Wahl beeinflusst", erinnert sich Thomas Beier. So trat er im Januar 1997 bei KPMG ein und ist mittlerweile Partner im Geschäftsbereich Audit.

Sie sind seit über zehn Jahren bei KPMG. Was sind Ihre Aufgaben und mit welchen Projekten befassen Sie sich zurzeit?
Angefangen habe ich als Prüfungsassistent im Audit Financial Services, denn das Geschäftsfeld passte wegen meiner Ausbildung sehr gut zu mir. Nach ein paar Jahren habe ich mein Wirtschaftsprüfer-Examen abgelegt und wurde dann letztes Jahr Partner. Zurzeit verantworte ich mehrere Projekte. Das sind die Jahresabschlussprüfung bei einer mittelgroßen Retail-Bank, die Prüfung der Quartalsberichte einer internationalen deutschen Großbank und die Beratung einer ausländischen Bank, die eine Niederlassung in Deutschland gründen möchte. Zusätzlich leite ich noch ein Projekt, in dem wir das interne Kontrollsystem einer Bank dokumentieren.

Das machen Sie aber nicht alles alleine, oder?
Nein, das wäre kaum möglich. Ich kann bei meinen Projekten auf starke Teams zurückgreifen, die mich tatkräftig unterstützen. Das ist wichtig, da ich mich neben meiner projektbezogenen Arbeit regelmäßig im Recruiting engagiere und KPMG auf Messen vertrete. Mir macht es viel Spaß, interessierten Studenten von KPMG und der Arbeit hier zu erzählen und sie für die Wirtschaftsprüfung zu begeistern.

Viele Studenten träumen ja von einem Auslandsaufenthalt. Wie sieht das bei KPMG aus?
KPMG verfügt über ein hervorragendes Netzwerk von in- und ausländischen Kollegen aus den "Global-Mobility-Teams", die Mitarbeiter bei der Vorbereitung und Umsetzung von Auslandsaufenthalten unterstützen. Ich selbst war zum Beispiel für insgesamt drei Jahre in Sydney. Mein Aufenthalt dort hat mich in jeder Hinsicht weitergebracht: Vieles war neu, ich musste mich beruflich wie auch privat auf viele neue Umstände einlassen. Ich habe dabei eine Menge gelernt und bin an den Aufgaben gewachsen. Außerdem ist Sydney natürlich eine tolle Stadt. Auch wenn wir viel gearbeitet haben, war der Freizeitwert ungleich höher als hier in Deutschland. Selbst der Weg zur Arbeit war toll: Wer würde schon die A5 einer Fähre in der Bucht von Sydney vorziehen?

Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit besonders Spaß?
Vielleicht überrascht das jetzt, aber am besten gefällt mir an meiner Arbeit, dass es nie langweilig wird. Zum einen arbeiten wir für viele verschiedene Mandanten, zum anderen setzen sich die jeweiligen Prüfungs- oder Beratungsteams immer wieder anders zusammen. Oft auch mit Kollegen aus anderen Geschäftsfeldern oder aus dem Ausland. Jede Aufgabe bedeutet eine neue Herausforderung - sowohl die regelmäßigen Tätigkeiten während einer Jahresabschlussprüfung, als auch einmalige Projekte, zum Beispiel bei Fusionen oder Unternehmenszukäufen. Wenn ich mit meinen Kollegen zum ersten Mal bei einem neuen Mandanten bin, finde ich es immer sehr spannend, herauszufinden, wo ihn der Schuh drückt, wo die Schwachstellen sind. Jedes Projekt ist anders und wir müssen uns ständig auf Neues einstellen. Das macht mir Spaß.

Das klingt ja gar nicht nach dem Vorurteil des Wirtschaftsprüfers als Erbsenzähler oder Häkchenmacher?
Mit diesem Irrglauben werde ich auch regelmäßig konfrontiert. Vor allem auf Recruiting-Messen höre ich davon. Wenn ich dann aber erzähle, wie spannend die Wirtschaftsprüfung sein kann, dass man regelmäßig neue Leute und neue Branchen kennen lernt und der Job eine hohe Anforderung an die Mitarbeiter stellt, ändern viele ihre Meinung. Natürlich müssen wir in unserer Arbeit sehr genau sein und auf Details achten, aber dafür werden wir ja schließlich engagiert.

Was können e-fellows erwarten, die ein Praktikum bei KPMG absolvieren?
Wir freuen uns immer über Praktikanten in unseren Teams, da wir so die Gelegenheit haben, uns gegenseitig "beschnuppern zu können". Das gilt für den Praktikanten, der sich mit KMPG und der Arbeit hier vertraut machen möchte, aber auch für uns, weil wir so künftige Mitarbeiter am besten kennen lernen können. Daher ist bei uns ein Praktikum auch ein echtes "training on the job". Wir binden Praktikanten wie alle anderen Mitarbeiter in die Projekte ein und übergeben ihnen auch Verantwortung für einzelne Aufgaben. Angenehm für Praktikanten ist auch die gute Arbeitsatmosphäre bei uns - wir arbeiten häufig in jungen Teams und duzen uns alle.

Welche Qualifikationen sollte denn ein Hochschulabsolvent mitbringen, wenn er bei Ihnen einsteigen möchte?
Absolventen, die sich für einen Einstieg im Audit Financial Services interessieren, sollten grundsätzlich aus dem Bereich Wirtschaftswissenschaften kommen und gute Noten vorweisen können. Aber auch Studenten aus anderen Bereichen wie Mathematik oder Jura, die eine starke Wirtschaftsaffinität mitbringen, sind gerne gesehen. Eine kaufmännische Lehre, Praktika und Auslandserfahrungen sind wünschenswert. Wichtig ist uns vor allem, dass unsere neuen Kollegen durch sicheres Auftreten überzeugen und über gute Englischkenntnisse verfügen. Darüber sollten sie serviceorientiert sein, sich in den Mandanten hineindenken können und die Aufgaben anpacken. Und weil wir immer im Team arbeiten, sind Eigenbrötler bei uns nicht unbedingt richtig.

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